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Ein Jein der Piusbrüder, Dauernörgeln und ein Angriff auf Müller

17. Juli 2012 in Aktuelles, 41 Lesermeinungen
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Der Generalobere der Piusbruderschaft,Fellay, kündigte im Interview lediglich an, man werde «in sehr kurzer Zeit Rom die Position des Kapitels zukommen lassen, das uns die Gelegenheit gegeben hat, unsere Marschroute zu präzisieren».


Econe (kath.net/KNA) Die Leitung der Bruderschaft Pius X. äußert sich auch zwei Tage nach dem Ende ihres Generalkapitels nicht eindeutig zu ihrer Haltung gegenüber dem Vatikan. Zugleich greift der Generalobere der traditionalistischen Bruderschaft, Bernhard Fellay (Foto), den neuen Präfekten der römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, scharf an. Indirekt wirft er dem früheren Regensburger Bischof vor, selbst Irrlehren zu verbreiten, obwohl er doch die Kirche vor solchen schützen müsse.

Am Montagabend veröffentlichte das Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft Pius X. im schweizerischen Econe zwar ein Interview mit Fellay, doch auch hier kündigte er lediglich an, man werde «in sehr kurzer Zeit Rom die Position des Kapitels zukommen lassen, das uns die Gelegenheit gegeben hat, unsere Marschroute zu präzisieren».

Weiter betonte Fellay, dass «alle Unklarheiten unsererseits» aufgehoben worden seien. Die Piusbrüder bestehen aber weiterhin «auf der Bewahrung unserer Identität, was das einzige wirksame Mittel darstellt, um der Kirche zu helfen, die Christenheit zu erneuern». Die Traditionalisten könnten «kein Stillschweigen bewahren im Angesicht des allumfassenden Glaubensabfalles, auch nicht vor dem schwindelerregendem Zusammenbruch der Berufungen und des religiösen Lebens».


Zugleich bekundete Fellay aber auch sehr deutlich den Willen zur Einheit mit der römisch-katholischen Kirche: «Wir sind Katholiken, wir anerkennen den Papst und die Bischöfe, müssen aber vor allem den Glauben unverändert bewahren, welcher Quelle der Gnade des lieben Gottes ist. Als Folge daraus muss man all das vermeiden, was ihn in Gefahr bringen könnte, ohne uns jedoch an die Stelle der katholischen, apostolischen und römischen Kirche zu setzen. Fern sei von uns die Idee, eine Parallelkirche zu begründen, die ein paralleles Lehramt ausübt.»

Darüber hinaus griff der Generalobere in dem Interview mit harschen Worten den neuen Präfekten der römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, an: «Nach der mutigen Tat von Benedikt XVI. 2009 zu unseren Gunsten schien er nicht im mindesten im gleichen Sinn mitarbeiten zu wollen. Er hat uns wie Parias behandelt.»

Noch beunruhigender aber, so Fellay, sei es, das ausgerechnet Müller jetzt die Aufgabe habe, den Glauben gegen Lehrirrtümer und Häresien (Irrlehren) zu verteidigen: «Denn mehrere Texte von Bischof Müller über die wirkliche Transsubstantiation von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi, über das Dogma der Jungfrauengeburt, über die Notwendigkeit für die Nichtkatholiken, sich zur katholischen Kirche zu bekehren... sind mehr als fragwürdig. Ohne jeden Zweifel wären sie früher Gegenstand einer Intervention von Seiten des Heiligen Offiziums gewesen, aus dem die Glaubenskongregation hervorgegangen ist, welcher er heute vorsteht.»

Das Generalkapitel hatte in der letzten Woche von Montag bis Samstag im schweizerischen Econe getagt. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die Piusbrüder eine vom Vatikan vorgelegte «Lehrmäßige Erklärung» unterzeichnen. Dies ist Voraussetzung für eine mögliche Aussöhnung mit Rom.

Im Vorfeld des Treffens waren dazu unterschiedliche Positionen der Bischöfe der Priesterbruderschaft deutlich geworden, die von Rom nicht anerkannt sind. Zu ihnen zählt der britische Holocaust-Leugner Richard Williamson. Dieser sei zwar «punktuell» vom Generalkapitel ausgeschlossen gewesen, bleibe aber weiterhin Mitglied der Bruderschaft, erklärte der Sprecher der Piusbrüder, Alain Lorans, am Montag auf Anfrage in Paris.

Die Bruderschaft wurde 1970 von dem französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und lehnt die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Indem Lefebvre 1988 ohne päpstliche Zustimmung vier Priester seiner Bruderschaft zu Bischöfen weihte, zogen sich alle fünf die Exkommunikation zu. Diese Kirchenrechtsstrafe hob Papst Benedikt XVI. im Januar 2009 auf. Seit Ende 2009 führt der Vatikan Gespräche mit der Bruderschaft über strittige Lehrfragen. Im Herbst legte der Vatikan den Piusbrüdern die «Lehrmäßige Erklärung» über grundlegende Glaubenslehren derkatholischen Kirche zur Unterzeichnung vor.

Statistische Zahlen:

Römisch-katholische Kirche laut Päpstlichen Jahrbuch 2012: Die Zahl der Katholiken stieg von 1,181 Milliarden im Jahr 2009 auf 1,196 Milliarden im Jahr 2010 (+1,3%). Der Wachstumstrend der Priester ist seit 2000 mehr oder weniger stabil geblieben. Die Zahl der Priester ist von 410.593 (2009) auf 412.236 gestiegen.

Piusbruderschaft: Lt. Wikipedia gehören nach eigenen Angaben von 2011 weltweit 551 Priester der Piusbruderschaft an. Die Zahl der Gläubigen, die sich zu ihr bekennen, soll nach Angaben von Kardinal Darío Castrillón Hoyos von 2007 um 600.000 Personen umfassen, davon 100.000 in Frankreich. Andere Quellen nennen 150.000 Anhänger.

Jahrbuch 2012 des Vatikans


(C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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