Anglikaner: Streit um Homosexualität geht weiter

28. September 2007 in Aktuelles


US-Bischofsklausur bringt nichts Neues – Gegen Einmischung von Konservativen


New Orleans (www.kath.net / idea) Im Streit um die Weihe homosexueller Geistlicher und die Segnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften haben die Bischöfe der anglikanischen Episkopalkirche in den USA teilweise eingelenkt, sich aber gleichzeitig die Einmischung theologisch konservativer Auslandskirchen verbeten.

Der Umgang mit Homosexualität hat die rund 70 Millionen Mitglieder zählende anglikanische Weltgemeinschaft an den Rand der Spaltung geführt. Im Mittelpunkt steht die Weihe des schwulen Bischofs der US-Diözese von New Hampshire, Gene Robinson (Concord), im Jahr 2003.

Dagegen und gegen die Ordination homosexueller Geistlicher sowie die Segnung von schwulen und lesbischen Partnerschaften laufen die wachsenden theologisch konservativen Kirchen auf der Südhalbkugel Sturm.

Sie berufen sich unter anderem auf einen Beschluss der letzten Weltkonferenz von 1998, wonach praktizierte Homosexualität unvereinbar mit der Bibel und den Kirchenlehren ist.

Die Leiter der 38 Kirchenprovinzen der Weltgemeinschaft stellten der US-Kirche bei einer Klausurtagung Mitte Februar im ostafrikanischen Tansania eine Frist: Bis zum 30. September müsse sie unmissverständlich dafür sorgen, dass nicht länger gleichgeschlechtliche Partnerschaften gesegnet oder praktizierende Homosexuelle zu Bischöfen geweiht werden.

Sonst drohe die Spaltung. Einzelne konservative Gemeinden in den USA haben sich bereits von der knapp 2,3 Millionen Mitglieder zählenden Episkopalkirche gelöst. Bis zu fünf Diözesen erwägen der New York Times zufolge diesen Schritt.

US-Bischöfe wollen „Zurückhaltung“ üben

Nach einer sechstägigen Klausurtagung in New Orleans, an der zeitweise auch das geistliche Oberhaupt der Anglikaner, Erzbischof Rowan Williams (London), teilnahm, verabschiedeten die US-Bischöfe am 25. September eine Resolution, in der sie sich bereit erklären, „Zurückhaltung“ zu üben.

Sie wollen vorerst keiner Weihe von Geistlichen zustimmen, „deren Lebensstil eine Herausforderung für die größere Kirche darstellt und zu weiteren Spannungen in der Gemeinschaft führt“. Man werde auch keine öffentlichen Segnungen gleichgeschlechtlicher Partner genehmigen, „bis ein breiterer Konsens in der Gemeinschaft zutage tritt oder die Generalsynode weitergehende Beschlüsse fasst“.

Mit Spannung erwartet wird in diesem Zusammenhang die Wahl des neuen Oberhaupts der Diözese Chicago am 11. November. Unter den acht Bewerbern um die Nachfolge von Bischof William Persell, der in den Ruhestand tritt, ist Pfarrerin Tracey Lind (Cleveland/Bundesstaat Ohio), die sich zu ihrem Zusammenleben mit ihrer Partnerin Emily Ingalls bekennt.

Konservative enttäuscht

Die Vorsitzende Bischöfin der Episkopalkirche, Katharine Jefferts Schori (Washington), sagte nach der Klausur, nicht alle Bischöfe seien hundertprozentig zufrieden mit den Beschlüssen. Man habe aber zum Ausdruck gebracht, dass man Vollmitglied der anglikanischen Weltgemeinschaft bleiben wolle.

Mit Nachdruck sprachen sich die Bischöfe gegen das Eindringen fremder Bischöfe in die Episkopalkirche aus. Dies müsse ein Ende haben, hieß es im Blick auf die konservativen Missionsgemeinden in den USA. Außerdem könne es keine Abstriche am Einsatz für die Gleichberechtigung und Würde von Schwulen und Lesben geben.

Der von der nigerianischen Kirche eingesetzte Bischof der konservativen „Konvokation der Anglikaner in Nordamerika“, Martyn Minns (Woodbridge/Bundesstaat Virginia), zeigte sich enttäuscht: In den Beschlüssen sei nichts Neues zu erkennen; man wolle wohl so weitermachen wie bisher.


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