
24. November 2008 in Österreich
Ein KATH.NET-Kommentar von Bischof Andreas Laun zur Predigt von Kardinal Schönborn über Humanae vitae und zu den Aussagen von Paul Zulehner
Salzburg (kath.net)
Kardinal Schönborn hat sich in einer Predigt, gehalten im Abendmahlsaal zu Jerusalem, hinter die Enzyklika Humanae vitae gestellt und damit Menschen rund um den Erdball überrascht!
Dass man dafür Mut braucht, sollten sogar die Gegner anerkennen, denn es gibt kaum ein anderes Thema, mit dem man sich so unbeliebt machen kann, wie mit diesem! Mut vielleicht, werden die Kritiker sagen, aber Mut am falschen Platz, denn der Kardinal irrt sich genauso wie die Päpste auch, vor allem jene seit Paul VI.
Es ist schwer, ja gefährlich, über die Enzyklika Humanae vitae, also über Empfängnisverhütung zu sprechen. Denn seit langem herrscht ein Denk- und Redeverbot, es gilt als kirchenpolitisch unkorrekt, auch nur mit ein kleines Zeichen von Wohlwollen für Humanae vitae zu zeigen, geschweige denn, die Enzyklika zu verteidigen!
Am besten, man schweigt über diesen peinlichen Ausrutscher des damaligen Papstes. Oder doch nicht? Wie wäre es mit Toleranz wenigstens in Form eines fairen Dialoges? Warum nicht die Argumente prüfen, neu auf die Waagschale des kritischen Denkens legen und sehen, ob die alte Ablehnung eigentlich berechtigt ist? Denn eines lässt sich kaum bestreiten: Gerade prominente Kritiker Kardinal Schönborns wie Paul Zulehner argumentieren in einer merkwürdigen Art und Weise.
Denn der Genannte empfiehlt den Leuten eine Ethik des dynamischen Kompromisses statt der Idealisierung dessen, was wünschenswert wäre. Und überhaupt, meint Zulehner, Leben ist immer ein Kompromiss und man müsse doch die Lebenspraxis der Gläubigen berücksichtigen.
Eine merkwürdige Lehre! Denn worin besteht diese undefinierte Ethik des Kompromisses, was hätte sie z.B. für einen F. Jägerstätter bedeutet? Ich nehme an, er hätte überlebt. Ich wüsste auch eine Reihe von Beispielen für die Lebenspraxis der Gläubigen, die es zu verändern galt und die eben nicht normativ bleiben durfte: das Töten von behinderten Kindern, das Halten von Sklaven, die Unterdrückung der Frauen!
Zulehner fordert, die Lebbarkeit eines Ideals zu bedenken. Schön, dass er Humanae vitae immerhin für ein Ideal zu halten scheint, aber davon abgesehen: Was hätte er Herodes geantwortet, wenn dieser gesagt hätte, es sei für ihn nicht lebbar, auf die Frau seines Bruders zu verzichten? Zulehner hat vor allem eines nicht verstanden: Bei der Frage der Verhütung geht es um die Struktur der menschlichen Geschlechtlichkeit, es geht darum, wie die biblisch verheißene Einheit von Mann und Fau wirklich gelingen kann. Das heißt, es geht um das Gesetz der leib-seelischen Liebe von Mann und Frau. Wer Kompromisse macht, kommt in Konflikt mit der Liebe selbst und verhindert jene volle Einheit, die Gott gesegnet hat und die ein Akt der Heiligkeit sein könnte.
Seinsgesetze kann keine Ideologie ändern: Wer im Widerspruch zu seiner Gesundheit lebt, wird auch dann krank, wenn er den gesunden Lebensstil für nicht lebbar hält und einen Kompromiss macht zwischen seinen Wünschen und der Vernunft. Ein letzter Punkt: Zulehner meint, die Bischöfe seien kein Sprachrohr Roms! Da hat er Recht, Sprachrohr sind sie nicht, zum Übermitteln von Information haben wir das Internet, wir brauchen im 21. Jahrhundert keine Sprachrohre mehr. Aber was wir brauchen, sind ebenso gehorsame wie mutige Zeugen des Glaubens und der gesunden Lehre, in Einheit mit dem Nachfolger des hl. Petrus.
Das wollen die Bischöfe sein und das sind sie auch, wenn sie sich hinter die Lehre des Papstes stellen. Die Zeichen der Zeit fordern heute, die Lehre von Humanae vitae neu zu bedenken. Blinder Gehorsam? Nein, aber möglicherweise Gehorsam, der noch nicht ganz klar sieht und der den Argumenten ein Stück weit vorausgeht, ja, also Gehorsam des Glaubens auf dem Weg zur Einsicht. Zu solchem Hören auf die Stimme der Kirche hat der Kardinal eingeladen, auch wenn dieses Hören er bei vielen noch ein die Einsicht suchender Gehorsam ist. Es ist keine Beleidigung des Menschen ihm zu sagen, dass er Suchender ist und die Suche nicht aufgeben sollte.
Foto: (c) Uni Wien
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