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'Nicht wir bekehren uns zur Piusbruderschaft'

27. April 2009 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Kardinal Kasper bei Vortrag in Trier: Piusbruderschaft muss das Zweite Vaticanum sowie das Lehramt der Päpste nach dem Zweiten Vaticanum und den Katechismus der katholischen Kirche anerkennen


Trier (kath.net/pbt) In der Ökumene gibt es keineswegs einen Stillstand oder eine Eiszeit. Das hat der römische Kurienkardinal Walter Kasper am 24. April in Trier betont. Kardinal Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und damit im Vatikan für die Ökumene zuständig, äußerte sich bei einem Pressegespräch und einem anschließenden Vortrag vor den Priestern des Bistums Trier.

Unmittelbar vor der Eröffnung der 12. Heilig-Rock-Tage, dem Bistumsfest der Diözese Trier, sagte Kardinal Kasper, dass in der Ökumene bereits sehr viel erreicht worden sei. Zudem seien die offenen Fragen definiert, was in der Regel schon „die Hälfte der Lösung" bedeute.

Im Anschluss an das Zusammentreffen mit den Priestern stand Kardinal Kasper auch dem Eröffnungsgottesdienst der Heilig-Rock-Tage vor. Bis zum 3. Mai werden zu dem Trierer Bistumsfest mehrere Zehntausend Besucher erwartet.


Kardinal Kasper unterstrich in den Gesprächen, dass die Ökumene reifer geworden sei. Die Ökumene sei eine „Grunddimension der katholischen Kirche, eine heilige Pflicht: Ökumenisch sein und katholisch sein, gehören zusammen." Heute sei in der Ökumene insofern ein „Wendepunkt" erreicht, als man an „harte Fragen kommt, an denen man sich abarbeiten muss."

In Deutschland beobachte er dabei zuweilen eine „Alles-oder-Nichts-Haltung". Man konzentriere sich oft einseitig auf die Fragen, in denen es noch keine Einigung gebe. Deutschland nehme auch insofern eine Sonderrolle in der Ökumene ein, als es das Land der Reformation sei und hier in etwa gleich viele katholische und evangelische Christen lebten.

Diese sollten sich heute stärker denn je die Frage stellen, was sie gemeinsam in die säkularisierte Gesellschaft einbringen könnten, forderte Kardinal Kasper.

Im Blick auf das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum sagte er, dass dieses sehr gut sei und von gegenseitigem Respekt geprägt werde. Eine organisierte, formelle Judenmission gebe es nicht. Juden und Christen hätten „sehr viel gemeinsam", auch die Juden glaubten an den „wahren Gott".

Der zentrale Unterschied sei das christliche Verständnis von Jesus Christus als dem Sohn Gottes. Vor dem Hintergrund der Debatte um die Piusbruderschaft und dem Eklat durch die Äußerungen des traditionalistischen Bischofs Richard Williamson, der den Holocaust geleugnet hatte, sagte Kasper, dass dies nicht nur eine Dummheit sei, sondern, dass dies auch „ein neues Unrecht gegenüber den Opfern" sei. Die hierdurch entstandenen Irritationen zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum hätten jedoch rasch ausgeräumt werden können.

Kardinal Kasper verteidigte die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft. Er räumte jedoch ein, dass es ein Fehler gewesen sei, sich vorab nicht besser über die Bischöfe zu informieren.

Papst Benedikt XVI. habe mit seinem Vorgehen den Versuch unternommen, ein dauerhaftes Schisma zu verhindern. Nun müssten möglichst bald, wenn möglich noch vor dem Sommer, offizielle Gespräche folgen, die es bislang noch nicht gegeben habe.

Kardinal Kasper sagte, dass von der Piusbruderschaft drei Kriterien für die volle Wiederaufnahme zu erfüllen seien: „Sie müssen das Zweite Vaticanum ganz anerkennen, sie müssen das Lehramt der Päpste nach dem Zweiten Vaticanum anerkennen, und sie müssen den Katechismus der katholischen Kirche anerkennen.". Die Bruderschaft müsse „Schritte auf uns zu" tun; „ob sie das tun, ist eine andere Frage, aber sicher ist: nicht wir bekehren uns zu ihnen."

Foto: (c) Christoph Hurnaus


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