
28. September 2005 in Aktuelles
Wer fürchtet sich vor Atheisten, Schismatikern und den eigenen Kritikern? Papst Benedikt XVI. nicht. Er ist ein persönlicher Brückenbauer, meint WELT-Korrespondent Paul Badde.
Rom (www.kath.net / welt) Der Beifall der Deutschen wäre natürlich viel einhelliger, wenn ein Mann wie Kardinal Lehmann mit seiner Offenheit und Dialogbereitschaft Papst geworden wäre, wusste Hans Küng nach der Wahl Benedikt XVI. Und vielleicht mit dem medialen Geschick des Mainzer Kardinals, hätte man noch ergänzen können. Denn seit Dr. Luthers Thesenanschlag und der Erfindung des Buchdrucks scheint die katholische Kirche in Deutschland an einem Trauma mit den Massenmedien zu leiden, von dem sie sich nie ganz erholt hat vom unbeschwert geschickten Umgang Karl Lehmanns in unserer Zeit mit den Zeitungen und Sendern einmal abgesehen.
Dieses Monopol ist mit dem ersten deutschen Papst nach der Reformation nun überraschend gebrochen. In rascher Reihenfolge hat Benedikt XVI. am 26. August Oriana Fallaci empfangen, am 29. August Bernard Fellay und am 24. September Hans Küng. Nach der wütenden Kritikerin des Islam und Europas und dem Bischof vom abtrünnigen rechten Rand der Kirche hat er jetzt also auch von Linksaußen den Mann nach Castel Gandolfo eingeladen, der seinen Ruf als radikalster Kritiker Joseph Ratzingers seit Jahrzehnten nicht ohne Stolz gegen alle Mitbewerber erfolgreich verteidigt hat.
Über den Inhalt der Gespräche ist nichts bekannt geworden, was über die dürren Kommuniqués des Vatikans hinausgegangen wäre. Sie waren versöhnlich und offen. Sterile Streitpunkte wurden umgangen. In der Substanz waren die Begegnungen darum vor allem Signale. Der neue Pontifex ist ein persönlicher Brückenbauer. Den initiativen Grundsatz der Medien des news generating setzt er schon jetzt so virtuos wie sein Vorgänger um, freilich auf seine unverwechselbare Weise, mit der er noch viele überraschende Nachrichten produzieren wird.
Foto: (c) SIR
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