Historiker: Hitlergegner empfahlen Pius XII. zu schweigen

8. Februar 2010 in Chronik


Italienischer Historiker Roberto Pertici: Vertreter des deutschen Widerstands gegen Adolf Hitler haben Papst Pius XII. (1939-58) empfohlen, den Diktator und die Nationalsozialisten in der Öffentlichkeit nicht unmittelbar zu verurteilen


Vatikanstadt (kath.net/KNA) Vertreter des deutschen Widerstands gegen Adolf Hitler haben Papst Pius XII. (1939-58) empfohlen, den Diktator und die Nationalsozialisten in der Öffentlichkeit nicht unmittelbar zu verurteilen. Die damalige Opposition in Deutschland habe befürchtet, schreibt der italienische Historiker Roberto Pertici in einem Beitrag für die vatikanische Tageszeitung «Osservatore Romano» (Samstag), dass ein solcher Schritt ihre Chancen auf Zustimmung in der einheimischen Bevölkerung erheblich verringern würde.

Pertici, der an der Universität Bergamo lehrt, stützt sich auf ein 1978 veröffentlichtes Dokument aus dem Jahr 1945. Darin berichtet der damalige US-amerikanische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Harold Tittmann, von einem Treffen mit Josef Müller, einem katholischen Mitglied des deutschen Widerstands, am 3. Juni 1945. Der bayerische Rechtsanwalt habe ihm berichtet, dass der Widerstand stets darauf gedrungen habe, Papst Pius XII. solle die Nationalsozialisten in der Öffentlichkeit nicht direkt verurteilen, berichtet Tittmann in diesem Schreiben. Hitlers Gegner hätten nach Müllers Angaben befürchtet, dass eine deutliche päpstliche Verurteilung in der deutschen Bevölkerung den Verdacht erwecken könne, der Papst und letztlich auch die Katholiken beugten sich dem Druck der Kriegsgegner. Dadurch wäre der Handlungsspielraum für den Widerstand erheblich eingeschränkt worden. Josef Müller (1898-1979) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der erste Vorsitzende der CSU.

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