Die never-ending Ewigkeit

23. Dezember 2017 in Kommentar


Aber genau das ist es doch, was Glauben schließlich ausmacht, nämlich von Dingen die man nicht sieht, überzeugt zu sein und sicher zu sein in dem, was man erhofft (Hebr 11,1) - Ein Gastkommentar von Nora Morgan


Linz (kath.net)
Früh am Morgen greife ich nach meinem iPhone, scrolle durch meine E-Mails und Nachrichten und lese auf WhatsApp: „Manchmal beneide ich dich für deinen Glauben. Ich denke, dass der sehr unterstützend sein kann bei der Lebensaufgabe, dass es dem Herzen gut geht.“ Ich werfe mein iPhone zurück in meine Handtasche. Speechless! Was ich meiner Arbeitskollegin auf ihre ungewohnt tiefsinnige Nachricht hätte antworten sollen wusste ich nicht.

Ehrlich gesagt, habe ich ihr aber bis heute nichts zurückgeschrieben, doch war mir ihre WhatsApp Nachricht ein Anreiz zu verinnerlichen, wie es um meinen persönlichen, christlichen Glauben steht. Meine Arbeitskollegin aka Freundin (eine ganz toughe, junge Frau) ist im Vergleich zu mir, ohne Glauben aufgewachsen. Ihre Eltern wollten ihr die Freiheit lassen, sich einmal selbst für einen Glauben entscheiden zu können. Eine gleichgültige Lösung? In ihrer WhatsApp Nachricht zu Weihnachten ist er aber nach wie vor da, ihr Wunsch nach Glauben!

Glaube ist eine persönliche Sache, ein persönliches Bekenntnis und es kann auf jeden Fall nur ein Gewinn sein, wenn man gut begründen kann, warum man glaubt und was es mit dem persönlichen Glauben auf sich hat, auch wenn es vielleicht nur ein paar Worte sind. Was würde ich wohl meiner aufgeschlossenen Freundin beim nächsten Mal (wir würden bestimmt bei einem Kaffee und einer Zigarette irgendwo in der Sonne zusammensitzen) über mich und meinen Glauben erzählen? Womit fange ich an?

First of all, sehe ich Glauben als großes Geschenk der Gnade an und assoziiere ihn deshalb mit einem Geschenk um deutlich zu machen, dass man Glauben eben nicht gut kaufen kann. Er kann einem nur gegeben, um nicht zu sagen geschenkt werden. Wenn einem dieses kostbare Geschenk aber anvertraut wird - was verbirgt sich darin? Erst nach dem Entfernen der hübschen Schleife und des glitzernden Geschenkpapiers dürfen wir die wahre Kostbarkeit erkennen, welche für das menschliche Auge verborgen war, nämlich, dass es die Gnade des Glaubens ist, welche uns die Augen des Herzens öffnet (Eph 1,18). Dann liegt es aber an uns, wie ich finde, den Schatz des Glaubens zu bewahren und zu umsorgen, wie einen seltenen, fancy Diamanten. Glauben bedeutet für mich selbst zudem, loslassen und vergessen zu können. Damit meine ich, meinen Gedanken auf Vergangenes nicht nachzugehen, egal ob es sich um sanft romantische oder weniger schöne Erinnerungen handelt, sondern vielmehr meinen Blick hoffnungsvoll nach vorne zu richten und weiter am Weg des Lebens zu schreiten. Ganz so wie es uns kraftvoll von Paulus signalisiert wird: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.“ (Phil 3,13). Das wollen wir doch nicht alle tun bei dieser unserer Lebensaufgabe, damit es unserem Herzen gut geht, oder?

Hinsichtlich dieses Auftrags geht für mich der Glaube sehr stark mit Hoffnung einher, denn glauben zu können ohne zu hoffen ist nicht gut möglich, sind doch Glaube und Hoffnung für mein Gefühl – an item!
Ist es mit unserer Lebensaufgabe nicht auch so, dass sie darin besteht, einmal dem Tod gut gegenüberstehen zu können, am Ende unserer Tage? Der Glaube und das Leben nach dem Tod sind aus meiner Sicht auch stark miteinander verknüpft. Als Christinnen und Christen glauben wir daran.

Certainly! Von Kindheit an habe ich mich immer wieder gefragt, was es mit der Ewigkeit in Wahrheit auf sich hat. Eine Antwort auf diese Frage geht bis heute über meinen Verstand hinaus. Es ist mir nicht gut möglich mir die Ewigkeit vorstellen zu können. Denn sie endet nie! Never-ending!

Aber genau das ist es doch, was Glauben schließlich ausmacht, nämlich von Dingen die man nicht sieht, überzeugt zu sein und sicher zu sein in dem, was man erhofft (Hebr 11,1). Auch wenn die Vorstellung meinen Verstand übersteigt, glaube ich an das ewige Leben, an die Wirklichkeiten des Himmels und dass dort unsere Heimat ist (Phil 3,20). Vielleicht ist gerade diese Besonderheit das wahrhaft Wundervolle am christlichen Glauben, dass Menschen immer wieder aufs Neue fasziniert. Nämlich sich das scheinbar Unmögliche nicht nur vorzustellen, sondern es vielmehr zu glauben, in der Gewissheit, dass für Gott nichts unmöglich ist (Lk 1,37).


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