Fasten befreit uns vom Zwang, das Leben ,machen’ zu wollen

6. März 2007 in Aktuelles


KATH.NET präsentiert Fastentipps der Bischöfe Manfred Scheuer (Innsbruck), Gregor Maria Hanke (Eichstätt) und Kurt Koch (Basel).


Linz (www.kath.net) „Die Fastenzeit kann auch eine Einübung in die Dankbarkeit sein. Dankbarkeit befreit von dem zwanghaften Bemühen, das Leben selbst ,machen’ zu wollen.“ Das sagt der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer in seinen „Tipps für die Fastenzeit“.

KATH.NET hat Bischöfe in Österreich, Deutschland und der Schweiz angefragt, ob sie unseren Leserinnen und Lesern ein paar Gedanken für die Fastenzeit mitgeben wollen. Wir präsentieren den zweiten Teil unserer Serie.

Bischof Manfred Scheuer, Innsbruck

Dank sagen: Die Fastenzeit kann auch eine Einübung in die Dankbarkeit sein. Dankbarkeit befreit von dem zwanghaften Bemühen, das Leben selbst „machen“ zu wollen. Denken und Danken stammen aus derselben Wurzel. Undankbarkeit ist Gedankenlosigkeit. Und wer gedankenlos lebt, lebt meist auch undankbar. Wenn wir Dank sagen, können wir Erfahrungen aufgreifen, in denen die Sehnsucht nach Gott gewachsen ist, in denen etwas von der Führung durch den Geist Gottes zu spüren war.

Zeit schenken: Fastenzeit als Besinnung auf das Wesentliche kann eine Zeit sein, in der wir uns Zeit nehmen und in der wir Zeit haben. Von der Heiligen Schrift her bedeutet „Lieben“ nicht zuletzt „Zeit haben“. Nur wer sich für den und die anderen Zeit nimmt, kann sich auf sie einlassen, sie lieben. So vermittelt es zumindest das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25–37). Fastenzeit bedeutet für mich: Zeit haben für das kleine Kind, für den alten Mann, für Menschen, die etwas brauchen.

Im Schweigen Gott finden: „Im Schweigen liebt man am Glühendsten. Lärm und Worte verlöschen oft das innere Feuer.“ (Charles de Foucauld) Das Schweigen ist ein Weg, auf dem wir uns selbst begegnen können. Das Schweigen nimmt, was unser eigentliches Leben verstellt, was unsern Kern zu ersticken droht und uns von der Verwirklichung des Bildes abhält, das Gott in uns hineingelegt hat. Das Ziel des Schweigens ist es, uns für Gott offener zu machen, durchlässig zu machen für Gottes Geist.

Bischof Gregor Maria Hanke, Eichstätt

In seiner Bergpredigt lehrt Jesus uns, wie das Gebet in Fasten und Almosengeben eingebettet ist (vgl. Mt 6,1-18).

* Der Verzicht, das Fasten macht uns frei von eingeschliffenen Abhängigkeiten, ungeordneten Neigungen und sündhaften Leidenschaften. Daher die erste Frage: Welcher Verzicht könnte mich freimachen?

* Das Gebet meint herzliche Hinwendung zu Gott und macht frei zu einer erneuerten Beziehung. Daher die zweite Frage: Welches Gebet hilft mir am besten zum freundschaftlichen Gespräch mit Gott oder mit Christus am Kreuz, wie wir es von Don Camillo kennen?

* Das Almosen meint die Hinwendung zum bedürftigen Nächsten und befreit zur Freigebigkeit. Daher die dritte Frage: Für wen kann ich mich einsetzen oder etwas Zeit opfern? Wie großzügig sollte ich bei der Fastenaktion von Misereor sein?

Wer betet, bleibt also nicht in sich selbst gefangen, sondern macht sich frei von Selbstsucht und „bekehrt“ sich zu Gott und dem Nächsten.

Bischof Kurt Koch, Basel

Die Fastenzeit kennt in der christlichen Tradition drei Namen, mit denen sich drei Wegweisungen verbinden:

1. Die Bezeichnung „Fastenzeit“ legt den Schwerpunkt auf das Fasten. Christliches Fasten bedeutet einen Verzicht, der uns gerade frei von uns selbst und frei für Gott und dadurch auch frei für andere Menschen machen will. Dieses Ziel kommt in einer Präfation in der Fastenzeit schön zum Ausdruck: „Jejunio mentem elevas“ – „ Durch Fasten erhebst du den Geist.“ Dahinter verbirgt sich die Überzeugung, dass Fasten mit der geistlichen Pflege der Innerlichkeit verbunden sein soll.

2. Die Bezeichnung „Österliche Bußzeit“ erinnert daran, dass diese Zeit ursprünglich die Zeit der Vorbereitung auf die Taufe und die Taufspendung und damit die Zeit der Christwerdung war, die als langer Weg der Bekehrung und der Reinigung verstanden wurde. Diesen Weg haben wir auch heute nie einfach hinter uns; wir müssen ihn vielmehr immer wieder neu beschreiten. In der Österlichen Bußzeit besinnen wir uns auf unser Getauftsein und bereiten so die Erneuerung der Taufversprechen vor, die wir in der Heiligen Osternacht vollziehen werden.

3. Die Zeit zwischen dem Aschermittwoch und Ostern heißt in der liturgischen Sprache auch „Quadragesima“. Dieser Name erinnert an die vierzig Tage des Fastens Jesu in der Wüste, die ihrerseits an die vierzig Tage zurückverweisen, die Mose auf dem Berg Sinai fastend verbracht hat, bevor er das Wort Gottes auf den Bundestafeln in Empfang nehmen konnte, und schließlich an die vierzig Jahre, während denen Israel durch die Wüste wandern musste. Diese Zeit macht uns bewusst, dass auch wir uns immer wieder in Wüsten aufhalten. Wie aber Israel in seiner Spätzeit die vierzig Jahre der Wüstenwanderung rückblickend nicht nur als Zeit der Ferne Gottes, sondern auch als Zeit der ersten Liebe zu Gott verstanden hat, so sind auch wir eingeladen, diese Zeit zu nutzen, unsere Beziehung zum dreifaltigen Gott zu vertiefen.

Die Fastenzeit mit dem Schwerpunkt der geistlichen Pflege der Innerlichkeit, die Österliche Bußzeit mit dem Schwerpunkt der erneuten Einübung in das Christsein, und die Quadragesima mit dem Schwerpunkt der Vertiefung unserer Gottesbeziehung: Wenn wir diesen Dreiklang bewusst leben, kann auch für uns die Fastenzeit eine Zeit der Gnade werden.

Foto: (c) Pöllauer Jugendtreffen


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