Mixa: 'Das Kreuz ist ein Zeichen der Menschlichkeit'

31. Dezember 2009 in Deutschland


Der Augsburger Bischof sprach im "Welt"-Interview über Islam, Kruzifix-Debatte und Pius-Bruderschaft.


Augsburg (www.kath.net) Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat das Kreuz als Zeichen der Menschlichkeit in einer multikulturellen Gesellschaft verteidigt. „Das Kreuz enthält keine Drohbotschaft, sondern ist ein Zeichen der Liebe und des Friedens, wichtig für eine positive Lebensgestaltung“, sagte der Bischof im Interview mit der „Welt“.

„Das dürfen wir uns nicht nehmen lassen! Denken wir auch daran: Fünf der sieben Richter, die dieses Skandalurteil (Straßburger Anti-Kruzifix-Urteil, Anm. d. Red.) gefällt haben, haben einen kommunistischen Hintergrund!“ Das Straßburer Urteil müsse überprüft werden, betonte Mixa. Die Kirche müsse dagegen initiativ werden.

Wichtig sei, „eine Diskussion zu initiieren und mit aller Deutlichkeit auszusprechen, dass das Kreuz ein Zeichen der Menschlichkeit ist. Eine solche Klärung herbeizuführen gehört zum Mut der Christen, wie ich ihn fordere - gerade im Hinblick auf eine multikultureller werdende Gesellschaft.“ Die Kirche müsse „ihr Menschenbild und ihre Soziallehre als Alternativprogramm in die Gesellschaft einbringen“.

Kein Problem mit Minaretten, aber...

Für den Augsburger Bischof ist es „kein Problem, wenn eine Moschee mit Minaretten gebaut wird“. Jedoch: „Ich erhebe gleichzeitig aber im multireligiösen Gespräch den Anspruch, dass in mehrheitlich muslimischen Ländern den Christen die Möglichkeit eröffnet wird, dort zumindest ein Gebetshaus zu bauen. Christen müssen die gleichen Freiheiten genießen wie bei uns die Muslime. Aus diesem Grund würde ich niemals einen Kampf gegen Minarette führen. Er wäre nicht zielführend, und würde nur Verhärtungen bewirken, innerhalb der Fronten.“

Auf die Frage, ob der Islam Religion oder Ideologie sei, sagte Mixa: „Die Trennung zwischen Religion, Ideologie und Staat muss im Islam neu bedacht werden. Hierzu gibt es gute Ansätze. Ich erinnere an die Begegnung von Papst Johannes Paul II. mit der obersten Autorität der Universität von Kairo und an den Besuch von Benedikt XVI. in Jordanien. Christen und Muslime müssen gemeinsam deutlich machen, dass nie und nimmer ein Krieg im Namen Gottes geführt werden kann, egal welche Vorstellung von Gott einer Religion innewohnt.“

Ja zu priesterlicher Kleidung

Auf die Frage zum oft negativen Image des Priesters heute meinte Mixa: „Ich war überrascht, als mir ein Industrieller gesagt hat, er bedauere es, dass Priester oft nicht mehr an ihrer Kleidung zu erkennen sind. Er hat recht. Hier geht es nicht um eine Marotte von anno dazumal. Ich bin überzeugt, dass gerade in einer multikulturellen Umwelt das kleine Zeichen der priesterlichen Kleidung ausdrückt: Wir sind für euch da!“

„Traditionalisten müssen Farbe bekennen“

Zum Thema „Pius-Brüder“ erklärte er: „Papst Benedikt XVI. nimmt Verbindung auf mit den Orthodoxen, mit den Altorientalen, mit den Anglikanern, er hat gute Gesprächsbeziehungen mit dem Islam und dem Judentum. Der Papst wollte auch den Traditionalisten sagen: Ihr sollt nicht außerhalb der Kirche bleiben, sondern euch besinnen, ob es nicht zu einer größeren Einheit kommt. Die Traditionalisten müssen jetzt Farbe bekennen!“

Eine „entscheidende Frage“ an die Traditionalisten sei jene der Religionsfreiheit. „Christen dürfen die Religionsfreiheit nicht in Frage stellen, sie sind von Anfang an auf sie angewiesen. Selbst nichtkirchliche Beobachter geben zu, dass wir es heute global mit der größten Christenverfolgung zu tun haben. Weil Religionsfreiheit als Grundrecht in vielen Ländern nicht anerkannt wird.“


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