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Warum der Papst nach Lourdes pilgerte

20. August 2004 in Interview, keine Lesermeinung
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"Ich würde sagen, dass die Christen neu belebt werden, wenn sie sich um ihren Hirten versammeln", meinte Kardinal Philippe Barbarin von Lyon im ZENIT-Interview.


Lourdes (www.kath.net / zenit) Kardinal Philippe Barbarin von Lyon leitete in diesem Jahr die traditionelle landesweite Wallfahrt am 15. August nach Lourdes. Sie hatte in diesem Jahr einen besonderen Gast: Johannes Paul II. In diesem Interview spricht der 53-jährige Primas von Frankreich über die Motive des Papstbesuches, das 150-jährige Jubiläum der Proklamation des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis Mariens und seine Früchte.

Wie würden Sie einem Jugendlichen das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis erklären?

Kardinal Barbarin: Beginnen wir mit der Stimme, die zu hören war, als Jesus aus dem Jordan stieg: „Das ist mein geliebter Sohn.“ Was Gott dem Menschen schenken wollte, geschah durch Jesus, den einzigen Mittler. Wir empfangen alles – die Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Frieden, Reinheit des Herzens, Heiligkeit, Sieg über den Tod – durch die Taufe, in der wir wiedergeboren werden. „Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: ‚Ihr müsst von neuem geboren werden“, sagte Jesus zu Nikodemus. So begreifen wir, dass Gott dieses Geschenk zuvor der Mutter seines Sohnes geben wollte. Schon bevor Gott die Welt durch das Leiden und die Auferstehung Jesu gerettet hat, im Augenblick, da Maria im Leib ihrer Mutter empfangen wurde, war sie „ganz heilig“. Es gab keinen Makel an ihr, nichts befleckte sie. Deswegen begrüßt sie der Engel Gabriel mit den Worten „Sei gegrüßt, du Begnadete.“ Wie sehr wir auch ihr Leben beleuchten und analysieren mögen – wir werden nichts als Liebe finden.

Was ist die wesentliche Botschaft der Anwesenheit von Papst Johannes Paul II. in Lourdes?

Kardinal Barbarin: Johannes Paul II. kam aus Anlass des 150. Jahrestages der Proklamation des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis durch seinen Vorgänger, den seligen Pius IX. Er hat uns geholfen, alles in unserem Glauben zu vertiefen, was mit der Mutter Gottes zu tun hat. Das Zweite Vatikanische Konzil hat erst ihre Rolle in der Erlösung wieder ins Gedächtnis gerufen und uns gelehrt, den Platz zu sehen, den Maria im Weg der Kirche und des Menschen einnimmt. Ein Canticum spricht davon: „Sie ist die Erste auf dem Weg.“ Mit dem Leben und Beispiel Mariens hilft uns der Heilige Vater, all das Licht zu sehen, das Gott in ein menschliches Herz legen kann. Das ermutigt uns und gibt uns Hoffnung.

Der Papst hat auch den Rosenkranz mit uns gebetet und die Lichtreichen Geheimnisse meditiert, die er vor zwei Jahren eingeführt hat. Jesus ist „das Licht der Welt“. Alle, die zu Christus kommen, die ihn lieben und ihm folgen, die an seiner Sendung und an seinem Leiden teilhaben, spiegeln der Welt dieses Licht wider. Auch in dieser Hinsicht ist Maria die Erste. Wir haben den Heiligen Vater auch als einen kranken Menschen unter jenen Kranken erlebt, die jedes Jahr in großer Zahl nach Lourdes kommen. Das hat seine Hoffnung belebt, und es hilft uns, die Kranken mit großer Zärtlichkeit zu lieben und ihnen die Rolle zu geben, die ihnen in unserer Gesellschaft zukommt, vor allem in unseren christlichen Gemeinschaften.

Welchen Anstoß kann dieses Ereignis dem Leben der katholischen Kirche in Frankreich geben?

Kardinal Barbarin: Man müsste ein Wahrsager sein, um das beantworten zu können. Ich würde sagen, dass die Christen neu belebt werden, wenn sie sich um ihren Hirten versammeln, da sie ihre Einheit und Gemeinschaft im Glauben zeigen. Die Verkündigung des Evangeliums und die Lehre der Kirche sind eine gute Nahrung für unsere Herzen und für unsere Seele. Die Kirche muss stets neu erweckt werden. Ich glaube auch sehr fest an die Gnade Mariens genau an diesem Tag und an diesem Ort: Was für eine Lieblichkeit und Demut lag auf den Ereignissen in Lourdes und auf dem Gesicht der kleinen Bernadette? Was für ein schönes Fest ist der 15. August, die feierliche Aufnahme Mariens in den Himmel, die ein spiritueller Höhepunkt im Hochsommer ist. Es ist jener Tag, an dem wir im Evangelium das „Magnificat“ hören, ein absolut reiner Freudenruf. Maria jubelt, weil sie all das sieht, was Gott unter uns getan hat, alles, was er sie erfahren ließ, die sie doch so klein ist.



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