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'Dieser Sieg ist ein Triumph der Jungfrau von Guadalupe'

9. Juli 2006 in Interview, keine Lesermeinung
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Schriftsteller Carlos Fuentes über die Präsidentschaftswahl: Alle Politik drängt in die Mitte von Nathan Gardels/Die Welt.


Hamburg (kath.net/Die Welt)
DIE WELT: Was bedeutet es für Mexiko, daß Felipe Calderón, der Kandidat der Rechten, die Wahl hauchdünn gegen den Linken Andrés Manuel López Obrador gewonnen hat?

Carlos Fuentes: Es bedeutet, daß die Angstkampagne gegen López Obrador - daß er das alte Mexiko zurückbringen würde - funktioniert hat. Es bedeutet, daß Präsident Vicente Fox in Mexiko noch immer populär ist. Er war keine Belastung für Calderón. Es bedeutet, daß Calderón nun dem rechten Flügel seiner eigenen Partei abspenstig gemacht werden muß. Wer immer diese Wahl gewonnen hätte, hätte sich entweder nach Mitte-links oder Mitte-rechts bewegen müssen. Mexiko ist jetzt eine normale Demokratie, in der wie anderswo alle Politik in die Mitte gedrängt wird. Die Herausforderung für Calderón ist nun, das halbe Land, das gegen ihn gestimmt hat, zu überzeugen, damit er regieren kann.

WELT: Warum ist das Land so gespalten?

Fuentes: Vor Fox hat die PRI (die Partei der institutionalisierten Revolution, Anm. d. Red.) Mexiko 71 Jahre lang regiert. Die Undurchsichtigkeit ihrer Macht, ihre Revolutionsrhetorik, ihre brutale Durchsetzung der politischen Einheit hat den Blick auf die mexikanische Wirklichkeit verstellt. Nun, da sie in den Fox-Jahren von der politischen Bühne verschwunden ist, kann das Land sein wahres Gesicht zeigen. Die eine Hälfte des Landes ist links, die andere rechts.

WELT: López Obrador wollte die Nafta-Bestimmungen für Getreide und Bohnen aufheben, damit die Bauern auch andere Bestimmungen des Vertrags neu verhandeln könnten. War diese Wahl auch ein Referendum über die Nafta und die Globalisierung?

Fuentes: Überhaupt nicht. Außenpolitik kam in dieser Wahl nicht vor. López Obrador hat die USA, Hugo Chávez oder Brasiliens Präsidenten Lula nie erwähnt. Calderón auch nicht. Es war eine rein innenpolitische Wahl, die sich einzig um die Zukunft des Landes drehte, den einzuschlagenden Weg. Und obwohl tief gespalten, hat es sich entschieden, auf dem von Fox bestimmten Kurs zu bleiben.

Der Katholizismus war ein unglaublich wichtiger Faktor, der Calderón mit der katholischen PAN (Partido Acción Nacional, Anm. d. Red.) den knappen Sieg brachte. Dieser Sieg ist ein Triumph der Jungfrau von Guadalupe, Mexikos Schutzheiliger. Sie ist Mexikos einzig wahre Realität. Sie ist alles, an was die Menschen wirklich glauben. Die Jungfrau erreicht alle sozialen Schichten.

Die allerärmsten Mexikaner, natürliche Wähler López Obradors, vertrauen vor allem ihr. Soweit sich Calderón als katholischer Kandidat präsentieren konnte, hat er gewonnen. In Kalifornien haben 57 Prozent der eingewanderten Mexikaner für den Katholiken Calderón gestimmt.



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