‚Das Christentum ohne die Kirche versandet’

23. Dezember 2008 in Schweiz


"Es kommt nichts Besseres", warnt Abt Marian Eleganti vom Schweizer Kloster St. Otmarsberg vor der inneren Aushöhlung der christlichen Kultur.


Zürich (kath.net) „Ich sehe in der Abkehr von der Kirche einen grossen Schaden für unsere Gesellschaft. Warum? Weil das Christentum ohne die Kirche versandet. Wir verlieren also das Fundament, auf dem wir stehen. Das zeichnet sich bereits ab.“ Das sagte Abt Marian Eleganti vom Kloster St. Otmarsberg in der Schweiz in der Zeitung Obersee Nachrichten.

Dass laut Umfrage nur 14 Prozent der Schweizer ihre „Spiritualität“ mit der Kirche verbinden, sei eine „Täuschung“, die zur „Enttäuschung“ führe. Zwar wirke Gott in jedem Leben, doch identifiziert er sich mit der Kirche und teilt sich gerade durch sie mit.

„Spirituell sein heisst für mich, durch alle alltäglichen und vordergründigen Dinge hindurch sehen, durchbrechen und darin Gott erwählen. Wir sollten nicht wie Flaschengeister in der Flasche in der puren Diesseitigkeit eingeschlossen sein,“ sagte der Abt.

In Bezug auf den Bau von Moscheen empfiehlt er religiösen Minderheiten, „bescheiden aufzutreten“. Die Moschee in Köln müsse nicht grösser und höher sein als das christliche Wahrzeichen der Stadt, erklärte Eleganti gegenüber kath.net. Christen wiederum sollten sich auf ihre Taufe besinnen. „Wenn die vom Christentum geschaffene Kultur wie ein von Termiten ausgehöhltes Haus schliesslich einstürzt, wird das Erwachen böse sein. Ich für meinen Teil bin überzeugt: Es kommt nichts Besseres.“

Dass die Kirche an ihrem Reichtum, etwa Kathedralen, festhalte, anstatt dieses Geld den Armen zu geben, sei ein „falscher Zusammenhang“: „Die Armen wären ohne sakrale Räume noch ärmer, denn sie entsprechen dem Bedürfnis jeder menschlichen Seele. Die Kirchen und ihre sakrale Kunst gehören allen, ob arm oder reich.“ Gerade die Kirche helfe Bedürftigen weltweit sehr aktiv.

Das Recht auf Vergebung hat auch der größte Verbrecher, doch sollte auch ehrliche Reue im Spiel sein. „Schwamm drüber“ wäre ein „Unrecht gegenüber den Opfern“. Doch Gottes Barmherzigkeit gilt bis zur letzten Minute.

Weihnachten werde er mit Liturgie und den Gebeten, in der „friedlichen Atmosphäre der Gemeinschaft“ feiern. „Ich wünsche allen, dass sie Christus erkennen, der Gott ist und für uns Mensch wurde. Wer daran zweifelt, kann immer noch beten: Wenn Du es bist, lieber Gott, erleuchte mich!“

Das Interview im Wortlaut

Foto: © www.abtei-uznach.ch


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