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Theologische Nachhilfestunde für die Piusbruderschaft

6. Juli 2012 in Aktuelles, 34 Lesermeinungen
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Innerhalb von 24 Stunden haben der deutsche und der italienische Distrikt der FSSPX den neuen Präfekten der Glaubenskongregation als Irrlehrer bezeichnet. Eine Antwort von Prälat Nicola Bux: Vertraut dem Papst! Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Ein diplomatische und menschliche Glanzleistung: innerhalb von 24 Stunden haben der deutsche und der italienische Distrikt der Priesterbruderschaft St. Pius X. den neuen Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, de facto als jemanden bezeichnet, der Irrlehren nachhängt und in seinen theologischen Schriften verbreitet: „Die Bruderschaft würde Bischof Müller dringend bitten", so in einer Pressemitteilung, "zu diesen umstrittenen Aussagen Stellung zu nehmen bzw. sie zu korrigieren“.

Was wie fast trotziges Brückenverbrennen aussieht, artikuliert der „Dogmatiker der Piusbruderschaft“, Matthias Gaudron, in fünf Punkten, die sich mit einer Leugnung der Realpräsenz Christi in der Eucharistie und mit der Leugnung des Dogmas der Jungfräulichkeit Mariens in der Geburt auseinandersetzen. Gleichzeitig wird Müller vorgeworfen, dass er der katholischen Tradition widerspreche, wenn er behaupte: „Auch die Christen, die nicht in voller Gemeinschaft der Lehre, der Heilsmittel und der apostolisch-bischöflichen Verfassung mit der katholischen Kirche stehen, sind durch Glaube und die Taufe gerechtfertigt und in die Kirche Gottes als Leib Christi voll eingegliedert“. Ebenso beanstandet Gaudron, dass Müller entgegen der Lehre von der Notwendigkeit einer Bekehrung zur katholischen Kirche, „wie sie noch im 2. Vatikanischen Konzil ausdrücklich gelehrt wird“, die sogenannte „Rückkehrökumene“ als abwegig bezeichne.

Diese offiziellen Stellungnahmen der Piusbruderschaft fassen Vorwürfe zusammen, die bereits unmittelbar nach der Bekanntgabe der Ernennung von Erzbischof Müller am vergangenen Montag verstreut weltweit im Internet zu finden waren. Dabei handelt es sich um aus dem Zusammenhang gerissene vereinzelte Zitate aus dem (rund 400 Titel) umfassenden theologischen Schriftwerk Müllers. Ziel ist es, einen Widerspruch zu konstruieren: zum einen stehe der Papst im Kampf gegen ultraprogressistische Kräfte, zum anderen habe er einen Präfekten ernannt, der selbst fragwürdige und häretische theologische Positionen einnehme.


Am Donnerstag, 5. Juli, veröffentlichte der italienische Vatikanspezialist Andrea Tornielli ein interview mit Prälat Nicola Bux, der auch als Konsultor der Kongregation für die Glaubenslehre arbeitet.

Zum Vorwurf der Leugnung der Jungfräulichkeit Mariens „vorher, während und nach“ der Geburt Christi erläuterte Bux, dass der Katechismus der katholischen Kirche präzisiere, „dass der physische Aspekt der Jungfräulichkeit allein darin bestehe, dass Jesus ohne menschlichen Samen, sondern durch den Heiligen Geist empfangen worden ist“. Es handle sich um ein „mysterium“, das alles menschliche Begreifen und Wissen übertreffe. Die Kirche bekenne die wahre und ewige Jungfräulichkeit Mariens, „aber sie lässt sich nicht auf spezifische physische Einzelheiten ein“. Damit bekräftigte Bux auch die Lehre des deutschen Dogmatikers Ludwig Ott, der schreibt, Maria habe ohne Verletzung ihrer jungfräulichen Unversehrtheit“ geboren, was „de fide“ sei: „Die nähere Bestimmung, worin die jungfräuliche Unversehrtheit nach der physiologischen Seite besteht, gehört nicht zum Glauben der Kirche“.

Für Bux wird deutlich, dass es Müller nicht darum gehe, das Dogma der ewigen Jungfräulichkeit Mariens zu leugnen. Er wolle vielmehr vor einem „Kapharnaumismus" warnen, „vor der Art eines Denkens im ‚Fleisch’ anstatt im Geist, die bereits unter den Juden in Kapharnaum nach der Rede Jesu über das Brot des Lebens hervorgetreten ist“.

Auch hinsichtlich des Vorwurfs der Leugnung der Transsubstantiation durch Erzbischof Müller verweist Bux auf das Geschehen in Kapharnaum, „wo Jesus mit den von ihm benutzten Ausdrücken ‚Fleisch und Blut’ im anthropomorphen Sinne missverstanden wurde“. Christus hätte so ihren geistlichen Sinn bekräftigen müssen, „was nicht sagen soll, dass seine Präsenz darin weniger real, wahr und substanziell ist“. Laut der Lehre des heiligen Ambrosius werde durch die Wandlungsformel eine Substanz hervorgerufen. Die Natur werde verwandelt: „Deshalb sind Fleisch und Blut das Sein Jesu“. Das Konzil von Trient sage, dass in der Eucharistie substanziell der Herr zugegen sei, wahrer Gott und wahrer Mensch. Er sei sakramental mit seiner Substanz gegenwärtig, in einer geheimnisvollen Seinsweise, „zugänglich durch den Glauben und ermöglicht von göttlicher Seite her“.

Thomas von Aquin lehre, dass die Art dieser Substanz nicht die der Quantität sei, sie charakterisiere vielmehr die Gegenwart Christi in der Eucharistie. Brot und Wein als „species“ oder Gestalten „vermitteln uns den Zugang zur Substanz, was vor allem bei der heiligen Kommunion geschieht“. Das Konzil von Trient sehe keinen Widerspruch zwischen der natürlichen Weise der Gegenwart Jesu im Himmel und seiner sakramentalen Präsenz an vielen anderen Orten auf der Welt: „All dies ist von Paul VI. in seiner leider in Vergessenheit geratenen Enzyklika ‚Mysterium fidei’ bestätigt worden. Die Sinne reichen nicht, es braucht den Glauben. Dies ist das Geheimnis des Glaubens“.

Wenn Müller sagt, dass auch die Christen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, „durch Glaube und die Taufe gerechtfertigt und in die Kirche Gottes als Leib Christi voll eingegliedert“ seien, so folgt er damit laut Bux dem heiligen Augustinus. Dieser verteidige gegen die Donatisten die Wahrheit, „dass die Taufe eine unauflösliche Verbindung ist, und dass die Brüderlichkeit unter den Christen nicht abgeschafft werden kann, auch wenn sie Schismatiker oder Häretiker sind“. Heute fürchte man leider in der Kirche die Debatte und schreite mit Thesen und Verurteilungen dessen voran, der anderer Ansicht ist. Doch es sei gerade die lehrmäßige Entwicklung, die aus der Debatte Vorteil ziehe. Bei den Vorwürfen gegen Erzbischof Müller würden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen. So sei es „leicht“, jemanden zu verurteilen. Ein wahrer Katholik jedoch „muss auf die Autorität des Papstes vertrauen, immer“.

Bux zeigte sich davon überzeugt, dass Benedikt XVI. wisse, was er tut: „Und ich möchte die Priesterbruderschaft St. Pius X. erneut dazu einladen, dem Papst zu vertrauen“.

ACHTUNG: Gratulationsmöglichkeit per E-mail [email protected]

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