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Piusbruderschaft will 'sehr früh Kontakt zum neuen Papst aufnehmen'

11. März 2013 in Aktuelles, 19 Lesermeinungen
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Die Piusbruderschaft möchte Draht zum Heiligen Stuhl halten. Von Michael Jacquemain (KNA)


Stuttgart (kath.net/KNA) Das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und der traditionalistischen Piusbruderschaft gehört zu den Punkten, die nach dem Ende des Pontifikats Benedikts XVI. offener sind als je zuvor. Kommt es nach den Debatten der vergangenen Jahre unter einem neuen Papst tatsächlich zu einer Wiedereingliederung - oder wird der endgültige Bruch vollzogen? Benedikt XVI. wollte in seinen letzten Amtstagen keine so schwerwiegende Entscheidung mehr treffen. Die mögliche Aussöhnung mit den seit 1988 abgespaltenen Anhängern von Erzbischof Marcel Lefebvre gehört deshalb zu den Themen, mit denen sich der neue Papst befassen muss.

Die Piusbruderschaft lehnt eine Reihe von Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Streitpunkte sind vor allem Liturgie, Religionsfreiheit und Ökumene. Der Gründer der Bruderschaft, der französische Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), vollzog durch die vom Papst nicht erlaubte Weihe von Bischöfen 1988 den Bruch mit Rom. Im Bemühen um eine Einigung ließ Benedikt XVI. 2007 die bis zum Konzil alleinige tridentinische Messform wieder zu. 2009 hob er die Exkommunikation gegen die vier von Lefebvre geweihten Bischöfe auf. Daran schloss sich ein Dialog zwischen Experten des Vatikan und der Priesterbruderschaft an - bislang ohne gültiges Ergebnis.


Franz Schmidberger, Chef des deutschen Distrikts und einer der maßgeblichen Köpfe der Bruderschaft, kündigte an, die Vereinigung wolle «sehr früh zum neuen Papst Kontakt aufnehmen und ihm das Anliegen der 2.000-jährigen Tradition der Kirche vortragen». Die Traditionalisten wünschten sich «einen Papst, der dem Glauben in der Kirche seinen Primat zurückgibt, der überlieferten Liturgie als diesem Glauben entsprechend weiten Platz einräumt und alles aus diesem Glauben heraus in Christus zu erneuern sucht». Was dies für den Fortgang der Gespräche genau heißt, muss sich zeigen. Sicher ist nur, dass auch die Piusbruderschaft in den nächsten Wochen nach Rom schaut und auf den Weißen Rauch wartet. Vielleicht ist auch die Frage des Umgangs mit den Traditionalisten ein Maßstab, nach dem die Kardinäle aus ihrer Mitte ihr neues Oberhaupt bestimmen.

Auf das nun beendete Pontifikat blickt die Piusbruderschaft mit gemischten Gefühlen zurück: So sieht Schmidberger einerseits «wirkliche Lichtblicke». Dazu zählt er das Lehrschreiben, mit dem die Alte Liturgie aufgewertet wurde. Auch die Rücknahme der Exkommunikation - öffentlich mit dem Eklat um den Holocaustleugner Richard Williamson verbunden - war für Schmidberger «ein wichtiger Augenblick in der Wahrheitsfindung». Wenn die Alte Liturgie tatsächlich nie verboten gewesen sei, könnten auch nicht jene aus der Kirche gejagt werden, die welche an ihr festhalten wollten. Und schon die Namenswahl von Joseph Ratzinger, so der deutsche Distriktobere, habe gezeigt, dass nach zwei Päpsten, «die sich als Sachwalter der Konzilspäpste Johannes XXIII. und Pauls VI. sahen», Benedikt XVI. mehr das Erbe des christlichen Abendlandes im Blick gehabt habe.

Doch Schmidberger sieht auch «viele Leiden», die einen «feinfühlenden, gebildeten Mann» wie Benedikt XVI. schließlich hätten niederdrücken müssen. Und er beklagt, dass Ratzinger «keine durchgängige, stringente Linie» vertreten habe. «Unverständnis» äußert der Distriktobere über die Ernennung von Gerhard Ludwig Müller zum Präfekten der Glaubenskongregation. Müller hatte in seinem vorherigen Amt als Bischof von Regensburg intensiv mit der Piusbruderschaft zu tun - und machte dabei aus seiner Abneigung wenig Hehl.

Aber auch die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. und das interreligiöse Treffen in Assisi seien kaum mit der «Klage über die Diktatur des Relativismus zu vereinbaren», wie sie Benedikt XVI wiederholt formulierte. Und schließlich der Rücktritt, den Schmidberger unverhohlen kritisiert: Schließlich habe Ratzinger «das Petrusamt nicht aus der Hand der Kardinäle empfangen, die nur den Inhaber dafür bezeichnen, sondern von Gott selbst, dessen Stellvertreter er auf Erden ist». Folglich könne nur Gott selbst ihn durch den Tod aus dem Amt abberufen. Vielleicht spricht aus dieser Einschätzung auch die Sorge, dass die Gespräche mit dem künftigen Papst problematischer verlaufen könnten als mit dem im Ruhestand.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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Lesermeinungen

  12. März 2013 
 

Amtsverzicht

Bitte Pater Schmidberger, ein bisschen mehr Logik!

Sie meinen, ein Papst könne nur von Gott durch den Tod abberufen werden. Dann hätten wir also in Zukunft zwei Päpste, wenn auch das Amt des neuen gültig sein soll. Wie war das denn beim Konzil von Konstanz, als der rechtmässige Papst, Gregor XII., freiwillig, wie er betonte, zugunsten eines neuen, vom Konzil gewählten (Martin V.), abdankte? Coelestin V., der 1294 zurücktrat, wurde von der Kirche gar heilig gesprochen. P. Schmidberger, Sie wollen mit dem neuen Papst verhandeln, obwohl er es nach Ihrem Verständnis gar nicht sein kann? Es scheint, die Piusbruderschaft ist überhaupt vom Papst abgekoppelt. Wenn sie das Gegenteil behauptet, sind das leere Worthülsen.


3
 
 carl eugen 12. März 2013 

Ich danken Ihnen @ johnboy...

das Sie meinen Standpunkt und meine Gründe respektieren! Ich freue mich, dass wir uns einig sind, vor allem in unser Aller Liebe zur Kirche! Alles Gute!


1
 
 johnboy 12. März 2013 
 

@carl eugen

Danke für diese Ihre nette "Brief", Ich glaube wir sind uns einig.... Ich wünsche von herzen auch für Sie Gottes Segen


1
 
 carl eugen 12. März 2013 

Sehr geehrter @ johnboy!

Wir Alle sind doch Kinder Gottes! Wir alle hier im Forum mögen ja in manchen Details andere Meinungen haben, und die Piusbruderschaft ist eben eine verzwickte Angelegenheit! Aber was am wichtigsten ist: Alle Mitglieder hier im Forum sind vereint in Liebe und Treue zu Papst und Kirche! Es darf nie soweit kommen, das Meinungsverschiedenheiten dazu führen, das wir nicht mehr den Segen Gottes erflehen für einander! Ich gebe zu, dass ich mich etwas drastisch ausdrücke im Hinblick auf die Piusbruderschaft. Aber das liegt auch daran, dass ich aus einer Familie stamme, die schwer unter dem Nationalsozialismus gelitten hat! Deshalb kann ich eine Herabsetzung von Menschen die unter dem NS Terror gelitten haben und gestorben sind nicht ertragen! Nochmals: Das wichtigste ist, das wir Alle in Treue zu Papst und Kirche stehen, dann können uns auch Meinungsverschiedenheiten nichts anhaben! Gottes Segen für Sie!


2
 
 Irustdim 12. März 2013 
 

@carhein71

Meines Erachtens haben Sie Recht. Je mehr lese und je mehr beobachte, sowohl hierzulande (Österreich) als auch in meinem Heimat Argentinien, desto größer ist die Überzeugung in mir geworden, dass das Konzil faktisch eine Katastrophe war und ist. Die Realität zeigt uns klar: wir sind Zeugen von der allergrößten Apostasie in der Geschichte der Kirche nicht nur in Europa sondern auch Weltweit. Wir sind zeugen von einem (scheinbar nicht zu stoppen) triumphalen Aufmarsch der Modernismus im Klerus, Hierarchie und Gottesvolk. Beide Katastrophen entfalteten sich klarerweise nach Abschluss des Konzils. Unserem Heiligen Vater, Benedikt XVI, glaubt fest, dass das Konzil keinen Bruch darstellt. Und doch ergibt sich einen Bruch! Oder gewollt und ungewollt kann ich nicht sagen. Doch kann ich sagen, dass die faktische Umsetzung führte KLAR zu einem Bruch in der Liturgie, im Wesen der Sakramente, im priesterlichen Leben, im Mönchtum und in der Mission.


4
 
  12. März 2013 
 

@lentulus2 -- Mit Petrus und mit Ihnen,ich auch!


2
 
 carhein71 11. März 2013 
 

Frage der Ehrlichkeit

Es gibt einen langen Essay von S. E. Tissier de Mallerais: "Faith imperiled by Reason.". In diesem Essay ist im Grunde das gesamte Dillema des Pontifikats Benedikt XVI. zusamengefaßt. Das Konzil hat die bestehenden Fehler in der Kirche nicht ausgemerzt, die Vertuschung schwerwiegender Taten erleichtert, und dann Glaube und Disziplin der Kirche verwässert. Papst Benedikt XVI hat als Theologe Joseph Ratzinger entscheidend die Theologie des Konzils geprägt, sie als Kardinalpräfekt der Glaubenskongregation verteidigt und als Papst Benedikt XVI in die Kontinuität zur Tradition setzen wllen, obgleich er wie Scilunca in der FAS vom 3.3.2013 beschreibt, die Folgen erlebt hat und sie weitgehend versucht hat mit der Härte des Gesetzes zu ahnden.
Die zusätzlichen Skandale und das eigene sich Mitschuldig-Fühlen hat Papst Benedikts Kräfte vollkommen aufgezehrt. Ich sehe auch einen Akt der Buße im Rücktritt. Auch Elias hat gesagt: "Es ist genug. Ich bin nicht besser als meine Väter".


5
 
  11. März 2013 
 

Der Glaube der Kirche und das Konzil

Der fromme Wunsch von Schmidberger, dass der neue Papst gemäss dem Glauben der Kirche alles in Christus zu erneuern suche, kann auch erfüllt werden, wenn man das Konzil anerkennt.


6
 
 carl eugen 11. März 2013 

Entschuldigung!

Ich habe geglaubt mein erster Kommentar zu @ Irustdim sei nicht freigeschaltet worden, weswegen ich ihn in ähnlicher Form, vielleicht nicht ganz so drastisch, nochmal geschrieben habe, deshalb steht der Kommentar jetzt zweimal da. Entschuldigung!


3
 
 carl eugen 11. März 2013 

@ johnboy

Bitte mäßigen Sie sich etwas. Was hat meine Abscheu gegenüber jeglichem Antisemitismus mit Papsttreue zu tun? Ich habe den Heiligen Vater in jeder Lebenssituation die Treue gehalten! Ich habe ihn bei seinen Kritikern in Schutz genommen, und habe selbst viel Kritik und Boshaftigkeit bis hin zu körperlicher Gewalt ertragen müssen, wegen meiner absoluten Papsttreue! Das lass ich mir nicht vorwerfen, nur weil ich kein Freund der Piusbruderschaft bin! In meinen Augen hat die Piusbruderschaft den Papst bloss gestellt, wo es nur ging, und sie sind latente Antisemiten! Ich selbst gehe regelmässig zur tridentinischen Messe bei der Petrusbruderschaft! Die haben sich dem Papst untergeordnet und sind auch nicht antisemitisch! Also bitte, ich bitte Sie um Mäßigung! Gottes Segen!


6
 
 carl eugen 11. März 2013 

@ Irustdim

Küng, Drewermann und Konsorten sind in der Tat Häretiker der übelsten Sorte, aber zumindest haben sie das jüdische Volk nicht als Gottesmörder betitelt, was Papst Benedikt XVI. In seinen Jesusbüchern beeindruckend widerlegt hat, noch haben sie den Holocaust geleugnet, was das Abscheulichste ist, was man tun kann! Sicher haben die Piusbrüder keine Glaubenswahrheiten geleugnet, wie Küng und Drewermann, aber sie haben dem Heiligen Vater den Gehorsam aufgekündigt, was in meinen Augen auch häretisch ist! Gottes Segen!


5
 
 SCV 11. März 2013 
 

Chance verpasst

FSSPX hat die Chance verpasst, wieder katholisch zu werden. Die ausgestreckte Hand von Benedikt XVI. wurde leider mit großer Selbstgerechtigkeit zurückgewiesen.
Das Herumnörgeln der Piusbrüder am Pontifikat von Benedikt XVI. ist undankbar und selbstgerecht.


5
 
 carl eugen 11. März 2013 

@ Chris2

Mit der tridentinischen Messe haben Sie absolut recht! Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte kein Verteidiger von Küng und Konsorten sein, und das man betet, das Alle Christus als unseren Erlöser erkennen ist absolut korrekt und ich danke dem Heiligen Vater, das er die tridentinische Messe wieder zugänglich gemacht hat! Aber wo bei mir einfach der Spass aufhört, wenn man sich gegen den Papst und seine Barmherzigkeit stellt, und man Menschen, die Väter im Glauben sind (Benedikt XVI.) als gefährliche Gottesmörder darstellt und sie mit Freimaurern vergleicht! Das geht einfach nicht! Gottes Segen!


4
 
 Chris2 11. März 2013 
 

die Liturgiereform

war erst 1970, die tridentinische Messe also die Messe der Konzilsväter. Leider rennt man da aber gegen Windmühlen an... @ carl eugen das ist - abgesehen vom Faktum der tragischen Rolle Benedikts XVI. - nicht ernst gemeint, oder?


6
 
 Theodor69 11. März 2013 
 

Ich glaube, dass der Zug abgefahren ist

Papst Benedikt ist ihnen extrem weit entgegengekommen und ist dabei nur auf Arroganz gestossen. Ein neuer Papst wird da vermutlich vorsichtiger sein... Und irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, wo wieder Bischofsweihen bei den Piiusbrüdern anstehen werden - Wenn sie nochmals weihen, dann ist der Ofen sicher aus.


5
 
 girsberg74 11. März 2013 
 

Suppe zu kochen, geht auf jedem Feuer.

Schmidberger hat Feuer unter seinem Kessel, was aber hat er drin?


2
 
 carl eugen 11. März 2013 

Die Piusbruderschaft...

ist in meinen Augen total grössenwahnsinnig! Wer sind die eigentlich, das die sich erlauben die Entscheidungen des Heiligen Vaters zu kritisieren! Ich habe grossen Respekt vor jedem der die Tradition der Kirche bewahrt. Es gibt nichts Schlimmeres, als die Kirche von ihren Wurzeln zu trennen. Aber was sich diese Piusbruderschaft alles geleistet hat ist schon erstaunlich. Den Heiligen Vater haben sie drangsaliert und auflaufen lassen, wo es nur ging. Sie haben den Papst der Lächerlichkeit Preis gegeben mit ihren überzogenen Forderungen und ihrem antisemitischen Geschwätz! Das Leben haben sie dem Heiligen Vater schwer gemacht, anstelle das sie dankbar dafür gewesen wären, das sich der Papst solche Mühe mit ihnen gegeben hat! Ich habe immer geglaubt, Hans Küng sei das grösste Übel der Kirche, aber die Piusbruderschaft hat es tatsächlich geschafft, ihn noch zu überholen! Entschuldigt diese drastische Wortwahl, aber da platzt mir echt der Kragen!


10
 
 macie 11. März 2013 
 

Hoffentlich

hat Pius ihre Chance nicht vertan. Das Angebot einer Personalprälatur haben sie abgelehnt. Mir scheint sie folgen nach dem Prinzip "Alles oder Nichts". Nun, jetzt haben sie erstmal Nichts.

Und zu dem Papst Benedikt XVI.: Alle die ihn schätzen gelernt haben wissen, dass Benedikt sehr gewissenhaft ist. Und in seiner Demut wird er mit Gott diese, seine Entscheidung im Gebet vereinbart haben. Wer sagt denn, dass seine Entscheidung dann nicht von Gott kommt?

Pius und keiner hat das Recht, anzuzweifeln, die Entscheidung Benedikts zur Amtsniederlegung könnte nicht in Gottes Absicht getroffen worden sein.

Das tun nur die, die meinen größer zu sein als alle anderen. Und da hat Jesus auch ein Beispiel in der Bibel genannt.

11 Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt und wer sich selbst erniedrigt wird erhöht werden."(Lk14)


4
 
 lentulus2 11. März 2013 

Einigung

Ich wünsche mir nichts sehnlicher als eine Einigung, das die Piusbruderschaft so schnell als möglich unter das Dach der kat.-Kirche zurück kehren kann.


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