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‚Das Notstandsargument ist geradezu absurd’

28. Juni 2009 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Der Kirchenrechtler Stephan Haering OSB erläutert, warum die Weihen der Piusbruderschaft Papstkritikern entgegenkommen.


München (www.kath.net/die-Tagespost.de)
An diesem Samstagmorgen empfangen neun junge Männer im Regensburger Dom die Priesterweihe. Fast zeitgleich findet die unerlaubte Weihe dreier Kandidaten der Piusbruderschaft im unweit von Regensburg gelegenen Zaitzkofener Seminar statt. Die „Tagespost“ sprach darüber mit dem Münchner Kirchenrechtler Stephan Haering OSB.

Die Piusbrüder berufen sich bei ihren Weihen auf einen Notstand. Greift die Argumentation „Not kennt in der Krise kein kirchliches Gebot“ aus juristischer Sicht?

Wenn die Pius-Bruderschaft sich zur Rechtfertigung der Priesterweihen auf einen Notstand beruft, der über die Rechtsordnung hinausreicht, so ist das in keiner Weise rechtlich tragfähig. Das Notstandsargument ist geradezu absurd. Es gibt in Deutschland und in anderen Ländern genug katholische Bischöfe, die in Gemeinschaft mit dem Papst stehen und das Weihesakrament rechtmäßig spenden können.


Wo besteht hier ein Notstand, der es rechtfertigt, dass suspendierte Bischöfe suspendierte Diakone außerhalb der kirchlichen Ordnung zu Priestern weihen? Es verhält sich vielmehr so: Die Pius-Bruderschaft hält einfach alles für richtig, was sie tut. Und wenn es nicht mit dem geltenden Kirchenrecht konform gehen sollte, dann ist ihr Handeln aufgrund eines selbsterklärten „Notstands“ erlaubt. Da hat dann auch das Urteil des Papstes keine Bedeutung. So einfach machen es sich die Herren.

Gerade für traditionsverbundene Gläubige sind die unerlaubten Weihen bitter. Gibt man papstkritischen Gruppen so einen Aufhänger nach dem Motto: wenn die Piusbrüder...

Es ist nur verständlich, wenn Gläubige daran Anstoß nehmen, dass mittels der Spendung heiliger Weihen eine Provokation ausgeübt wird. Ein solches Verhalten kommt schon fast in die Nähe eines sakrilegischen Umgangs mit dem Weihesakrament. Dass dies bei gläubigen Katholiken Schmerz, Bitterkeit oder Empörung hervorrufen kann, muss niemanden wundern. Auch kann die Missachtung der kirchlichen Ordnung durch die Pius-Brüder durch andere Personen oder Gruppierungen als Feigenblatt für ihr von der Ordnung abweichendes Verhalten genutzt werden. Man kann sich schon vorstellen, dass es manchen Leuten gelegen kommt, hiermit einen Hinweis zu haben: den Papst muss man nicht so ernst nehmen.

Können die unerlaubten Weihen eine heilsame Debatte anstoßen und sensibel für Missbräuche machen, die in der Kirche seit Jahren achselzuckend toleriert werden?

Aus jeder Krise kann etwas Positives erwachsen. Und auch ein schlechtes Beispiel kann man als pädagogisches Demonstrationsobjekt nutzen. Ob die gegenwärtige Debatte dazu beitragen wird, dass angesichts des missbräuchlichen Umgangs der Pius-Bruderschaft mit dem Weihesakrament nun auch andere Missbräuche in der Kirche als solche erkannt, namhaft gemacht und schließlich abgestellt werden, lässt sich meines Erachtens nicht mit Gewissheit sagen. Aber man kann hoffen, dass die böse Tat mittelbar doch etwas Gutes hervorbringt.

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