Wegen Homosexualität: Anglikaner vor der Spaltung

26. Juni 2008 in Aktuelles


Konservative Bischöfe erwägen Boykott der Weltbischofskonferenz Mitte Juli.


Jerusalem (www.kath.net/idea)
In der anglikanischen Kirche haben sich die Fronten zwischen liberalen und konservativen Bischöfen verhärtet. Wichtigster Streitpunkt ist der Umgang mit Homosexualität. Obwohl die letzte Weltbischofskonferenz 1998 festgestellt hatte, dass praktizierte Homosexualität mit der Bibel und der Kirchenlehre unvereinbar sei, weihte die anglikanische Episkopalkirche in den USA im Jahr 2003 den in einer schwulen Partnerschaft lebenden Geistlichen Gene Robinson zum Bischof.

Die kanadischen Anglikaner beschlossen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen. Bei der nächsten Weltbischofskonferenz, der so genannten Lambeth-Konferenz Mitte Juli im südenglischen Canterbury, droht eine endgültige Spaltung der weltweit rund 70 Millionen Anglikaner. Ob sie vermieden werden kann, ist fraglich, wie der Beginn der Globalen Anglikanischen Zukunftskonferenz (GAFCON) vom 22. bis 29. Juni in Jerusalem deutlich gemacht hat.

Bei dieser Konferenz bereiten sich etwa 1.000 theologisch konservative Anglikaner vor allem aus Afrika und Asien auf die Lambeth-Konferenz vor, darunter rund 300 Bischöfe.

Medienberichten zufolge haben mehrere Kirchenführer erklärt, dass sie einen Boykott der Weltbischofskonferenz erwägen. Sie wollten nicht mit Bischöfen aus dem Westen diskutieren, die sich über gemeinsame Beschlüsse hinwegsetzten und die Bibel uminterpretierten. Zugleich wehrten sie sich gegen den Vorwurf, die anglikanische Gemeinschaft zu zerstören. Dies sei bereits mit den Entscheidungen in den USA und in Kanada geschehen, sagte der australische Erzbischof Peter Jensen (Sydney).

Oberhaupt der Anglikaner soll hart durchgreifen

Vom Geistlichen Oberhaupt aller Anglikaner, dem Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams (London), erwarten die GAFCON-Teilnehmer ein hartes Durchgreifen. Die Konservativen hätten lange genug stillgehalten; inzwischen hätten sie die Geduld verloren, meinte der ugandische Erzbischof Henry Orombi (Kampala). In dem Buch „Der Weg, die Wahrheit und das Leben“, das die Grundlage für die GAFCON-Tagung bildet, heißt es, die von allen erhoffte Wiederherstellung der Kircheneinheit sei nicht möglich auf Kosten einer Uminterpretation der Bibel und ihrer Anpassung an wechselnde Zeitströmungen.


© 2008 www.kath.net