Kirche, Expertin für das 'Mobbing'

in Deutschland


Ein Kommentar von Guido Horst / TAGESPOST


Es ist schon beeindruckend, wie die Kirche jedes Thema, das in den Medien und öffentlichen Debatten eine gewisse Rolle spielt, „einfängt“ und auch zum Gegenstand innerkirchlicher Diskussionen macht. Jetzt ist das „Mobbing“ an der Reihe. Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, hat jüngst erst nach einem Gespräch mit den Betriebsseelsorgern seiner Diözese bestätigt, dass es Personalkonflikte in Kircheneinrichtungen gibt und er das Thema „Mobbing“ in der Kirche sehr ernst nehme. Es müsse noch mehr „Bewusstsein dafür geschaffen werden“, sagte er. Stellenkürzungen, Ein- sparungen und Umstrukturierungen durch wachsenden Kostendruck machen es notwendig, dass die Leitungen kirchlicher Betriebe vermehrt darauf achten müssen, wie man beim Bodenpersonal Gottes miteinander umgeht.

„Mobbing in der Kirche“. Das ist, wenn die lieben Kolleginnen und Kollegen zu Hyänen werden. Oder „Bossing in der Kirche“. Das ist, wenn der Druck von oben kommt. Doch „neu“ sind nur die neudeutschen Formulierungen. Die Sache selbst ist so alt wie das Evangelium. Verstärkt wurde das „Menscheln“ in der Kirche allerdings durch die Aufblähung der kirchlichen Apparate, die in Zeiten gebotener Sparsamkeit wieder etwas abmagern müssen, sowie durch ideologische Grabenkämpfe, die das innerkirchliche Klima derzeit bestimmen. Wer in einem „katholischen Betrieb“, sei er nun direkt diözesan oder der Bischofskonferenz unterstellt, oder sei er „nur“ von der Tradition und dem Selbstverständnis her katholisch, den Fehler macht, Glaubenspositionen und eine kirchliche Disziplin zu vertreten, wie sie etwa der Papst und das römische Lehramt vorlegen, muss in der Regel damit rechnen, nach allen Regeln der Kunst „fertig gemacht“ zu werden. Anpassung und Rückgrats-Verbiegungen sind das Gebot der Stunde. Das gilt etwa für junge Theologen, die an kirchlichen Fakultäten Karriere machen wollen, oder für Geistliche, die in eine Pfarrei versetzt werden, wo die Laienräte das Regiment übernommen haben. In kaum einer anderen „gesellschaftlichen Großgruppe“ sind in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten so viele Wunden geschlagen worden wie in der Kirche. Es ist ja gut, dass jetzt ein Bischof erklärt, dass er das „Mobbing“ sehr ernst nehme. Nicht schlecht wäre es aber auch, wenn unsere Oberhirten ein waches Auge für die Verletzungen haben, die gerade jenen zugefügt worden sind, die irgendwann einmal mit dem aufrichtigen Wunsch antraten, ihr Leben in den Dienst der römischkatholischen Kirche zu stellen.


© 0000 www.kath.net