
10. Februar 2010 in Weltkirche
Rowan Williams meint auch: Das geplante Gleichstellungsgesetz für Homosexuelle in Großbritannien ist kein Angriff auf christliche Werte.
London (kath.net/KNA) Anlässlich des Streits um Bischöfinnen hat der anglikanische Primas Rowan Williams vor einem Zerwürfnis seiner Kirche gewarnt. Die Weihe von Frauen zum Leitungsamt dürfe nicht dazu führen, dass ganze Gruppen von Gläubigen verloren gingen, sagte der Erzbischof von Canterbury am Dienstag vor der Kirchensynode in London. Sowohl Befürworter als auch Gegner der Frauenordination hätten oft das Gefühl, dass ihre Gewissensgründe nicht ernstgenommen würden.
In der Debatte um Homosexuelle in der Kirche dürfe man nicht übersehen, dass es unter ihnen viele engagierte Christen und «aufopferungsvolle und vorbildliche Priester» gebe, so Williams. Im Blick auf Homosexuelle lobte der Primas eine «zunehmend geduldige, mitfühlende und dankbare» Haltung in vielen Ortskirchen. Diese Wertschätzung könne jedoch nicht eine Entscheidung der größeren anglikanischen Gemeinschaft und anderer Kirchen vorwegnehmen.
Bei dem umstrittenen Vorhaben eines Gleichstellungsgesetzes in Großbritannien gehe es weder um einen systematischen Angriff auf christliche Werte durch die Regierung noch um eine «Lizenz zur Bigotterie» seitens der Kirche.
Williams betonte die Verantwortung für andere Christen. Die Freiheit, die sich die anglikanische Kirche mit der Weihe eines in homosexueller Partnerschaft lebenden Bischofs nehme, habe faktisch eine «verheerende Wirkung» für die Freiheit etwa eines Christen in Malaysia, der deswegen als Feind der öffentlichen Moral geziehen werde. Ebenso könne die Freiheit eines afrikanischen Anglikaners, ein Anti-Homosexuellen-Gesetz zu unterstützen, die Glaubwürdigkeit des Evangeliums in Europa belasten.
Williams warnte, dass die «Freiheit» der einen zu einer «Ungerechtigkeit» für die anderen werden könne. Dies gelte etwa für das in Großbritannien diskutierte Gleichstellungsgesetz; es könnte kirchliche Arbeitgeber zur Einstellung von Mitarbeitern zwingen, die nicht mit den Lehren der Kirche übereinstimmen, so Williams.
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