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Hauptteil der Konzilslehre 'für jeden bindend'

8. Oktober 2012 in Weltkirche, 49 Lesermeinungen
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Präfekt der Glaubenskongregation: Piusbruderschaft "nicht die einzige Splittergruppe in der Kirche", es gebe "schlimmere" auf der Gegenseite. Erzbischof Müller verteidigt seine theologischen Ansichten - Teil 2 - Von Petra Lorleberg


Vatikan-Stadt (kath.net/pl) „Sich gegen ‚Rom‘ zu stellen hat niemals eine authentische Reform oder Erneuerung der Kirche hervorgebracht.“ Dies sagte Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, im zweiten Teil seines Interviews mit dem „National Catholic Register“. Zur Sprache kamen die Differenzen des Vatikans mit der Piusbruderschaft auf der einen Seite und der amerikanischen Leitungskonferenz der katholischen Frauenorden (LCWR) auf der anderen. Müller nahm aber auch zur Frage der authentischen Auslegung des Zweiten Vatikanischen Konzils und zu den Diskussionen über seine Aussagen zur Transsubstantiation und zur bleibenden Jungfräulichkeit Mariens Stellung.

Den Dialog zwischen dem Vatikan und der Piusbruderschaft möchte er nicht „einen Dialog zwischen zwei kirchlichen Partnern“ nennen, erläuterte Müller; „es war ein brüderliches Kolloquium, welches Schwierigkeiten der authentischen Interpretation katholischer Lehre überkommen wollte“. Diese authentische Interpretation „wird vom Papst garantiert“ und „die FSSPX muss den Papst als sichtbares Oberhaupt der Kirche akzeptieren“, sie müsse also die Stellung des Papstes gemäß den Aussagen des Ersten Vatikanischen Konzils akzeptieren. Außerdem müsse sie die „lehramtlichen Aussagen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil annehmen, welche offiziell vom Papst autorisiert worden sind“. Doch nach 30 oder mehr Jahren der Trennung von der Kirche könnten einige Gruppen oder Personen „in ihrer eigenen Dynamik, in ihren eigenen Gruppen, sehr eng und sehr fixiert auf diese Punkte sein“. Er glaube, dass „diese Fragen langfristig gelöst werden“. Es sei „notwendig“, dass die FSSPX das Lehramt des Papstes in korrekter Interpretation akzeptiere. Und während der Heilige Vater die „beständige Gültigkeit“ der außerordentlichen Form der Liturgie anerkannt habe, müsse nun auch umgekehrt die Piusbruderschaft anerkennen, dass die neue ordentliche Form der nachkonziliaren Liturgie „gültig und legitim“ sei.

Müller nannte Williamson „ein eigenständiges Problem dieses Versöhnungsprojektes“, denn es sei „schlicht nicht akzeptierbar, dass ein Christ oder sogar ein Bischof“ dies alles, „was die Nazis gegen das jüdische Volk getan haben, ihre Vernichtung“, leugne. „Wie kann man darüber nur derart kaltherzig sein?“, fragte Müller. „Das ist absolut unakzeptabel.“ Müller erläuterte dabei noch, dass Williamson zwar Bischof sei, „aber kein katholischer Bischof, denn ein Bischof ist nur dann katholisch, wenn er sich in voller Gemeinschaft mit dem Papst, dem Nachfolger des Petrus, befinde; das ist Williamson nicht“.


Aus der Bezeichnung des Zweiten Vatikanischen Konzils als „pastoral“ dürfe man nicht folgern, dass das Konzil „nur ‚poetisch‘, also nicht verpflichtend“ sei, erklärte der Präfekt der Glaubenskongregation. Er wies darauf hin, dass alle Konzilien pastoral seien, insofern sie sich um die Arbeit der Kirche sorgten. „Vatikanum II ist ein offizielles ökumenisches Konzil, deshalb ist alles, was im Konzil gesagt wurde, verpflichtend für jeden, aber auf verschiedenen Ebenen. Wir haben dogmatische Konstitutionen, und wenn man katholisch ist, ist man mit Sicherheit dazu verpflichtet, sie zu akzeptieren“. Dei Verbum spreche über „die göttliche Offenbarung“, über die Selbstoffenbarung des dreifaltigen Gottes und über die grundlegende Lehre der Inkarnation, dies „sind nicht nur pastorale Lehren – dies sind Basiselemente unseres katholischen Glaubens“. Zwar könnten „manche praktischen Elemente“ der verschiedenen Dokumente geändert werden, doch der Hauptteil der Konzilslehre sei „für jeden bindend“.

Allerdings sei die Piusbruderschaft „nicht die einzige Splittergruppe in der Kirche“. Es gebe „schlimmere“ auf der Gegenseite, „schlimmer“ deshalb, weil sie oft Kernbestandteile des Christentums leugneten. „Wir müssen auf die Einheit hinarbeiten, und so ist es auch meine Aufgabe, alle einzuladen, in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zurückzukommen“.

Falls die Piusbruderschaft zurückkomme, könne sie durchaus betonen, was Tradition sei, stellte der frühere Bischof von Regensburg fest. Gleichzeitig „müssen sie ihre Perspektive weiten“. Doch sei eine Korrektur von Missbräuchen „nicht ihre Aufgabe, sondern unsere. Das eine Extrem kann nicht der Ausgleich zum anderen Extrem sein“, sondern die Extreme müssten „durch die Mitte“ korrigiert werden, erklärte Müller.

Mit Bezug auf Kritik an manchen seiner Äußerungen erläuterte er: „Dies war nicht so sehr Kritik, sondern grundlose Provokation mit dem Ziel, mich zu diskreditieren“. Jeder könne nachlesen, „was ich im Kontext und systematisch geschrieben habe. Warum sollte ich die Lehre der Transsubstantiation und der bleibenden Jungfräulichkeit Mariens leugnen? Ich habe ganze Bücher zur Verteidigung dieser Lehren geschrieben“. Ganz grundsätzlich „offenbaren die Wunder Jesu, dass er unser göttlicher Erlöser ist, der gekommen ist, um die von Sünde verwundete Welt zu erlösen“. Wenn „Jesus ein Wunder vollbrachte, beispielsweise die Heilung des kranken Mannes, dann ist der wichtigste Aspekt daran nicht die bloße Aufhebung der Naturordnung“, sondern das Wichtigste sei, dass Gott diese Person, die der Heilung bedurfte, geheilt habe. „Die Aufhebung der Naturordnung“ sei nur „eine Konsequenz dieser göttlichen Intervention. Oft verstehen die Menschen diese Glaubensperspektive nicht“.

„Wir brauchen theologische Erläuterungen, Interpretationen, um die historische Wahrheit der Offenbarung zu erklären und um sie gegen Irrtümer und Häresie zu verteidigen.“ Müller nannte beispielsweise „die christologischen Dogmen der frühen Konzilien absolut notwendig“, um die Wahrheiten über Christus, wie sie im Neuen Testament bezeugt und enthalten sind, anders zu erklären. „Wenn man den Inhalt der Wahrheit in anderen Kontexten bewahren möchte, muss man ihn manchmal in anderen Kategorien erläutern“.

„Im Evangelium sagt Jesus: ‚Dies ist mein Blut, dies ist mein Leib‘“. Doch was bedeute dies?, fragte der Präfekt der Glaubenskongregation und erläuterte weiter, dies beziehe sich auf die „Realpräsenz Christi in der Eucharistie“. Doch im Neuen Testament finde man diesen Ausdruck „Realpräsenz“ nicht, er sei vielmehr „ein späterer theologischer Fachbegriff, um die im Evangelium enthaltene Wahrheit zu erklären“. Im Kontext des 12. und 13. Jahrhunderts habe die Kirche die Lehre von der Realpräsenz verteidigen müssen, dies habe sie mittels philosophischer Ausdrücke gemacht, um den Unterschied zwischen Substanz und Erscheinung zu erläutern. Das Wort „Transsubstantiation“ komme im Neuen Testament nicht vor, doch sei es später nötig gewesen, um „das zu erklären und zu verteidigen, was im Neuen Testament geoffenbart worden war.“

Zum Konflikt zwischen der amerikanischen Leitungskonferenz der katholischen Frauenorden (LCWR) und dem Vatikan sagte Erzbischof Müller: „Es gibt keinen Streit zwischen dem Heiligen Stuhl und dieser Organisation, sondern wir wollen der LCWR in ihrer Erneuerung des Ordenslebens helfen“. Eine solche Erneuerung sei nur durch die erneuerte Hingabe an die drei Gelübde (Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam) und „durch eine neue Identifikation mit unserem katholischen Glauben und Leben“ möglich.

„Wir können unsere Aufgabe nicht erfüllen, wenn wir zerteilt sind, wenn jeder gegen den anderen spricht oder gegen den anderen arbeitet, oder wenn wir Ideen akzeptieren, die nicht zu unserem Glauben gehören, sondern von außerhalb kommen. Wir können keine Lehren über die Sexualität akzeptieren, welche nicht die fundamentalen Grundzüge der geoffenbarten Anthropologie respektieren. Wir müssen also neue Wege finden, der heutigen Gesellschaft zu dienen, anstatt unsere Zeit mit binnenkatholischen ‚Bürgerkriegen‘ zu verschwenden.“

Es sei wichtig, sich daran zu erinnern, „dass zu keiner Zeit der Kirchengeschichte jemals eine Gruppe oder eine Bewegung erfolgreich war, wenn sie eine Gegenhaltung zu Rom eingenommen hat, wenn sie ‚antirömisch‘ war. Sich gegen ‚Rom‘ zu stellen hat niemals eine authentische Reform oder Erneuerung der Kirche hervorgebracht. Ausschließlich durch eine erneuerte Bindung an die volle Lehre Christi und seiner Kirche, und durch einen erneuerten Geist der Zusammenarbeit mit dem Heiligen Vater und den Bischöfen, die mit ihm in Gemeinschaft sind, wird es eine Erneuerung, neues Leben in der katholischen Kirche und eine Neuevangelisierung unserer Gesellschaft geben. Das Evangelium Christi einer erschöpften Welt zu predigen, welch so verzweifelt seiner befreiende Wahrheit bedarf – dies muss unsere Priorität sein.“

Zum Bericht über den ersten Teil des Interviews von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller: Müller: Die Nachkonzilsprobleme wurden nicht vom Konzil ausgelöst

[Die Zitate wurden aus der englischen Sprache rückübersetzt]


Foto Gerhard Ludwig Müller: (c) Bistum Regensburg


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