
15. Juli 2009 in Chronik
Neuer Beschluss der US-Episkopalkirche: Priester-Ordination steht bekennenden Homosexuellen offen
Anaheim (kath.net/idea) Eine Spaltung der anglikanischen Weltgemeinschaft wegen des Umgangs mit Homosexualität scheint unausweichlich. Die Bischöfe der US-Episkopalkirche, wie die anglikanische Kirche in den USA heißt, haben eine Resolution der Laien und der Geistlichkeit angenommen, die Schwulen und Lesben in einer dauerhaften Lebensgemeinschaft den uneingeschränkten Zugang zur Priesterschaft ermöglicht. Die US-Episkopalkirche riskiert damit, von der anglikanischen Weltgemeinschaft ausgeschlossen zu werden.
Mit diesem Beschluss der Episkopalkirche wurde jetzt auf der alle drei Jahre stattfindenden Generalversammlung in Anaheim (Bundesstaat Kalifornien) ein Moratorium in dieser Frage beendet, zu dem sich die 2,1 Millionen Mitglieder zählende Kirche vor drei Jahren durchgerungen hatte. Sie sollte nach dem Wunsch internationaler Kirchenleiter Zurückhaltung bei der Ordination von Homosexuellen üben.
Konservative bilden eigene Kirchen
Im Jahr 2003 hatte die Episkopalkirche den in einer schwulen Partnerschaft lebenden Geistlichen Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire geweiht und damit ein Zerwürfnis in der anglikanischen Weltgemeinschaft ausgelöst. Vor allem die wachsenden theologisch konservativen Kirchen in der Dritten Welt nahmen Anstoß, weil sie die Ordination und Bischofsweihe von praktizierenden Homosexuellen als unvereinbar mit der Bibel und der Kirchenlehre betrachten. 230 theologisch konservative Bischöfe boykottierten deshalb im vorigen Jahr die Weltbischofskonferenz.
Im Juni wurde die Anglikanische Kirche in Nordamerika als konservatives Gegenstück zur US-Episkopalkirche gegründet Sie vertritt rund 700 Gemeinden mit etwa 100.000 Mitgliedern und strebt die Aufnahme in die Weltgemeinschaft an. Fünf Bischöfe der Kirche von England wollen dort ebenfalls eine konservative Anglikanische Gemeinschaft ins Leben rufen. Die Kirche von England umfasst rund 25 Millionen Mitglieder.
Die anglikanische Weltgemeinschaft besteht aus 38 selbständigen Kirchenprovinzen mit rund 70 Millionen Mitgliedern. Als geistliches Oberhaupt fungiert der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams. Er hatte auf der jüngsten Generalversammlung der US-Episkopalkirche vergeblich gemahnt, die Kircheneinheit nicht aufs Spiel zu setzen. Williams bedauerte jetzt die Entscheidung, bekennende Homosexuelle zur Ordination zuzulassen.
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