
28. Oktober 2009 in Aktuelles
Vatikan weist Kritik von Hans Küng zurück - Dieser verurteilte das Angebot von Rom an die Anglikaner und sprach von "unökumenischer Piraterie"
Vatikanstadt (kath.net/KNA/red) Der Weltethiker Hans Küng hat das Angebot des Vatikan an übertrittswillige Anglikaner als «Tragödie» und «unökumenische Piraterie» bezeichnet. «Dieser Papst fischt in rechten Gewässern», schreibt Küng in einem Beitrag der italienischen Tageszeitung 'La Repubblica' (Mittwoch). Der Vatikan wies die Kritik zurück. Mit Bitterkeit und ohne Fundament kritisiere Küng das historische Einigungsbemühen des Papstes, schreibt der 'Osservatore Romano'(Donnerstagsausgabe).
Der Vatikan hatte zu Wochenbeginn in Aussicht gestellt, Anglikanern den Übertritt zum Katholizismus zu erleichtern. Benedikt XVI. werde demnächst spezielle Strukturen für anglikanische Priester und Gläubige einrichten, die ihre Liturgie und ihr geistiges Erbe beibehalten und zugleich in volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche eintreten wollten.
Küng, dem 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen wurde, sprach von einem drastischen Kurswechsel in der Ökumene. Der Vatikan entferne sich damit von der fundierten ökumenischen Strategie des direkten Dialogs und einer echten Versöhnung. «Er geht hin zu einer unökumenischen Piraterie unter Priestern, denen sogar die mittelalterliche Pflicht des Zölibats erspart wird, nur um ihnen eine Rückkehr nach Rom unter dem päpstlichen Primat möglich zu machen».
Nach früheren ökumenischen Fortschritten mache Benedikt XVI. der anglikanischen Gemeinschaft keine Zugeständnisse, so der Tübinger Theologe weiter, sondern setze immer mehr auf einen
mittelalterlichen römischen Zentralismus. Der alte Aufruf zur Rückkehr nach Rom durch Konversion erlebe einen neuen Höhepunkt.
Der Vatikan wies die Vorwürfe als verzerrend und realitätsfern zurück. «Es lohnt nicht, die Fehler und die Ungenauigkeiten dieses jüngsten Textes von Küng hervorzuheben», heißt es in dem Kommentar von «Osservatore»-Chefredakteur Giovanni Maria Vian. Er ignoriere absichtlich Fakten; der Ton grenze mitunter an Komik und gereiche der Lebensgeschichte Küngs erneut nicht zur Ehre. Schließlich verhöhne er auch den anglikanischen Primas Rowan Williams, der eine Erklärung zu dem Vorgang abgegeben hatte. Küng wirft dem Anglikaner vor, die listige vatikanische Diplomatie offenbar nicht durchschaut zu haben.
Zur Beschreibung der Situation der katholischen Kirche unter Benedikt XVI. verwende Küng den Begriff «Tragödie», schreibt Vian weiter. Um den Artikel des Theologen zu bewerten, brauche man nicht zu derart überzogenen Worten zu greifen - «auch wenn viel Bitterkeit angesichts dieses erneuten grundlosen Angriffs gegen die Kirche von Rom und ihr unbestreitbares ökumenisches Engagement bleibt».
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