Lourdes - der Film

2. November 2009 in Chronik


Bejubelte Lourdes-Premiere bei der Viennale in Wien. Ein Film der nachdenklich stimmt und uns zum Wesentlichen führt - Von Christof T. Zeller-Zellenberg


Wien (kath.net)
Am Tag vor Allerheiligen fand die diesjährige Viennale ihren heimlichen Höhepunkt. Jessica Hausner lud zur Österreich-Premiere ihres neuesten Films "Lourdes".

Der Film ist keine Hymne auf den wohl berühmtesten Wallfahrtsort Europas, er ist kein Jubelgesang auf die Wundergläubigkeit der Katholiken, er will nicht begeistern oder aufrütteln. Lourdes wahrt kritische Distanz und genau das gibt diesem Film seine Größe.

Eine Pilgerreise des Malteser-Ordens befindet sich, wie alljährlich, an jenem Ort, an dem der heiligen Bernadette Soubirous 1858 die Muttergottes erschienen ist. Seither pilgern jedes Jahr Millionen Menschen dorthin um zu beten, in das Geheimnis von Lourdes einzutauchen und viele mit der Hoffnung, durch ein Wunder Gottes, von ihren Krankheiten, Gebrechen, Sorgen und Nöten befreit zu werden. Und tatsächlich wurden seitdem viele Menschen, auf medizinisch unerklärbare Weise, geheilt.

Hausner faßt den Geist dieses Ortes zusammen: Für mich ist das katholische Lourdes die Bühne, auf der das Drama der Sehnsucht nach Glück und erfülltem Leben im Gegensatz zur Halbheit, Willkür und Absichtslosigkeit jeglichen Geschehens spielt.

Ein junges, an Multiple-Sklerose erkranktes und vollkommen gelähmtes Mädchen, Christine, ist als Betreute bei dieser Reise der Malteser dabei. Erhofft sie sich wirklich Heilung, oder sucht sie nur Ablenkung von ihrem eintönigen und einsamen Leben daheim? Aber es geschieht dennoch. Sie erhebt sich plötzlich aus dem Rollstuhl - ein Wunder? Die Ärzte können es sich nicht erklären. Aber diese Krankheit ist heimtückisch. Es kann auch nur ein kurzes Zwischenhoch sein. Wird die Genesung bestehen bleiben? Christine lächelt schüchtern und lebt das Glück des Augenblicks.

Andere Mitreisende wären auch sehr gerne geheilt worden aber ihr Zustand verändert sich nicht. Würfelt Gott also doch? Warum sie und warum nicht ich? So viele nur allzu menschliche Zwischentöne mischen sich in die langen, stillen Bilder. Die Atmosphäre ist grau und kalt. Lourdes ist oft grau und kalt. Gesunde Menschen sind krank und Kranke sind gesund. Die Wärme entsteht in unseren Herzen, genährt von der Hoffnung, daß Gott existiert und Er immer bei uns ist, auch wenn er nicht immer nach unseren Wünschen agiert. Gott schreibt auch auf krummen Zeilen gerade.

Der junge Malteser Priester, der den Zug begleitet, spricht nicht viel aber wenn er spricht, dann ist jeder seiner zarten, bescheidenen Sätze, eine Erfüllung - Glaubst Du wirklich, daß ein anderer Mensch glücklich ist, nur weil er gehen kann? - Gott will zuerst die Heilung unserer Seele.

Die Malteser sind auch nur Menschen. Sie versuchen Leid zu lindern und oft können sie es nur für wenige Augenblicke, wenn überhaupt. Sie haben ihre Schwächen und Fehler und Hausner sieht nur zu genau hin. Aber gerade das macht die Schönheit dieses Films aus. Er ist keine Ode auf was auch immer. Er regt zum Nachdenken an. Er stellt zarte Fragen - an jeden seine eigene Frage. Er führt nach innen, weil er sich selber nicht in den Vordergrund stellt. Der Betrachter wird still und dankbar... und ich durfte beten - Herr, berühre durch Lourdes viele Menschen und heile sie. Zeige ihnen, daß sie nicht alleine sind, weil Du sie liebst und immer für sie da bist.

Danke Jessica Hausner! Danke für diesen Film!


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