
2. Dezember 2006 in Spirituelles
Gedanken zum Advent von Bischof Amédée Grab OSB.
Chur (www.kath.net/Zenit)
Die Worte, die Papst Benedikt XVI. zu uns Schweizer Bischöfen beim Ad-limina-Besuch sprach, klingen in mir nachhaltig weiter. Dass in Westeuropa der Mensch vielfach das Göttliche nicht mehr spüre, weil das Organ dafür in ihm vertrocknet ist, ist mehr als eine Vermutung.
Verständlich ist daher, dass der Heilige Vater sich und uns in die Pflicht nimmt, indem er weiter sagt: Wir müssen helfen, dass die Leute es kosten können, dass sie den Geschmack an Gott wieder spüren können.
Der Advent ist eine gute Zeit dazu. Christen wünschen sich einen besinnlichen Advent. Es ist immer gut, eine Pause einzuschalten, vom Alltag mit seinen Sorgen und Freuden etwas Abstand zu nehmen, allein oder mit anderen zu überlegen, was in Familie, Beruf oder Freundeskreis besser gehen könnte. Aber der tiefere Sinn vom Advent ist doch eine Begegnung mit Gott.
Junge Leute, die sich auf die heilige Firmung vorbereiten, fragen den Bischof häufig nach seinem Gottesbild. Sie selber reden gern von etwas Höherem, von einer geistigen Kraft, die es vielleicht gibt, oder an die sie sich in schweren Stunden wenden.
Die Antwort, die ich gebe, enthält sicher das Glaubensbekenntnis der Kirche oder ist ein Versuch, die biblische Botschaft zu verkünden. Zur Überwindung des Subjektivismus, der nicht bloß unter Jugendlichen anzutreffen ist, betonte Papst Benedikt in seiner Ansprache: ...dass wir den Glauben nicht uns selbst ausdenken und zusammensetzen aus Stücken, die man verkraften kann, sondern dass wir mitglauben mit der Kirche.
In dieser Adventszeit sind wir nicht bloß mit dem großen Ich der Kirche Mitglaubende, sondern Mithoffende, Mitersehnende, spricht die Kirche auch aus unserem Herzen, wenn sie vor Weihnachten mit zunehmender Sehnsucht ruft: Komm, Herr Jesus!
Warum soll er kommen? Was bedeutet es, dass er jedes Jahr wiederkommt? Hat Weihnachten damit etwas zu tun, dass er, der Mensch gewordene Sohn Gottes am Ende der Zeiten als Richter wiederkommt? Und wie soll das zum Inhalt meines Glaubens und meiner Hoffnung werden?
Mithoffende zu werden, ist ein Geschenk seiner Gnade. Wir können nur darum bitten. Das ganze aber interessiert uns nur, wenn das Organ für das Göttliche in uns nicht vertrocknet ist. Aber auch die Wiederbelebung dieses Organs kann nur ein Geschenk sein. Wir sollten füreinander darum beten.
Komm, Herr Jesus!, kann nur beten, wer sich berühren lassen will. Ein junger Christ schrieb mir kürzlich: Ich gehe nicht sehr häufig in die Kirche, aber ich finde, zum eigenen Glauben sollte man eine gewisse Zuneigung haben. Wer so denkt, kann das Göttliche spüren, Weihnachten sagen und merken, worum es geht.
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