Beginn der Demagogie?

16. Juli 2007 in Deutschland


Ein Kommentar von P. Engelbert Recktenwald zu den Aussagen von Manfred Bleskin/NTV über Papst Benedikt: "Jesus wurde für seine Rede von einem Knecht geohrfeigt, Benedikt XVI. von Bleskin"


Linz (www.kath.net)
Dass nach zwei Amtsjahren die Schonfrist langsam abläuft, die ein Teil der kirchenkritischen Medien dem neugewählten Papst gewährte, war zu erwarten. Dennoch überrascht, wie schnell man auf Methoden zurückgreift, die nicht nur mangelndes Verständnis für das katholische Selbstverständnis, sondern auch mangelnde Fairneß im journalistischen Handwerk verraten.

Als Beispiel soll der Kommentar von Manfred Bleskin des deutschen Nachrichtensenders ntv vom letzten Freitag herausgegriffen werden. Im päpstlichen Sündenregister, das Bleskin ins Feld führt und das natürlich auch die beiden jüngsten Dokumente zur Liturgie und zur Kirche enthält, findet sich die Aussage: “Zwar besuchte sein Nachfolger [Benedikt XVI.] die Kölner Synagoge, doch die Weigerung des Nuntius' in Israel, 2005 an den Feierlichkeiten zum Gedenken an die von den Nazis ermordeten Juden in Yad Vashem teilzunehmen, war ein Schritt zurück.” An dieser Aussage ist nicht so schlimm, dass die Zeitangabe falsch ist - es war 2007 -, sondern dass Bleskin erstens verschweigt, dass der Nuntius nach seiner Absage doch noch teilnahm, und zweitens den Grund der anfänglichen Absage unterschlägt: Es war ein Protest gegen eine beleidigende Aussage in einer Bildunterschrift zu Papst Pius XII. Indem Bleskin dem Leser den Knackpunkt der Auseinandersetzung vorenthält, suggeriert er ihm den Verdacht, die Kirche halte das schlimme Schicksal der Juden zur Nazizeit für nicht mehr gedenkenswert. Diese Methode enthält Elemente von Demagogie.

Auf perfide Weise tritt er noch nach, indem er anfügt: “Den Terror von islamischen Fanatikern gegen Westeuropäer und US-Amerikaner verurteilt Benedikt. Die jüdischen Opfer vergisst er gelegentlich.” Hintergrund: Am 24. Juli 2005 sagte der Papst nach dem Angelus: “Auch diese Tage der Ruhe und Erholung waren überschattet von den tragischen Nachrichten über die schrecklichen Terroranschläge, die in mehreren Ländern, wie Ägypten, Türkei, Irak und Großbritannien, Tod, Zerstörung und Leid verursacht haben. Während wir die Verstorbenen, die Verletzten und ihre Angehörigen – Opfer von Taten, die Gott und den Menschen beleidigen – der Güte Gottes anempfehlen, bitten wir den Allmächtigen, der mörderischen Hand derer Einhalt zu gebieten, die, von Fanatismus und Haß getrieben, diese Taten begangen haben, und ihre Herzen zu Gedanken der Versöhnung und des Friedens zu bekehren.” Am Tag darauf protestierte die jüdische Regierung gegen die Nichterwähnung eines zwei Wochen zurückliegenden palästinensischen Selbstmordanschlags in Netanja. Die einmalige Verstimmung zwischen Israel und dem Vatikan wurde bald überwunden, aber Bleskin macht daraus frisch fröhlich eine Verallgemeinerung: Der Papst vergesse gelegentlich die jüdischen Opfer!

Schließlich darf auch die Regensburger Vorlesung des Papstes vom September 2006 nicht fehlen. Während die Tübinger Universität sie zur “Rede des Jahres” erkor, weil sie “jenseits tagespolitischer Meinungen und Rücksichten eine Antwort auf Frage nach dem richtigen Umgang mit religiösen Fundamentalismen formuliert”, die “gezielt missverstanden” worden sei, greift Bleskin genau dieses gezielte Missverständnis auf, um dem Papst daraus einen Strick zu drehen: “Die Aussagen des Papstes zum Islam in Regensburg mögen richtig sein oder nicht: Jesus war sich bewusst, dass seine Worte auch Politik sind.” Es bleibt das Geheimnis Bleskins, wo im Neuen Testament er die politischen Rücksichtnahmen Jesu ausmacht. Vor dem Hohenpriester bekannte Jesus jedenfalls, er habe stets frei und offen vor aller Welt geredet. Jesus wurde für seine Rede von einem Knecht geohrfeigt, Benedikt von Bleskin.

www.kath-info.de

Foto: (c) NTV


© 2007 www.kath.net