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Irakischer Bischof warnt: Europas Christen sind zu gleichgültig

4. November 2004 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Der chaldäische Erzbischof Louis Sako von Kirkuk berichtete bei einem Schweiz-Besuch über die Lage der Christen im Irak. Ein Bericht von Reto Beeler.


Zürich (www.kath.net) „Uns werden die Islamisten nicht verdrängen, denn die Christen in meinem Land haben einen Glauben, der trägt. Seien Sie aber vorsichtig, in Europa wird diesgeschehen, denn bei ihnen herrscht der Indifferentismus!“ Das stellte der chaldäische Erzbischof Louis Sako aus Kirkuk im Irak bei seinem Besuch in der Schweiz fest, der vom Hilfswerk „Kirche in Not“ organisiert wurde. In der Pfarrei Maria Krönung in Zürich Witikon feierte er eine Heilige Messe und hielt einen Vortrag im Pfarreisaal.

Der Irak ist ein biblisches Land, eine der Wiegen der Christenheit. Es wurde durch den Apostel Thomas missioniert. Als die arabischen Muslime im 7.Jahrhundert das Land eroberten, war noch jeder zweite Einwohner des heutigen Iraks ein Christ; Missionare aus dem Irak hatten zu dieser Zeit schon den chinesischen Kaiserhof erreicht. Heute sind die rund 700.000 Christen – drei Prozent von 24 Millionen Einwohnern – eine hart bedrängteMinderheit.

Neben der chaldäischen Kirche gibt es im Irak noch andere christlicheKirchen: die Assyrische Kirche, die Syrisch-Orthodoxe und dieSyrisch-Katholische Kirche, die Armenisch-Orthodoxe und die Armenisch-Katholische Kirche. Die Beziehungen zwischen den Christen sindausgezeichnet, berichtet der Erzbischof: Regelmäßig finden Gespräche statt, Entscheidungenwerden gemeinsam getroffen.

Mit den rund zehn Freikirchen gebe es aber Schwierigkeiten: Nachder Besetzung des Landes durch die USA hätten evangelikale Freikirchenbegonnen, unter den Muslimen im Irak zu missionieren. Erzbischof Sakobezeichnet deren offenen und aggressiven Proselytismus in diesemkulturellen Umfeld als „unklug“.

Zur Zeit Saddam Husseins sei das Land „eine einzige Kaserne“ gewesen, erklärt er. Die gut ausgebildeten, weltoffenen Christen seien jedoch an wichtigen Stellen im Staat eher überproportional vertreten gewesen. Das Verhältnis zu den Muslimen sei immergut gewesen.

Seit dem Golfkrieg und dem Embargo der Vereinten Nationen habe sichdie Lage der Christen jedoch massiv verschlechtert: Die USA versäumten es, die Grenzen des Iraks ausreichend zu bewachen. Islamistische Kämpfer aus dem Iran, aus Syrien, Jordanien, Jemen, Ägypten und andern Ländern drangen in den Irak ein. Sie arbeiten mit ehemaligenMitgliedern der Baath-Partei und irakischen Kriminellen zusammen. Ihr Zielist es, eine demokratische und pluralistische Entwicklung im Irak zuverhindern.

Das Volk werde aufgewiegelt. Der Ausspruch des US-amerikanischen Präsidenten George Bush, der Golfkrieg sei ein „Kreuzzug“, habe sich in diesem Zusammenhang als „fatal“ erwiesen, denn Islamisten benützen diese Aussage, um die Kämpfe im Irak zu einem Glaubenskrieg hochzustilisieren. Christen werden angegriffen und verfolgt, da sie unterschiedslos als Verbündete der „christlichen“ Amerikaner gesehen werden, die man nicht angreifen kann, weil sie zu mächtig sind.

Auf die Frage,was er vom Golfkrieg halte, meint er: „Krieg ist nie gut, er bringt vielLeid und ist nie zu befürworten.“ Man müsse jedoch „realistisch sein und auch die positiven Aspekte sehen“, unterstrich er: „Wir haben christliche Parteien, wir haben christliche Zeitungen, wir leben in Freiheit. Die Europäer sind sehr naiv, wenn sie den Amerikanern vorwerfen, einzig wegen des Öls in den Irak gekommen zu sein. Das ist eine sehreinseitige Sicht. Hätten die Amerikaner im Irak nicht eingegriffen, sowäre der ganze Mittlere Osten destabilisiert worden. Die Islamisten würdendas Land kontrollieren und der Westen wäre nicht mehr fähig, die Lage zukontrollieren.“

Was hält der Erzbischof von der Aussage George Bushs, der Islam sei eine „Religion des Friedens“? Seine Antwort: „Lesen Sie den Koran. Meiner Meinung gibt es beim Islam keineAutorität. Der Gott des Islam handelt einmal so, einmal anders. Sie werdenBeispiele finden dafür, dass die Christen zu achten sind. Aber später, ineiner andern Situation verlangt derselbe Gott, die Christen sollen getötetwerden.“

Optimistisch sieht Erzbischof Sako die Zukunft des Landes: „Wir konnten in der Vergangenheit in unserem Land friedlich zusammen leben, wir werden es auch in Zukunft können. Die Probleme, die wir haben, sind importiert. Helfen Sie uns, dass wirChristen im Land bleiben können. Nicht mit Großprojekten, aber mitkleinen Initiativen, die Arbeitsplätze schaffen und den Christen eineExistenz geben, dass sie im Land bleiben können.“

Das Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt dies beispielsweise mit Brunnenprojekten, Werkstätten oder Apotheken. „Protestieren Sie, wenn wir Christen im Irak unter islamistischen Angriffen leiden müssen“, rief der Erzbischof auf. „Als vor kurzem fünf Kirchen in Bagdad bombardiert wurden, gab es bei Ihnen fast keine Reaktion. Unterstützen Sie uns, das ist die beste Missionsarbeit, die sie tun können. Wir kennen das Land und dieLeute, wir sind weltoffen und stark im Glauben und geben ihn weiter. Außerdem können wir helfen, den Irak zu einem demokratischen, pluralistischen Staat zu machen.“



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