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Katholisch ist nicht 'tutti frutti' für alles Mögliche

13. Juli 2012 in Weltkirche, 19 Lesermeinungen
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Präfekt der Glaubenskongregation im ARD-Interview: Nicht vorhersehbar, wie sich die Piusbruderschaft entscheide - "Das Zweite Vatikanische Konzil gehöre zu den "gültigen und legitimen Konzilien"


Rom (kath.net)
Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, der neue Präfekt der römischen Glaubenskongregation, hat in einem Interview mit der ARD auf die Frage, ob es eine Einigung mit der Piusbruderschaft geben wird, gemeint, dass er nicht vorhersehen könne, wie man sich dort entscheide. Aber die Linie der katholischen Kirche sei klar. Das Zweite Vatikanische Konzil gehöre zu den "gültigen und legitimen Konzilien". Es habe auch keinen Bruch mit der Tradition gebracht, wie es von dieser oder jener Seite befürchtet oder behauptet werde. Aber klar sei, dass für jede Richtung, woher sie auch kommen mag, eine Anerkennung der kirchlichen Autorität eine Voraussetzung sei. "Deshalb liegt die Entscheidung bei dieser Bruderschaft. Es wird immer behauptet, von uns aus wäre die Strategie gefahren worden, da eine Spaltung rein zu bringen. Nein! Es geht um die Einheit mit der Kirche und um die Wahrheit des katholischen Glaubens.", so Erzbischof Müller.

Müller stellte dann fest, dass es in der theologischen Professorenschaft "Primadonnen" gibt, bei denen nicht immer das Fachliche im Mittelpunkt stehe. "Aber das ist eben auch meine Aufgabe, das Fachliche vom Persönlichen zu trennen. Innerhalb der katholischen Theologie gibt es einen Spielraum, eine Bandbreite, eine Pluralität, aber die darf natürlich die Grundlage nicht verlassen, auf der wir stehen. Katholisch ist nicht einfach ein Kollektivbegriff - 'tutti frutti' für alles Mögliche, sondern wir haben da klare Vorgaben aus der Offenbarung Gottes, wie sie in der Heiligen Schrift dargelegt sind. Letztendlich bilden das Lehramt des Papstes und der Bischöfe, des Konzils, die letzte Entscheidung. Das muss man natürlich akzeptieren, um sich katholisch zu nennen." erklärt der neue Präfekt der Glaubenskongregation.


Auf die Frage, ob es auch eine Eucharistie für Wiederverheiratete Geschiedene geben könne, stellt Müller dann klar, dass man nicht aus einzelnen Fällen, in denen einfach jemand zur Kommunion hinzu tritt, auf ein Prinzip schließen könne. Wörtlich sagte der Präfekt: "Konkret an der Kommunionsbank können sich keine Auseinandersetzungen abspielen. Insofern kann man sich hier nicht auf den Papst berufen. Es geht ja um die grundsätzliche Frage, was eigentlich die Heilige Kommunion bedeutet. Das ist ja nicht eine Belohnung für Wohlverhalten, sondern es ist die Gemeinschaft mit Christus und der Kirche, die eben bestimmte Voraussetzungen hat. Es gibt ja auch andere Lebenssituationen, in denen man als Katholik nicht zur Kommunion gehen kann. Hier müssen wir eben davon ausgehen, dass es nicht eine kirchliche Überstrenge oder eine mangelnde Angepasstheit an die Situation von heute ist, sondern dass Christus selbst die Ehe unauflöslich gemacht hat."

Für Müller gehe es auch darum, Ideologisierungen von rechts und links zu überwinden und Grundlagen des Glaubens zu finden. Die Kirche sei keine von Menschen gemachte Ideologie, sondern "wir haben den Glauben von Gott her empfangen - in Jesus Christus". Es gehe um das "Heil der Menschen" und darum, dass die Kirche der ganzen Menschheit einen großen Dienst leiste. "Wir leiden ja unter ideologischen Frontverhärtungen. Da gibt es die, die mich in Deutschland konservativ oder erzreaktionär nennen. Erstens kennen die mich nicht, man überspielt das einfach, indem die Person charakterisiert und psychologisiert. Das berührt mich wenig, weil das wenig über mich aussagt und mich auch nicht in meiner Arbeit behindern kann. Wir haben einfach den Glauben zu bewahren. Dass man auch eine soziale Einstellung hat, das ist nicht irgendwie ein Liebäugeln mit Kommunismus - ich bin auch schon Kommunist genannt worden. Es gehört vielmehr integral zum katholischen Glauben und zu unserer Weltverantwortung, sich für eine gerechte und solidarische Gesellschaft auch einzusetzen. Der rechte Glaube kann sich nur im rechten Tun äußern.", erklärt der Präfekt dann.

Auch zur umstrittenen "Titanic"-Satire nahm Müller Stellung und betonte, dass man sich von solchen Leuten nicht verletzen lasse, weil "wir uns unserer Sache" viel zu sicher seien. Es gehe hier nicht um religiöse Gefühle sondern um bürgerliche Rechte. "Unser Grundgesetz beginnt, nach den furchtbaren Erfahrungen, die wir vorher gemacht haben, mit dem Satz: 'Die Würde des Menschen ist unantastbar.' Daran muss sich jeder halten, der demokratisch ist. Auch Würdenträger der katholischen Kirche, vom Papst bis zu jedem Priester, haben den Anspruch darauf, dass sie in ihrer Würde geachtet werden. Und das ist eben hier meines Erachtens auf schwere Weise verletzt worden. Insgesamt meine ich, in Deutschland muss sich der Ton etwas ändern. Pressefreiheit, klar, das ist Meinungsfreiheit. Aber zur freien Meinung gehört nicht, dass man andere Menschen in ihrer Persönlichkeit verletzen darf. Meines Erachtens steht hinter diesen Verbalinjurien oder diesen Diskreditierungen eigentlich nur der Mangel an argumentativer Fähigkeit, sich auseinanderzusetzen."

Foto Erzbischof Gerhard Ludwig Müller: (c) Bistum Regensburg


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