Wenn im Namen des Christentums Sünde gerechtfertigt werden soll

22. Juli 2008 in Chronik


Konservative Anglikaner lehnen von Erzbischof Williams vorgelegten Grundkonsens ab und üben heftige Kritik: Erzbischof von Canterbury vernachlässigt die Lehre der Heiligen Schrift


Oxford (kath.net)
Traditionstreue anglikanische Bischöfe haben dem Projekt eines innerkirchlichen Grundlagenvertrages auf dem kleinsten Nenner eine Absage erteilt wie die Nachrichtenagentur APD in Basel berichtet. Erzbischöfe wichtiger Kirchenprovinzen betonten in einer in Oxford veröffentlichten Erklärung vom 18. Juli, der Versuch des Erzbischofs von Canterbury, Rowan Williams, zur Versöhnung der Anglikanischen Kirchengemeinschaft weise schwerwiegende Mängel auf. Der vom Ehrenprimas vorgelegte Entwurf eines "Anglican Covenant", einer Art gemeinsamer Glaubensbasis, konzentriere sich zu sehr auf die Kirche als Institution und vernachlässige die Lehren der Heiligen Schrift.

Die mehrheitlich aus Afrika und Südasien stammenden Unterzeichner sprechen im Namen der Teilnehmer der Globalen Anglikanischen Zukunfts-Konferenz (GAFCON), die im Juni in Jerusalem tagte. Sie kritisieren vor allem die "Autonomie", die Erzbischof Williams einzelnen Kirchenprovinzen wie der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika oder der Anglikanischen Kirche von Kanada zugestehe. Diese Kirchen stünden im Bereich der Sexualmoral im Widerspruch zur Heiligen Schrift. Der jetzige dramatische Streit innerhalb der Anglikanischen Kirchengemeinschaft hatte sich 2003 an der Ernennung des bekennenden Homosexuellen Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire (USA) mit neuer Heftigkeit entfacht.

Die konservativen Bischöfe, die an der GAFCON-Konferenz teilnahmen, attackieren ausserdem eine "kolonialistische" Rolle von Williams innerhalb der anglikanischen Kirche. Als Erzbischof von Canterbury habe er einerseits zuviel Einfluss auf die "Wegweisung" der Kirche, andererseits aber keine "formale Rechenschaftspflicht". Die GAFCON-Bischöfe nehmen für sich nicht in Anspruch, ohne Sünde zu sein oder eine ausschliesslich gültige Interpretation Bibel und Tradition zu besitzen. Sie sehen aber ihr Bemühen um Bibel und Tradition von jenen unterminiert, die "im Namen des Christentums Sünde rechtfertigen".

Williams hatte das Projekt eines "Anglican Covenant" bei einem Krisengipfel im tansanischen Dar-es-Salam im Februar 2007 in die Diskussion gebracht. Ein solcher Grundkonsens von Glaubensüberzeugungen soll die unverbrüchlichen Bestandteile der anglikanischen Lehre in einem verbindlichen theologischen und rechtlichen Rahmen festschreiben, um künftig "schismatische Handlungen" zu verhindern, wie es damals hiess.

Die Anglikanische Kirchengemeinschaft zählt laut eigenen Angaben weltweit etwa 80 Millionen Christen in 160 Ländern, davon etwa 42 Millionen im Vereinigten Königreich - grösstenteils in England (Church of England), da die selbständigen anglikanischen Landeskirchen in Schottland und Wales weder Staatskirchen sind, noch die Mehrheit der Bevölkerung zu ihren Mitgliedern zählt. Sie ist besonders in englischsprachigen Gebieten und in Gebieten des Commonwealth of Nations vertreten.


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