Paul Zulehner wird zum (Schönborn)Ablehner

21. November 2008 in Österreich


Der emeritierte Wiener Pastoraltheologe ist sauer über die klaren Worte von Kardinal Schönborn zur umstrittenen Mariatroster Erklärung der Bischöfe und verteidigt die damalige König-Linie vehement


Wien (www.kath.net)
Der emeritierte Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner hat die "Jerusalemer-Predigt" von Kardinal Christoph Schönborn, die diese Woche auf KATH.NET veröffentlicht wurde , kritisiert und meint gegenüber der Tageszeitung "Die Presse", dass "manche Leute" das als "eine Desavouierung Kardinal Königs" sehen könnten. Schönborns Eingeständnis, dass die Bischöfe nicht den Mut gehabt haben, ein klares "Ja" zu Humanae vitae zu sagen, sorgt in Österreich seit Tagen für innerkirchliche Diskussionen.

Der Wiener Kardinal hat bei der Predigt unter anderem wörtlich gesagt: "Es gibt in meinem Herzen folgendes zu sagen: gerade dies ist der Ort, wo Jesus uns gesagt hat, dass wir die Vergebung unserer Sünden empfangen, denn ich denke, dass dies auch eine Sünde von uns Bischöfen ist, auch wenn niemand von uns im Jahre 1968 Bischof war. Heute haben in Deutschland bei Hundert Eltern 64 Kinder und 44 Enkelkinder: das bedeutet, dass in einer Generation die deutsche Bevölkerung - ohne Einwanderung - sich halbiert. Wir haben "Nein" gesagt zu Humanae Vitae. Wir waren nicht Bischöfe, aber es waren unsere Mitbrüder. Wir haben nicht den Mut gehabt, ein klares "Ja" zu Humanae Vitae zu sagen."

Pastoraltheologe Zulehner verteidigte gegenüber der Wiener Tageszeitung die umstrittene Mariatroster-Erklärung der damaligen Bischofskonferenz als Antwort auf "Humanae vitae" und meint wörtlich: "Die Bischöfe haben damals ja nicht fahrlässig gehandelt. Die pastorale Linie kann nur sein: Wir verteufeln nicht Leute, die einen Kompromiss mit der Realität schließen. Die Lebbarkeit eines Ideals muss immer mitbedacht werden. Wir brauchen eine Ethik des dynamischen Kompromisses und nicht die Idealisierung dessen, was wünschenswert wäre. Das Leben ist immer ein Kompromiss.“ Zulehner meint auch, dass der Episkopat nicht "das Sprachrohr Roms" sei. Man müsse versuchen, die "Lebenspraxis der Gläubigen zu berücksichtigen".

Paul Michael Zulehner emeritierte mit 30. September 2008 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Wien. Kardinal Schönborn hat dem Pastoraltheologen am 16. Oktober beim "Dies facultatis"
der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät laut einem Bericht der "kathpress" seinen besonderen Dank für dessen "ungebrochene Loyalität" zur Kirche ausgesprochen.

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