Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. ZDF hasst Katholiken
  2. Vatikan-Bischof lobt John Lennons atheistisches ‚Imagine‘ als ‚schönstes Lied der Welt‘
  3. Die 'Akte Lügenfritz': Wenn Staatsgläubigkeit die Meinungsfreiheit verdrängt
  4. Deutliche Kritik an 'Amoris Laetitia' im Vorfeld des Papstbesuches
  5. Christus bleibt nicht im Tempel! Fronleichnam: Einladung für die Gegenwart
  6. Es gibt keine zweite Chance mehr
  7. 'Armutsindustrie' in der Kritik: Statistik misst Ungleichheit, nicht echte Not
  8. Papst Pius X.: ‚Was brauchen wir heute am meisten, um die Gesellschaft zu retten?
  9. Akademie Johannes Paul II. fordert Kard. Grech auf, den pro-LGBT-Synodenbericht zurückzunehmen
  10. "Gesegneten Frohnleichnahm" - eine CSU-Blamage zu Fronleichnam
  11. Technisch brillant, geistig obdachlos
  12. Ritus, Zeichen und Symbol: Der Weg zum Mysterium
  13. Großes Kardinalstreffen mit dem Papst - KI statt Liturgie
  14. Rektor Jan Frąckowiak: „Ein Priester muss ein Mann des Glaubens sein“
  15. "Ich glaube, dass ich glaube"

Falls sich die Piusbruderschaft endgültig von Rom abwendet…

26. Februar 2012 in Kommentar, 68 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Was voraussichtlich passiert, wenn die Pius-Bruderschaft das Befreiungsangebot des Papstes ablehnt. Sind die Piusbrüder vom Wesen her nicht eher protestantisch? Ein Gastkommentar von Martin Hähnel


Rom-Dresden (kath.net)
Momentan erreichen uns aus verschiedenen Quellen immer wieder Nachrichten, die davon ausgehen, dass die schismatische Pius-Bruderschaft das Angebot des Vatikans zur Eingliederung höchstwahrscheinlich ablehnen wird. Wenn dem so sein sollte, was wenige bedauern werden und viele sicherlich freuen wird, dann möchte ich im Folgenden kurz erläutern, welche Gelegenheit die Bruderschaft hier verspielt und welches Schicksal deren Anhänger wohl schlussendlich erleiden werden. Ich möchte hier weder inhaltliche Aussagen zur Pius-Bruderschaft und deren Ansichten treffen noch auf theologische Details eingehen, sondern nur versuchen zu erklären, wie schismatische Gruppierungen zwangsläufig soziologischen Verfallsgesetzen unterworfen sind, wenn sie sich nicht in eine Bewegung integrieren lassen wollen, die diesen Verfallsgesetzen weniger unterworfen ist.

Identitätsbildung durch Antikonsens

Die Pius-Bruderschaft gewinnt bis heute ihre Identität vornehmlich aus einer gewissen Oppositionshaltung heraus. Gegner sind hierbei nicht nur der „Modernismus“, sondern – trotz gegenteiliger Bekundungen – auch der jeweils aktuelle Papst, dem die Bruderschaft paradoxerweise ihr Existenzrecht und die dazugehörige mediale Aufmerksamkeit „verdankt“. Diese oppositionelle Haltung sorgt anfänglich zwar noch für einen starken inneren Zusammenhalt, der umso stärker wird, je größer die Anfeindungen „von außen“ sind.

Jedoch ergeben sich hier auf Dauer zwei Probleme:

1. Was passiert, wenn die Anfeindungen „von außen“ aufgrund einer allgemeinen gesellschaftlichen Indifferenz gegenüber den Piusbrüdern abnehmen?

2. Außerdem erleidet jede oppositionelle Kraft irgendwann einmal innere Ermüdungserscheinungen, die bis zum Kollaps führen.
Aus dieser misslichen Lage kann sich niemand selbst befreien. Es ist hier also nur eine Befreiung von „von außen“ möglich.

Mangelnde Stabilität nach innen


Wenn die Pius-Bruderschaft also weiterhin im Ghetto verharren möchte, wird sie ihre innere Stabilität aus besagten Gründen immer mehr verlieren. Der möglicherweise erfolglose Anschluss an Rom hätte außerdem zur Konsequenz, dass Teile der Bruderschaft, die diesen Anschluss immer gewünscht haben, plötzlich Unmut empfinden und das innere Gefüge der Bruderschaft destabilisieren. Bei einem erfolgreichen Anschluss würden die weniger konzessionsbereiten Kräfte natürlich ebenso für eine derartige Destabilisierung sorgen. Allerdings könnte dies eine interne Spaltung der Pius-Brüder hervorrufen, die womöglich einer sukzessiven Selbstauflösung der Bruderschaft noch Vorschub leistet. Unterdessen könnten aber wenigstens die „schismatischen Romtreuen“ der Bruderschaft endlich eine neue alte Heimat finden. Es wäre immer noch mehr gewonnen als verloren.

Steter Verlust der Subversionskraft

Neben der inneren Stabilität würde die Bruderschaft auch ihre Subversionskraft verlieren. Der Papst hat bereits den Pius-Brüdern den Wind aus den Segeln genommen, indem er mehrere ihrer Forderungen akzeptiert hat. Das Entgegenkommen des Papstes wird aber aufgrund des notorischen Hanges zur Subversion nicht als Angebot, sondern als abgenötigte Einlösung eines längst fälligen Versprechens gedeutet. Erstaunlicherweise geht es der Pius-Bruderschaft nicht um die Anerkennung des Wertes eigener Errungenschaften, sondern um reine Restaurationspolitik. Es wäre indes sehr enttäuschend, wenn z.B. das Festhalten am alten Messritus nur ein Vorwand für die Erreichung des Zieles einer Wiederherstellung der vorkonziliären Ordnung wäre.

Die Petrus-Bruderschaft

Das Identitätsproblem der Pius-Bruderschaft hängt wohl eng mit der Existenz ihrer romtreuen Schwester, der Petrus-Bruderschaft, zusammen. Die Piusbrüder würden sich im Falle der Anerkennung durch Rom fortan wohl kaum mehr von der Petrusbruderschaft unterscheiden. Diesem drohenden Profilverlust gilt es demnach entgegenzuwirken, indem akribisch (vor allem theologisch) nach Differenzen gesucht wird, denn die Frage nach der Romtreue kann nicht alleiniges Unterscheidungskriterium sein. Diese Suche nach Differenzen sorgt nun aber dafür, dass die Argumente seitens der Pius-Bruderschaft schwächer werden müssen. Es schleicht sich folglich eine Art hilflose Anklage- und Verteidigungsrhetorik ein, die eine sachgemäße Auseinandersetzung mit theologischen Inhalten verhindert.

Ökumeneblindheit

Einen letzten Punkt möchte ich noch einmal gesondert hervorheben. Die breite Verurteilung der Ökumene, wieder einmal ausgedrückt durch einen Ismus („Ökumenismus“), scheint auch die „Ökumene“ mit der katholischen Mutterkirche zu betreffen. Dabei wendet die Bruderschaft immer öfters Argumente an, die einem gestandenen Kritiker aus den Reihen des Protestantismus besser zu Gesichte stehen würden. Die Bruderschaft müsste sich daher einmal darauf besinnen, welche traditionellen Kritikpunkte sie eigentlich aufgreift beziehungsweise unrechtmäßigerweise heranzieht. Es liegt mir hier fern, die Pius-Bruderschaft in die Nähe des (aktuellen) Protestantismus zu rücken. Doch wenn die Crux nicht vorrangig in theologischen Argumenten liegt, sondern in Fragen des Verhältnisses zu Rom zu suchen ist, dann müsse man unabhängig von den zahlreichen Unterschieden zwischen den Konfessionen – die Europa spalten, aber auch verbinden – die Frage stellen, ob die Piusbrüder im Verhalten zwar katholisch erscheinen, vom Wesen her aber eher protestantisch sind?

Überhaupt muss sich die gesamte Kirche einmal fragen, inwieweit ihre Identität überhaupt noch von der Papsttreue abhängig ist. Die Anerkennung des jeweiligen Papstes ist aber in erster Linie keine Personenfrage, sondern Ausdruck eines spezifischen Wirklichkeitsverständnisses, sie ist also eine Prinzipienfrage. Und deshalb gilt es, neben vielen Gemeinsamkeiten vor allem die Unterschiede in den Wirklichkeitsverständnissen der jeweiligen Konfessionen und Religionen auszumachen, nichts anderes kann das Hauptziel der Ökumene im 21. Jahrhundert sein. Der Anspruch auf Wahrheit wird dabei übrigens nicht aufgegeben, sondern dieser ist und bleibt Grundlage dafür, dass Unterschiede überhaupt erkannt werden können.

Fazit

Die Pius-Bruderschaft, welche unter der Mehrheit der Katholiken selbst nach einer vollzogenen Eingliederung kaum Sympathisanten haben dürfte, wäre gut beraten, sich in Gehorsam gegenüber dem Papst zu üben und auf sein Angebot einzugehen. Die zweitausend Jahre alte, kirchliche Hierarchie gebietet es zudem, dass sich die Pius-Bruderschaft letztlich nur als Bittsteller gegenüber dem Papst begreifen darf. Zudem hat sich Benedikt XVI. als jemand erwiesen, der das Wirken der Pius-Bruderschaft in den vergangenen Jahrzehnten zu würdigen wusste und noch immer zu würdigen weiß. Die Pius-Brüder müssen sich daher im Klaren sein, dass es letztlich in ihrer Hand liegt, auch noch die letzten Sympathisanten zu vergraulen oder durch die Akzeptanz des 2. Vatikanischen Konzils endlich wieder den Kreis derer, die noch mit ihnen zu sympathisieren imstande sind, zu erweitern. Es hängt also maßgeblich davon ab, inwieweit die Piusbrüder wirklich katholisch sind.

Martin Hähnel promoviert derzeit in Philosophie und ist auch am Lehrstuhl für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft an der TU Dresden tätig. Außerdem ist er zweiter Vorsitzender im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Religionsphilosophie Dresden e. V.




Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Piusbruderschaft

  1. Papst Leo XIV. und die Zukunft der liturgischen Einheit der Kirche
  2. Kardinal Zen appelliert an Piusbruderschaft: Vertraut auf Papst Leo
  3. "Bevor es zu spät ist!" – Kardinal Sarah warnt Piusbruderschaft vor Schisma
  4. „Auf dass doch alle eins seien“ (Joh 17,21)
  5. Die Piusbruderschaft und ihre Einheit mit der Kirche
  6. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  7. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  8. Bischof Huonder zieht sich in Haus der Piusbruderschaft zurück
  9. Holocaust-Leugner Williamson scheitert in Straßburg
  10. Bischof von Chur wird Piusbruderschaft 'mitbetreuen'






Top-15

meist-gelesen

  1. SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz - ANMELDUNG noch bis 22. JUNI!
  2. ZDF hasst Katholiken
  3. Deutliche Kritik an 'Amoris Laetitia' im Vorfeld des Papstbesuches
  4. Schottischer Pfadfinderjunge verweigert Verbeugung vor Allah in der Moschee
  5. "Ich musste ihm unglücklicherweise ein paar Schläge verpassen"
  6. "Gesegneten Frohnleichnahm" - eine CSU-Blamage zu Fronleichnam
  7. Vatikan-Bischof lobt John Lennons atheistisches ‚Imagine‘ als ‚schönstes Lied der Welt‘
  8. Warum haben alte Kirchen einen verborgenen Raum unter dem Altar?
  9. Papst kommt unpünktlich und scherzt auf Deutsch: "Ich bin Ausländer"
  10. Die 'Akte Lügenfritz': Wenn Staatsgläubigkeit die Meinungsfreiheit verdrängt
  11. Akademie Johannes Paul II. fordert Kard. Grech auf, den pro-LGBT-Synodenbericht zurückzunehmen
  12. „Silere non possum“: „Die Führung dieses Dikasteriums war ein Desaster“
  13. Eine katholische Heldin
  14. 'Armutsindustrie' in der Kritik: Statistik misst Ungleichheit, nicht echte Not
  15. Großes Kardinalstreffen mit dem Papst - KI statt Liturgie

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz