
6. Dezember 2008 in Chronik
Streitpunkt Homosexualität: "Abtrünnige" suchen Unterstützung aus Afrika
Wheaton (kath.net/idea) Theologisch konservative Anglikaner in den USA und Kanada haben damit begonnen, eine eigene Kirche zu gründen. In einer Pressekonferenz am 3. Dezember in Wheaton bei Chicago stellten sie eine vorläufige Kirchenverfassung vor. Primas der zunächst rund 100.000 Mitglieder zählenden Kirche soll der Bischof von Pittsburgh, Robert Duncan, werden. Die neue Anglikanische Kirche in Nordamerika möchte Teil der Weltkirchengemeinschaft bleiben. Um als Kirchenprovinz anerkannt zu werden, braucht sie die Zustimmung von zwei Dritteln der geistlichen Leiter der weltweit 38 Kirchenprovinzen mit zusammen über 70 Millionen Mitgliedern.
Die konservativen Amerikaner hoffen auf Unterstützung von Kirchenleitern aus der Dritten Welt, die vor allem wegen der liberalen Haltung der nordamerikanischen Kirchen zur Homosexualität mit einer Spaltung drohen. In eine Zerreißprobe war die Weltgemeinschaft geraten, als die US-Episkopalkirche im Jahr 2003 den in einer schwulen Partnerschaft lebenden Geistlichen Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire weihte.
Eine kanadische Diözese genehmigte zudem die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Rund 1.000 konservative Geistliche setzten im vergangenen Juni in Jerusalem einen Bischofsrat als Gegenstück zur später tagenden Weltbischofskonferenz ein. 1998 hatten die alle zehn Jahre zusammentretenden Kirchenleiter festgestellt, dass praktizierte Homosexualität gegen die Bibel und die Kirchenlehre verstoße.
Der konservativen Kirche in Nordamerika gehören zunächst rund 700 Gemeinden an, die die bestehenden Kirchen in den USA und Kanada verlassen und sich unter die Aufsicht theologisch konservativer Bischöfe aus Afrika und Lateinamerika gestellt haben.
Dazu gehören die Diözesen von Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania), Fort Worth (Texas), Quincy (Illinois) und San Joaquin (Kalifornien). Die US-Episkopalkirche hat insgesamt 110 Diözesen mit 2,1 Millionen Mitgliedern. Wie die Zeitung Los Angeles Times berichtet, ist bei einer Abspaltung damit zu rechnen, dass die konservative Kirche weiteren Zulauf erhält.
Ferner werde es zu Rechtsstreitigkeiten kommen, wenn die Abtrünnigen ihre Immobilien behalten wollten. Kanonikus Charles Robertson, Sprecher der Vorsitzenden Bischöfin der US-Episkopalkirche, Katharine Jefferts Schori, erklärte, man bedauere den Schritt der Konservativen. Innerhalb der Episkopalkirche gebe es Raum für unterschiedliche Auffassungen.
Die US-Episkopalkirche sowie die anglikanischen Kirchen Kanadas und Mexikos blieben die offizielle, anerkannte Repräsentanz der anglikanischen Kirchengemeinschaft in Nordamerika.
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