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Bischof Ackermann in Trier eingeführt

24. Mai 2009 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Der neue Bischof über die geplante Bistumsreform, die Piusbruderschaft, Donum vitae und die Guantanamo-Häftlinge.


Trier (kath.net/sbk/Bistum Trier) Am Sonntag wird Stephan Ackermann als neuer Bischof von Trier eingeführt. Nach rund 14-monatiger Sedisvakanz folgt er Reinhard Marx nach, der jetzt Erzbischof von München und Freising ist. Der 46-jährige neue Bischof stammt aus dem Bistum Trier und war zuvor Weihbischof. Das Bistum Trier ist das älteste Deutschlands – es wurde im dritten Jahrhundert gegründet - und Ackermann ist sein 103. Bischof. Kath.net hat berichtet.

Die lange Geschichte des Bistums wirke auf ihn einerseits „Respekt einflößend“, andererseits „auch beruhigend, denn sie sagt mir: Gott hat die Trierer Kirche schon durch so viele Höhen und Tiefen begleitet, da wird er der Diözese und mir auch weiterhin beistehen“, sagte Ackermann in einem ddp-Interview, wie Ad Hoc News meldet.

Die Strukturreform des Vorgängers Marx sieht verbindlich vor, aus bisher 334 Pfarreien des Bistums 173 zu bilden. Ackermann hält sich an diese Vorgabe und verweist auf die starke Beteiligung von Haupt- und Ehrenamtlichen bei der Ausarbeitung der Reform. Entscheidend sei nun letztlich die personelle Ausgestaltung.

Mit den drei Niederlassungen der Pius-Bruderschaft im Bistum Trier führe nicht der Bischof den Dialog, sondern die vom Papst dazu beauftragte Kommission. „Insofern besteht für mich zur Zeit kein Anlass zum Handeln. Man wird die Ergebnisse abwarten müssen.“

Angesprochen auf einige Donum vitae-Beratungsstellen zweifle er bei den konkreten Personen nicht daran, dass „Beratung zum Leben hin“ stattfinde. „Dennoch bleibt klar, dass Donum vitae keine Beratung im Sinne und im Auftrag der katholischen Kirche durchführt. Dass hier keine Einheit mit uns Bischöfen und dem Papst gegeben ist, finde ich bitter. Das schwächt das gemeinsame Zeugnis der katholischen Kirche.“

Staatliche Hilfe aus Steuergeld für Banken oder Großbetriebe hält er dann für vertretbar, wenn es darum geht, „den Menschen, die von einem möglichen finanziellen Kollaps des Unternehmens betroffen sind, die Zulieferer mit eingeschlossen, eine Perspektive zu geben. Die entscheidende Frage ist, wodurch können wir schlimmeren Schaden vom Gemeinwesen abwenden.“

Für eine Aufnahme von Guantanamo-Gefangenen spreche er sich aus, „sofern klar ist, dass die Betroffenen zu keiner terroristischen Vereinigung gehörten“. Wenn jemand jahrelang unschuldig gefoltert wurde und daher nicht in den USA leben wolle, aber auch nicht ohne Lebensgefahr in sein Heimatland zurückkehren könne, solle er in Europa Aufnahme finden; es handle sich „ohnehin um eine recht überschaubare Zahl von Menschen“.

Die Amtseinführung im Trierer Dom nahm am 24. Mai der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner vor. Rund 30 Bischöfe, zahlreiche weitere Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft sowie Repräsentanten anderer christlicher Kirchen und der Jüdischen Kultusgemeinde nahmen gemeinsam mit mehreren Tausend Gläubigen an der feierlichen Amtseinführung, am Gottesdienst und an dem anschließenden Empfang im Bischöflichen Priesterseminar teil.


Bischof Ackermann wirkte bereits seit 2006 als Weihbischof in seiner Trierer Heimat. Sein Wahlspruch „Herr, bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht“ ist Psalm 36 entnommen. Innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz gehört Ackermann den Kommissionen für „Wissenschaft und Kultur“ und „Weltkirche und Migration“ an.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, würdigte Bischof Ackermann während der Amtseinführung am Sonntag um 15 Uhr im Trierer Dom als Mann der Pastoral: „Du giltst als jemand, der in seiner Meinung nicht beliebig, sondern eindeutig ist. Der Mensch liegt Dir am Herzen und damit auch die Pastoral in den Gemeinden“, so Zollitsch.

Als jüngster Bischof der Deutschen Bischofskonferenz übernehme Ackermann das älteste Bistum der Bundesrepublik. Der Erzbischof dankte Bischof Ackermann bei der Einführung auch für den bisherigen Dienst als Vorsitzender der Deutschen Kommission „Justitia et Pax“: „In dieser Aufgabe hast Du immer wieder die Stimme zu politischen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Fragen erhoben. ‚Justitia et Pax’ erhebt die Stimme, wenn die Option für die Armen konkret werden muss, wenn Ungerechtigkeit im gesellschaftlichen Leben Einzug hält“, sagte Zollitsch.

In seinem Grußwort zum Abschluss des Gottesdienstes wies der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, darauf hin, dass mit Stephan Ackermann nun der jüngste deutsche Diözesanbischof das älteste Bistum Deutschlands leite. Dabei habe der neue Bischof von Trier einen großen Vorteil: „Du bist einer von hier und das ist für das Bistum Trier von großem Wert!"

Bei Stephan Ackermann, so sagte Erzbischof Zollitsch, spüre man eine „fruchtbare Verbindung von Optimismus und Realismus." Bodenständigkeit und Zuversicht seien Haltungen, die das priesterliche und bischöfliche Wirken des neuen Trierer Bischofs kennzeichneten und ihn persönlich charakterisierten.

Auch bat Erzbischof Zollitsch die Gläubigen, den neuen Bischof zu unterstützen: „Helft mit durch Euer Bekenntnis, durch Euren Einsatz, damit Glaube, Hoffnung und Liebe in Eurer Heimat weiterleben und weiter wachsen, damit auch das dritte Jahrtausend ein christliches Jahrtausend wird: für das Bistum Trier und für unser Land."

„Als Verbindungsmann von der kirchlichen Gegenwart zum kirchlichen Ursprung ist der Bischof Zeuge Christi inmitten der Welt" sagte Kardinal Meisner in seinem Grußwort. Christus bezeugen, heiße, christuskonform zu leben und christusförmig zu handeln, letztlich also „Gott zu tun".

Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, überreichte Bischof Ackermann das päpstliche Ernennungsschreiben. „Heute können sich alle freuen, dass Trier wieder einen Bischof hat, der wie jeder Ortsbischof seine Kirche darstellt, aber zugleich mit allen anderen in Einheit mit dem Papst die ganze Kirche im Band des Friedens, der Liebe und der Einheit", sagte der Nuntius.

In Anspielung auf den Familiennamen des neuen Bischofs von Trier machte Erzbischof Périsset deutlich: „Wie der Landmann, der fest und gescheit seinen Pflug lenkt und Furchen durch den Acker zieht, so werden Sie Ihr Hirtenamt in der Lehre, in der Heiligung und der Diakonie im Bistum Trier mit der Gnade Gottes ausüben, auf dass es eine reiche Ernte gebe." Dompropst Prälat Werner Rössel verlas im Anschluss das päpstliche Ernennungsschreiben. Auch dankte er Ackermanns Vorgänger Reinhard Marx, dem heutigen Erzbischof von München und Freising, sowie Diözesanadministrator Bischof Robert Brahm für ihr Wirken. Dem neuen Trierer Bischof rief der Dompropst im Namen des Domkapitels zu: „Ad multos felicissimos annos! Auf viele glückliche Jahre!" Die Gläubigen unterstützten diesen Wunsch mit lang anhaltendem Beifall.

Kardinal Meisner überreichte Bischof Ackermann dann den Hirtenstab als Zeichen seines Amtes und geleitete ihn zur Kathedra (Bischofssitz). Im Namen aller Gläubigen begrüßte Dompropst Rössel Bischof Ackermann als neuen Bischof von Trier. Für die Priester und Diakone des Bistums bestätigte er das Versprechen der Treue und des Gehorsams, das diese bei ihrer Weihe gegenüber dem Bischof abgelegt hatten. Das Domkapitel, Vertreter der Priester und Diakone, der Ordensgemeinschaften, der Pastoral- und Gemeindereferenten, des Katholikenrates, der Caritas, der Religionslehrer, der Jugend und der Messdiener tauschten danach mit dem Bischof den Gruß aus.

Erste Predigt

In seiner ersten Predigt als Bischof von Trier ging Bischof Ackermann auf den Text aus der Apostelgeschichte ein, der von der Wahl des Apostels Matthias berichtet und den die Leseordnung für den siebten Ostersonntag vorsieht. „Eine wunderschöne Fügung", wie der Bischof meinte, und das nicht nur, weil sich in Trier das Grab des Apostels befinde; vielmehr sage der Text Grundsätzliches über den Dienst des Bischofs in der Nachfolge der Apostel.

Für Bischof Ackermann zeigt der Bericht, dass die Personen, die ein Amt in der Kirche innehaben, zwar wichtig, aber nicht alles sind: „Die Personen wechseln, das Entscheidende ist der Auftrag, den es auszuführen gilt." „Zeuge der Auferstehung" zu sein, sei eine der Bedingungen gewesen, die an Matthias bei seiner Wahl gestellt worden seien. Bischof Ackermann: „ Zeuge der Auferstehung sein, heißt: Bezeugen, dass Jesus nicht Vergangenheit und damit tot ist, sondern lebendig, gegenwärtig, gleichzeitig mit uns."

Zeugen der Auferstehung seien alle diejenigen, die die „bleibende Lebendigkeit Jesu" bekennen. Von daher sei auch der Weg geöffnet nicht nur für die, die im amtlichem Auftrag in die Nachfolge der Apostel einträten, sondern für alle, die glauben: „Was sollen wir Christen im Kern anderes sein als Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung Jesu Christi, das heißt: Zeugen seiner Lebendigkeit", sagte Ackermann. Er selbst verstehe seinen Dienst als Bischof daher auch als „Dienst für die Zeugenschaft des ganzen Gottesvolkes."

Der Bischof rief die Gottesdienstteilnehmer dazu auf, den Glauben nicht zu verschweigen, sondern deutlich zu machen, „dass dem Menschen in seiner Suche nach dem Sinn des Lebens nichts Besseres passieren kann, als Jesus Christus zu begegnen und seiner Botschaft." Die christliche Botschaft sei keine unverständliche Geheimlehre für einige wenige Eingeweihte, sondern zugänglich für alle. Wer sich ehrlich auf den Weg der Liebe begebe, „ist auf dem Weg zu Gott."

Dabei sei „Liebe" keine Chiffre für Kitsch und Oberflächlichkeit. Bischof Ackermann: „Die Liebe, die hier gemeint ist, ist Bewegung von mir weg auf den Anderen hin. Sie wird konkret in gegenseitigem Respekt, in Solidarität, in Wahrhaftigkeit, in Treue, Barmherzigkeit und Versöhnungsbereitschaft. Gerne wollen wir als Kirche mit unseren Möglichkeiten Verbündete sein für alle Menschen guten Willens, die sich dafür einsetzen, dass diese Werte in unserer Welt mehr zur Geltung kommen."

Es sei, so sagte der Bischof weiter, Aufgabe aller Gläubigen, gemäß ihrer je eigenen Berufung und Verantwortung dazu beizutragen, dass Christus und seine Botschaft auch heute sichtbar und hörbar würden: „Unterstützen wir uns in diesem Auftrag gegenseitig, lassen wir uns neu begeistern und mit unseren besten Kräften herausfordern! Gehen wir miteinander den Weg des Glaubens weiter, auf dem uns die Apostel und die Glaubenszeugen der Trierer Kirche vorangegangen sind!"

Zur Gabenbereitung trugen Frauen und Männer aus verschiedenen Regionen des Bistums typische Gaben als Zeichen der Verbundenheit zum Altar.

Im Anschluss an den Gottesdienst zogen der neue Trierer Bischof, die Ehrengäste und viele Gläubige zu einem Empfang ins Bischöfliche Priesterseminar. Grußworte sprachen hier unter anderem der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, der Stellvertretende Ministerpräsident des Saarlandes Peter Jacoby, der Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen und der Vorsitzende des Katholikenrats im Bistum Trier, Manfred Thesing.

Bistum Trier

Foto: © cms.bistum-trier.de


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