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Neue Perspektiven in der Sindologie

9. März 2008 in Interview, keine Lesermeinung
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Interview mit Nello Bassino, Autor von "Das Bild auf dem Turiner Grabtuch".


Rom (www.kath.net/ Zenit)
Das Leichentuch von Turin stand im Mittelpunkt des jüngsten Internationalen Kongress über die wissenschaftliche Studien in der Sindologie, Bestandteil des Master-Programms im Bereich Wissenschaft und Glauben der Universität Regina Apostolorum in Rom.

In diesem Interview befragte ZENIT Nello Balossino, den stellvertretenden Direktor des Zentrums für Sindologie und Autor des Buches „Das Bild auf dem Turiner Grabtuch: Photographische Untersuchung und Informationsstudie“ (erschienen bei Schnell & Steiner in Regensburg im Jahr 2000), über den aktuellen Stand der Studien zum Leichentuch.

ZENIT: Nach so vielen Jahren des Studiums eine Frage an Sie persönlich: Wer ist Ihrer Meinung der Mann, der am Leichentuch abgebildet ist?

Balossino: Über Jahrhunderte hat man am Leichentuch interdisziplinäre Studien durchgeführt. Einige von ihnen haben unverwechselbare und signifikante Ergebnisse erbracht. Andere haben einfach die Grundlagen für die spätere Forschung gelegt. Egal wie, alle Studien stimmen wahrhaftig in der Feststellung überein, dass dieses Leichentuch keine Fälschung ist, sondern dass es durchaus sein könnte, dass das Tuch den Körper eines Mannes bedeckt hat, der dem Martyrium der Kreuzigung unterzogen wurde und eben die Merkmale aufweist, wie sie in den Evangelien beschrieben werden.

Somit könnte es auch Christus sein. Die Untersuchung, die wir mit Hilfe von Computer-Technologie durchgeführt haben, hat diese Hypothese untermauert: Die digitale Analyse der Daten beweist die zugrunde liegenden Informationen. Sehen Sie zum Beispiel, wie es dank der Technologie möglich wurde, einige der Details der Gesichtswunden zu entdecken, die nicht mit dem bloßen Auge sichtbar waren.

ZENIT: Welche Bedeutung hat die Radiokohlenstoffdatierung, bei der drei unabhängige Institute eine Probe mit 95 Prozent Konfidenz auf ein Alter zwischen 1260 und 1390 n. Chr. datierten, für die Aufdeckung der Wahrheit?

Balossino: Wenn sie mit Aufdeckung der Wahrheit einen unwiderlegbaren Beweis dafür meinen, dass dieses Leichentuch Christi Körper bedeckte, dann wird das wahrscheinlich nie passieren. Dennoch hat die Radiokohlenstoffdatierung, die eines der kontroversen Themen in der Analyse des Turiner Grabtuches darstellt, keinen Einwand gegen die Forschung, die über die Jahre gelaufen ist, eingespielt, weil es um eine Methode geht, die jeweils wieder in Frage gestellt werden könnte.

Die Radiokohlenstoffdatierung tut dem in keinster Weise Abbruch, was auf dem Bild dargestellt ist, mit anderen Worten, was da an Leiden von einem Mann getragen wird. Was die Gültigkeit der radioaktiven Datierung des Leichentuches angeht, von dem man ja weiß, das es in vielerlei Weise über die Jahrhunderte verunreinigt wurde, darunter auch vom Feuer von Chambery, sollten wir sehr vorsichtig mit der Anwendung rascher Schlussfolgerungen sein, die auf diesen Ergebnissen basieren.

Dies ist auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass das auf die Untersuchungen von 1988 folgende Protokoll, anders als bei der sonst üblichen Praxis, wie beispielsweise die blinde Auswahl der Stichproben, durchgeführt wurde. Jetzt freuen wir uns auf eine wahrscheinliche Überprüfung der Methodik, die von sehr vielen Leuten gewünscht wird, die das Leichentuch untersucht haben.

ZENIT: Ist es Ihrer Meinung nach möglich, das genaue Alter des Leichentuchs zu bestimmen? Welche Werkzeuge und Technologien kämen für einen angemessenen Forschungsrahmen in Frage?

Balossino: Ich glaube, dass eine interdisziplinäre Gruppe von Experten entscheiden sollte, wie sie eine Methodik für die Datierung des Tuches bestimmen möchte. Das Ziel wäre, die Radiokohlenstoff-Datierungsfehler zu vermeiden. Es gibt zum Beispiel eine Technologie wie „Cellulite Depolymerisation“, die besser dazu geeignet ist, um das Alter des Tuches derart zu bestimmen, dass es nicht von Verschmutzungserscheinungen jeder Art beeinflusst wird.

ZENIT: Ist es wahr, dass Spuren von Blut des gekreuzigten Mannes auf der linken Seite des Leichentuchs gefunden wurden?

Balossino: Es gibt eine Reihe von Blutspuren, die von dem gekreuzigten Mann auf dem Leichentuch stammen. Sie kamen, während er noch lebte, aber auch noch nach seinem Tod, wie etwa die besondere Wunde auf der rechten Seite.

ZENIT: Gibt es eine wissenschaftliche Erklärung, welche dieses Bild von einem Mann, der in ein Tuch eingehüllt ist, in der gleichen Art und Weise replizieren kann, wie es beim Turiner Grabtuch der Fall ist?

Balossino: Viele Theorien wurden über die Herkunft des Bildes auf dem Leichentuch vorgeschlagen. Die glaubwürdigsten sind nämliche, weil sie Bilder ähnlich dem Turiner Grabtuch ergaben.

Die Kontakttheorie: Der Körper des Mannes im Turiner Grabtuch hat den Aufdruck durch den direkten Kontakt mit dem Tuch in einem Zeitraum von weniger als 40 Stunden verursacht. Es gibt keine klaren Spuren von Zersetzung.

Die Dampftheorie: Dämpfe, welche von der Leiche ausgingen, reagierten mit der Aloe- und Myrrhelösung, die möglicherweise im Tuch war, um der Zersetzung vorzubeugen.

Strahlenenergie-Theorie: Verschiedene Arten von Energie reagierten auf die Aloe- und Myrrhelösung, zum Beispiel Licht oder elektromagnetische Energie oder sogar die Umwandlung von Materie in Energie, was nur durch eine nukleare Explosion möglich ist.

Es sollte darauf hingewiesen werden, dass die Experimente bisher nur im Bereich des Gesichtes durchgeführt worden sind und zu einer Reihe von Anwendungsproblemen geführt haben, und ich kann mir vorstellen, dass ähnliche Probleme entstehen, wenn Vorder- und Rückseite der Körperregionen untersucht werden.

ZENIT: Warum haben wohl so viele Menschen Angst vor der Auseinandersetzung mit dem Abdruck Jesu auf dem geheimnisvollen Leichentuch?

Balossino: Vielleicht, weil sie davor Angst haben zuzugeben, das es vor 2.000 Jahren einen Mann gab, der bereit war, sich für die Menschheit zu opfern. Heute gibt es auch viele Menschen, die, wenn auch nicht in gleich extremer Weise wie Christus, bereit sind, für ihren Nächsten ihr Leben zu geben und nicht nur in ihrem eigenen Egoismus verstrickt zu bleiben.

[Interview von Antonio Gaspari; Übersetzung ins Deutsche von Angela Reddemannn]

Kathpedia: Turiner Grabtuch



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