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'Tatbestand der Religionsverunglimpfung'

1. Mai 2006 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Weiter Kirchen-Proteste gegen Ausstrahlung von "Popetown" - Bischof Mixa: "Wir müssen als Christen das Wort erheben und dürfen uns unser Rückgrat nicht brechen lassen."


München (www.kath.net/IBA )
Protest gegen die geplante Ausstrahlung der "Cartoon"-Serie "Popetown" des Privatsenders MTV am 3. Mai erhebt der Diözesanrat der Katholiken in der Diözese Augsburg. Auf der Vollversammlung, die gestern und heute in Augsburg tagte, stellten sich die Delegierten hinter ein Schreiben des Vorstandes, das dieser an den Sender gerichtet hatte. Auch Bischof Walter Mixa protestierte gegen die geplante Ausstrahlung: "Wir müssen als Christen das Wort erheben und dürfen uns unser Rückgrat nicht brechen lassen.

Zuvor hatte der Vorsitzende des Diözesanrates, Helmut Mangold, in seinem Bericht festgestellt, dass die Serie offensichtlich nichts mehr mit Satire zu tun habe, sondern nach Paragraf 166 des Strafgesetzbuches den Tatbestand der Religionsverunglimpfung darstelle. "Respekt muss allen Religionen in unserem Land gelten. Ebenso wie wir verhöhnende Mohammed-Karikaturen ablehnen, wenden wir uns auch mit aller Entschiedenheit gegen solche Zeichentrickfilme. Warum nicht einen deutlichen Brief an MTV senden oder an die Filmselbstkontrolle, oder noch besser an die Werbepartner von MTV. Da sind viele renommierte Firmen wie Coca Cola, debitel, Vodafone, Burger King oder auch Levi Strauss darunter. Da Privatsender eigentlich nur große Geldsammelmaschinen für Werbeeinnahmen sind, bei denen das Programm nur die Köderfunktion auszuüben hat, ist ein Rückzug von Werbesponsoren die wirksamste Maßnahme", sagte Helmut Mangold.

Eichstätter Diözesanvorstandschaft des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ): Proteste gegen Popetown - Aufruf zum Boykott von MTV

Die Eichstätter Diözesanvorstandschaft des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) vertraut "auf die Medienkompetenz vieler junger Menschen, die Niveaulosigkeit und diskriminierende Art der MTV-Sendung Popetown" mit einem "Zapp auf einen anderen Kanal oder den Aus-Knopf zu quittieren". Der Dachverband der Katholischen Kinder- und Jugendverbände des Bistums Eichstätt protestiert "aufs Schärfste" gegen die geplante Ausstrahlung und deren vorgeschalteter Werbung durch den Musiksender MTV. Er sieht darin eine Diskriminierung des christlichen Glaubens und eine "Beleidigung der Christen, besonders auch vieler junger Christen". "Es ist dreist, mit einer niveaulosen provokativen Werbung und einer bewussten Kränkung zu versuchen, die Sendung ins öffentliche Interesse zu rücken, um so Quoten zu gewinnen", so die Diözesanvorsitzende Ulrike Bergmeir. Durch das Konzept der Sendung würden wichtige Grundwerte der Gesellschaft wie der Respekt vor Anderen und die Achtung religiöser Gefühle und Überzeugungen bewusst missachtet.

Der BDKJ-Vorstand hofft nach eigenen Worten, dass die öffentliche Diskussion dazu führe, "dass die Medien endlich ihre Verantwortung in der Gesellschaft wahrnehmen und ihren Teil dazu beitragen, jungen Menschen Werte wie etwa die Achtung voreinander zu vermitteln und Vorurteile abzubauen. Ein entsprechendes Mediengesetz wäre eine Lösung, jedoch halten wir einen Ehrenkodex aller Medienverantwortlichen für sinnvoller und vielversprechender", so der Diözesanvorsitzende Anton Mayer. Auch der Eichstätter Diözesanrat hat in einem Schreiben an den Sender "MTV" seinen Unmut über die geplante Sendung ausgedrückt. Nach den Worten seines Vorsitzenden Dieter Salomon verletze diese ebenso wie die dazugehörige Werbung die religiösen Gefühle von großen Teilen der Bevölkerung. Der Diözesanrat versteht sie "als einen direkten Angriff auf den christlichen Glauben".

Deutsch-Vatikanische Gesellschaft spricht von Armutszeugnis für Deutschlands Kultur

Mit deutlichen Worten hat sich auch die Deutsch-Vatikanische Gesellschaft e. V. (DVG) Sitz Stuttgart gegen die TV-Serie "Popetown" gewandt, mit deren Ausstrahlung der Musiksender MTV am 3. Mai beginnen will. DVG-Präsident Diethelm Lütze erklärte, die Serie sei eine Provokation angesichts des anstehenden Papstbesuchs im kommenden September. Außerdem sei sie ein "Armutszeugnis für unsere Kultur". Nicht umsonst habe Deutschland bei der Pisastudie beklagenswert schlechte Ergebnisse erzielt. Lütze forderte den Sender auf, die Ausstrahlung abzusagen. Er plädierte dafür, das Thema Gott und Glaube nicht in Karikaturen zu fassen, wenn sie, wie im vorliegenden Falle, allein der Volksbelustigung und Verhöhnung dienten. Lütze: "Die Freiheit der Meinung und der Kunst hat ihre Grenzen. Was wir hier zu sehen bekommen, ist primitiv, dümmlich und verunglimpfend." Es zeichne ein Zerrbild Deutschlands, des Landes, aus dem erstmals seit Jahrhunderten wieder das Oberhaupt der Weltkirche kommt. Lütze, der sich als Sammler von Kunst und Literatur bundesweit einen Namen gemacht hat, erinnerte gleichzeitig an die grundsätzliche Berechtigung von Karikatur sowie auch ihre souveräne Qualität bei Grosz, Dix, Schlichter und Gulbrandsson in der Vergangenheit. Die DVG hat den Zweck, die zwischen der Bundesrepublik Deutschland, dem Heiligen Stuhl und dem Staat der Vatikanstadt bestehenden religiösen und kulturellen Beziehungen zu fördern und zu vertiefen.

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