Ein modernes Roadmovie

19. Juli 2005 in Buchtipp


Ein Rezension von Bruder Antonius, Hagia Maria Sion Abbey / Jerusalem, zum Buch "Maria von Guadalupe" von Paul Badde - Das Bestseller-Buch jetzt als preisgünstige Taschenbuchausgabe


Dieses Buch ist ein wundervolles Meisterwerk. Die Geschichte um das Bildnis der Maria von Guadalupe in Mexiko beleuchtet Paul Badde mit dem Weitblick des Historikers, der kritischen Brille eines aufgeklärten Europäers und dem spannenden Schreibstil eines rasenden Reporters. Die Dramatik des historischen Hintergrunds im Mexiko des Jahres 1531 skizziert er knapp, um die Brisanz und Bedeutung eines Ereignisses herauszustellen, das in Europa bis heute weitgehend unbekannt geblieben ist: "Am 09.Dezember 1531 erscheint dem Indio Juan Diego auf einem Hügel am Rande der Hauptstadt etwas Unfassbares. Im Morgenrot begegnet ihm eine himmlische Gestalt, die sich ihm als "Maria, die Mutter aller Menschen" offenbart. Zur Beglaubigung dieser Vision gibt ihm die Madonna bei weiteren Erscheinungen nicht nur verschiedene Botschaften mit, sondern hinterlässt schließlich auf seinem Umhang ihr Bildnis, das Portrait eines jungen Mädchens mit gesenktem Blick, bekleidet mit Rosengewand und Sternenhimmel". So steht es im Klappentext.

Das Buch erzählt nun aber nicht nur, und das ist das allererstaunlichste an diesem Werk, von diesem Portrait, sondern von Maria selbst. Je mehr sich die eigene Biografie des Autors und die Recherche um dieses Portrait ineinander verweben, desto mehr gerät gleichzeitig der Leser in den Bann dieses Berichtes. München, Turin, Medjugorje, Jerusalem, Rom, Mexiko-City, das sind die geografischen Stationen dieses Buches. Man kann den ganzen Text auch als modernes Roadmovie sehen. Es geht aber um weit mehr. Das Buch ist durchaus nicht nur für Katholiken oder Marianer geschreiben. Im Gegenteil: Paul Badde, läßt kein Kapitel zu Ende gehen, ohne nicht zumindest ein oder zwei, lieber aber gleich drei spitze und kritische Fragen in den Raum zu stellen. Es ist im Tonfall nie verherrlichend oder beschönigend, geschweige denn belehrend. Er selbst scheint die ganze Geschichte zunächst als allerletzter glauben zu wollen. Erst im letzten Kapitel steht er dem Bildnis von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Mich hat das Buch sehr berührt, weil es mit einer großen Liebe zur Wahrheit, der ich mich als Leser nicht entziehen konnte, geschrieben ist. "Doch wie kommt es", fragt der Autor in der Mitte des Buches, "dass keiner diesen Stoff als Jahrtausendroman gestaltet hat, unglaublicher als die Heldentaten Don Quijotes, witziger als Grimmelshausens Simplizissimus und weltbewegender als die Brüder Karamasov? Wieso fand sich kein Franz Werfel, um "Das Lied des Juan Diego" aufzuzeichnen. Warum hat sich Gabriel Garciá Márquez des mächtigen Stoffs nie angenommen?". Als ich das Buch zugeschlagen hatte, wusste ich die Antwort: Weil Paul Badde als Mensch dazu bestimmt war, dieses Buch zu schreiben. Und weil Paul Badde als Schriftsteller eine ganz eigene, wundervolle Sprache gefunden hat, sodass sein Name hier ganz ohne Umschweife in einem Atemzug mit Márquez und Werfel genannt werden muß.

Paul Badde
Maria von Guadalupe
Wie das Erscheinen der Jungfrau Weltgeschichte schrieb
Taschenbuchausgabe
255 Seiten und zahlreiche Farbfotos
8,50 Euro

Das Buch kann in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung CHRIST-MEDIA(Auslieferung Österreich und Deutschland) und der BuchhandlungImmanuel (Auslieferung Schweiz) direkt bei KATH.NET bestellt werden.
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