
18. April 2010 in Deutschland
"Die Leute glauben nicht mehr an den lieben Gott, sondern an die Gesundheit", sagte Manfred Lütz bei der ökumenischen "Woche für das Leben".
Frankfurt am Main (kath.net/idea) Vor einer Überhöhung der Gesundheit haben die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland zur Eröffnung der Woche für das Leben am 17. April in Frankfurt am Main gewarnt. Man müsse dort die Stimme erheben, wo die berechtigte Sorge um Gesundheit das Maß verliert und sich in einen medizinisch-biotechnischen Machbarkeitswahn steigert, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), vor Journalisten.
Der badische evangelische Landesbischof Ulrich Fischer (Karlsruhe), der dem Rat der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) angehört, erklärte: Das gesellschaftliche Diktat von dauernder Leistungskraft und Fitness schließt uns gegen vermeintliche Schwächen und vermeintlich Schwache ab. Darum erheben wir als Kirchen unsere Stimmen. Zum diesjährigen Motto der Woche für das Leben Gesunde Verhältnisse sagte Fischer: Die Kirche selbst muss ein Beispiel dafür geben, was es heißen kann, kranken und behinderten Menschen, demenzkranken Älteren oder den Angehörigen von Pflegebedürftigen einen Platz in der Gemeinschaft zu geben.
Am Abend des 16. April fand ein Podiumsgespräch anlässlich der Woche für das Leben statt. Dabei sagte der Theologe, Psychiater und Publizist Manfred Lütz (Köln): Kirchen müssen dazu beitragen, den Gesundheitsbegriff zu entsakralisieren. Die Leute glauben nicht mehr an den lieben Gott, sondern an die Gesundheit.
Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst vertrat die Ansicht, dass das eigentliche Leid da beginne, wo Menschen allein sind: Gemeinschaft ist Lebensqualität, auch in der Krankheit. Die Woche für das Leben feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Seit drei Jahren steht sie unter dem Oberbegriff Gesund oder krank von Gott geliebt.
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