Kein Wunder

6. November 2009 in Österreich


Straßburger Urteil über Kreuz reflektiert jenes Europa, dessen christliche Wurzeln vielfach nur noch rhetorischer Aufputz von Sonntagsreden sind - Kommentar von Manfred Maurer / Neues Volksblatt


Linz (kath.net/Volksblatt.at)
Jetzt ist die Aufregung wieder einmal groß. Der Versuch des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofes, christliche Kreuze aus italienischen Klassenzimmern zu verbannen, sorgt weithin in Europa für Empörung. Bei aller Verwunderung darüber, wie ein Kreuz als Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtscharta interpretiert werden kann: Dass es soweit kam, ist keineswegs verwunderlich.

Schließlich reflektiert dieses Urteil jenes Europa, dessen christliche Wurzeln vielfach nur noch rhetorischer Aufputz von Sonntagsreden sind oder gerade noch als kulturhistorische Quellenangabe gelten dürfen. Als normative Kraft aber ist das Christentum abgemeldet - zum Teil selbstverschuldet durch ungeeignete Kirchenvertreter, vor allem aber verschuldet durch eine von der politischen Linken betriebenen Ent-Wertung des Lebens im Allgemeinen wie im Besonderen. Liberale Abtreibungsgesetze sind Standard in Europa, Euthansiegesetze werden es. In einem Land wie Österreich, wo der Bürgermeister der Bundeshauptstadt die 30-Jahr-Feier einer Abtreibungsklinik mit einem Festakt im Rathaus feiern will, braucht es nicht zu verwundern, wenn das Kreuz an Symbolgehalt verliert. Von da ist es nur ein kleiner Schritt zum Versuch, es konsequenter Weise gleich ganz zu entfernen.


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