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Bestattung Priebkes sorgt weiter für Debatte

18. Oktober 2013 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Wo sich Priebkes Sarg derzeit befindet und wo der NS-Kriegsverbrecher bestattet werden wird, ist unklar - Piusbruderschaft in Diskussion, weil sie die Kapelle ihres italienischen Hauptsitzes für die Trauerfeier zur Verfügung stellte


Rom (kath.net/KNA/red) Die Bestattung des NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke ist weiterhin ungeklärt. Es handle sich um einen «komplexen technisch-juristischen Zusammenhang», zitieren italienische Medien (Donnerstag) Regierungskreise in Rom. Eine Kremation könne nur nach dem Willen des Verstorbenen oder mit Billigung der Angehörigen erfolgen. Eine solche liege nicht vor, berichtete die Tageszeitung «Il Sole 24 Ore». Zudem seien rechtliche Vorgaben anderer Staaten zu beachten.

Wo sich Priebkes Sarg derzeit befindet, ist unklar. Der italienische Fernsehsender Rai meldete Donnerstag, der Leichnam befinde sich nach wie vor auf dem Militärflughafen Pratica di Mare, wohin er nach dem gescheiterten Versuch einer Trauermesse durch Traditionalisten gebracht wurde. Andere Medien berichteten, der Sarg habe das Militärgelände am Mittwochabend mit unbekanntem Ziel verlassen.

Unterdessen sorgt die Totenmesse für Priebke in einer Kapelle der traditionalistischen Piusbruderschaft in Albano Laziale am Dienstag für ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft von Velletri veranlasste laut Medienberichten Ermittlungen gegen den Präfekten von Rom, Giuseppe Pecoraro. Hintergrund sind Krawalle zwischen Neofaschisten und Demonstranten vor und nach Abbruch der Feier. Pecoraro hatte die Trauerzeremonie gegen den Widerstand des Bürgermeisters von Albano zunächst genehmigt, nach der versuchten Teilnahme von Rechtsextremen aber abbrechen lassen.


Auch die Piusbruderschaft selbst steht unter steigendem Rechtfertigungsdruck. Die Trauerfeier für den Kriegsverbrecher wurde zwar einerseits von einem Geistlichen gehalten, der sich von der Piusbruderschaft abgespalten hat. Dass die italienische Piusbruderschaft andererseits aber erlaubte, diese Trauerfeier ausgerechnet in der Kapelle ihres Hauptsitzes abzuhalten, löste verbreitet Irritationen aus. Denn auch im Fall des erst im Oktober 2012 aus der Piusbruderschaft ausgeschlossenen Bischofs und Holocaustleugners Richard Williamson waren bereits starke Fragen danach aufgekommen, welches Geschichtsbild die Piusbruderschaft im Zusammenhang mit Völkermorden unter nationalsozialistischen und faschistischen Ideologien vertrete.

Ein Abgeordneter der Demokratischen Partei forderte eine parlamentarische Fragestunde mit Italiens Innenminister Angelino Alfano zum Vorgehen des Präfekten. Einer der beiden Söhne Priebkes bekräftigte unterdessen laut den Berichten, dass er ein christliches Begräbnis für seinen Vater wünsche. Die Angehörigen hätten jedoch bislang nicht ausdrücklich eine Überführung nach Deutschland verlangt.

Eine Überstellung von Priebkes Leichnam nach Deutschland steht dennoch weiterhin im Raum. Roms Bürgermeister Ignazio Marino hatte am Mittwoch mitgeteilt, es gebe informelle Kontakte zur deutschen Regierung. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin betonte hingegen, die Suche nach einer Lösung hänge nicht von der Bundesregierung ab. Sich um Verstorbene zu kümmern, sei Sache des Staates, in dem sich der Todesfall ereignete.

Laut «Il Sole 24 Ore» wird auch eine Bestattung auf dem deutschen Soldatenfriedhof von Cassino erwogen. Unterhalb der im Zweiten Weltkrieg hart umkämpften Benediktinerabtei Montecassino ruhen mehr als 20.000 deutsche Soldaten, die in Süditalien gefallen sind. Cassinos Bürgermeister Giuseppe Golini Petrarcone bekundete nach Angaben der Zeitung «entschiedene Abneigung» gegen eine Beisetzung Priebke in seinem Ort.

Priebke war am Freitag im Alter von 100 Jahren in seinem römischen Hausarrest gestorben. Er wird für die Erschießung von 335 Menschen in den Ardeatinischen Höhlen am 24. März 1944 mitverantwortlich gemacht. Priebkes Anwalt Paolo Giachini kündigte an, ein Video-Testament seines verstorbenen Mandanten zu veröffentlichen. Ein Datum nannte er nicht. Priebke hatte bis zuletzt die Existenz von Gaskammern geleugnet.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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