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Sudan: ‚Viele unserer Christen sind für ihren Glauben gestorben’

12. September 2005 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Bischof Macram Gassis sprach in der Schweiz über die systematische Christenverfolgung im Sudan. Ein Bericht von Reto Beeler.


Zürich (www.kath.net) Er machte als erster die Menschenrechtsverletzungen in seinem Land international bekannt und ist seither permanent in Lebensgefahr: Der sudanische Bischof Macram Gassis von El Obeid im Sudan feierte am 6. September eine Heilige Messe in der Liebfrauenkirche in Zürich und hielt einen Dia-Vortrag über die katholische Kirche im Sudan.

„Es ist nicht schön, wenn man über sein Land reden muss und sagen muss, es sei böse. Aber ich bin Hirte und Bischof und so muss ich immer die Wahrheit sprechen. Aus diesem Grund werde ich im Sudan als ‚schlechter’ Bischof bezeichnet“, berichtete Bischof Gassis, der immer von Leibwächtern begleitet wird, wenn er durch seine Diözese reist, weil die Gläubigen Angst um sein Leben haben.

Das selbe Schicksal wie sein Volk

„Als ich aufstand, um die Würde meines Volkes zu verteidigen, ihre gottgegebenen menschlichen Rechte, da wusste ich, dass ich das selbe Schicksal und die selben Verfolgungen erfahren werde. Und ich teilte die Erfahrung meines Volkes, indem ich kein komfortables Leben führen konnte: Ich hatte keinen Frieden, keine Identität, kein fließendes Wasser, keine Transportmittel - das einzige Transportmittel waren meine Füße.“

Dennoch habe er sich „privilegiert“ gefühlt, bekannte er in seiner Predigt. „Denn spirituell sind wir reich. In dieser Isolation ist die Kirche sehr lebendig, aber wir brauchen Hilfe.“ Konkrete Hilfe spendet das internationale Hilfswerk „Kirche in Not“ in der Schweiz, auf dessen Einladung der Bischof kam.

Systematisch verfolgt und zwangsislamisiert

Die Lage der Christen im Sudan ist dramatisch: Die Christen werden systematisch verfolgt und zwangsislamisiert. Ein Bürgerkrieg, der mehr als vierzig Jahre dauerte, forderte über zwei Millionen Todesopfer, mehr als vier Millionen Menschen müssten flüchten.

Seit 1989 sind nach Schätzungen der einheimischen Ortsbehörden bis zu 200.000 Frauen und Kinder aus dem christlich-animistischen Südsudan in den islamischen Norden des Landes verschleppt und versklavt worden. Bischof Macram Gassis war der erste, der die Menschenrechtsverletzungen in seinem Land international bekannt machte.

Der erste katholische Bischof

Nach eigenen Worten ist Bischof Gassis für die Regierung in Kharthum ein Rätsel: Sein Großvater war ein Syrer; deswegen sieht Bischof Gassis aus wie ein Araber, spricht arabisch, aber er war der erste katholische Bischof im islamisch geprägten Norden. In seiner Diözese in den Nuba-Bergen wächst die katholische Kirche sehr stark.

Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass der Bischof während der Kriegsjahre bei der Bevölkerung geblieben war, während viele andere flüchteten. In einer einzigen Messe firmte Bischof Gassis 503 Menschen; ein anderes Mal taufte er über 250 Erwachsene gleichzeitig. Vor einem Jahr wurde der Bischof von einem Stamm aufgesucht, der drei Tage und drei Nächte unterwegs war, um ihn zu bitten, getauft zu werden.

Kathedrale ist Baumkrone

In seinem Dia-Vortrag zeigte Bischof Gassis auf, dass ein Missionsbischof eine sehr vielfältige Berufung ist. Als „Vater aller“ ist er zuständig für den Bau von Spitälern, Schulen, Kirchen, für die Ausbildung von Priestern, Lehrern, Krankenpflegern. Seine Kathedrale ist nicht in einem Gebäude, sondern unter der Krone eines riesigen Baumes. Damit er seine vielfältigen Aufgaben erfüllen kann, ist er auf Hilfe von außen angewiesen. Seinen Dia-Vortrag schloss Bischof Gassis mit den Worten: „Beten Sie für mich. Ich habe das Herz eines Löwens, aber mein Körper ist schwach.“

Märtyerer: Schluss mit Kompromissen

In seiner Predigt sprach er über die Märtyrer. „Sie haben aufgehört damit, Kompromisse einzugehen. Dies ist die Krankheit unserer heutigen Welt: wir versuchen immer Kompromisse einzugehen. Wir verzichten auf unsere moralischen Werte und unseren geistlichen Reichtum, um Kompromisse einzugehen. Jesus selber lehrte uns aber, wir könnten nicht zwei Herren dienen.“

„Viele unserer Christen sind für ihren Glauben gestorben“, sagte der Bischof. „Mein Katechet Augustino wurde für seinen Glauben gekreuzigt. Im Sudan ist Sklaverei eine Realität. Und wenn sie fragen ‚Ist das denn die Möglichkeit, in der heutigen Zeit?’, dann antworte ich ihnen: Ja, im Sudan haben wir Sklaverei. Wir haben den Dschihad, den Heiligen Krieg. Wir haben Gewalt gegenüber jungen Mädchen und Frauen. Unsere Kirchen und Kapellen werden gebrandschatzt. Den Leuten werden Nahrungsmitteln vorenthalten, um sie dazu zu bringen, Muslims zu werden.“

Friedensabkommen: Nicht Ende sondern Anfang

Das Friedensabkommen für den Sudan vom Jänner sei „nicht das Ende sondern der Anfang“, betonte der Bischof. „Friede braucht Gerechtigkeit. Friede ist ein Prozess. Und dieser Prozess muss entworfen und darauf gelebt werden.“ Die sudanesische Kirche sei nicht nur eine „Empfängerkirche“, sagte er im Hinblick auf die Unterstützung durch das Hilfswerk „Kirche in Not“.

Auch sie sei eine „Geberkirche“ und die Kirche des Westens eine „Empfängerkirche“. „Das ist wahr wegen unserer Liebe, der Kreuzigung unserer Leute, der Tränen unserer Frauen, der Versklavung unserer Kinder und der Vergewaltigung unserer Mädchen. Wir sind Jesus am Kreuz und wir bringen der Kirche Versöhnung und Erlösung. So ist dies ein gegenseitiges Geben und Nehmen.“

Christ sein erfordert tätige Liebe

Christ sein erfordere tätige Liebe, schloss der Bischof seine Predigt. „Christ sein ist nicht wie ein Hemd, das wir anziehen und wieder ausziehen. Christ sein ist unsere Berufung, unser Leben. Ich möchte mit einem Wort des Heiligen Augustinus schließen: ‚Wenn du nur eine Seele gerettet hast, dann hast du das Schicksal deiner eigenen Seele bestimmt.’ So lasst uns viele Seelen retten, damit wir im Himmel vereint sind.“

Foto: Reto Beeler



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