Paul Zulehner: Priester sind zufrieden mit ihrem Beruf

in Österreich


Pastoraltheologe plädiert für die Aufgabe der Pfarrstruktur und gründliche Entlastung der Priester von Verwaltungsaufgaben


Innsbruck (kath.net/pdi/F)
"Priester zählen zu den zufriedensten Berufsgruppen inunserer Gesellschaft". Diesen Schluss zieht Univ.-Prof. Paul M. Zulehneraus einer groß angelegten Studie unter Priestern imzentraleuropäischen Raum. Der Priesterberuf erlaube ein Maß an Freiheit undKreativität, wie es in vielen anderen Berufen nicht zu finden sei, so derTheologe im Rahmen einer Pressekonferenz im CollegiumCanisianum in Innsbruck. In der anonymen Studie befragte Zulehner im Jahr2000 insgesamt 2.500 Priester in Österreich, Deutschland, der Schweiz,Kroatien und Polen. Mehr als die Hälfte der Priester haben die Fragebögenausgefüllt.

Zu viel organisatorische Arbeit

Vier von fünf Priestern finden nach eigenen Angaben zu wenig Zeit für dieSeelsorge. Zulehner plädiert daher für eine "gründliche Entlastung" derPriester von organisatorischen und Verwaltungsaufgaben. Zentrale Aufgabe desPriesters sei es, Brücken zwischen dem Evangelium und der modernen Kultur zubauen. Zu den brennendsten Fragen der Priester zähle, wie das Evangeliumzeitgemäß verkündigt werden könne.Überrascht zeigt sich Zulehner über die mehrheitlich positive Bewertung desZölibats unter den Priestern. Zugleich würden diese jedoch deutlicherkennen, dass es in der Gesellschaft keine Unterstützung für die eheloseLebensform gebe. Etwa 12 Prozent der Priester habe in der Befragungangegeben, Halt in einer Beziehung zu suchen.

Canisianum feiert

Den Rahmen für die Pressekonferenz bildete das 90-Jahr-Jubiläum desCollegium Canisianum in Innsbruck. Das internationale Priesterseminar derJesuiten beherbergt zur Zeit 50 Seminaristen aus Afrika, Asien,Lateinamerika und osteuropäischen Ländern. "Das Canisianum lebt jeneMultikulturalität vor, die für ein künftiges Europa von zentraler Bedeutungsein wird", so Regens P. Hans Tschiggerl. Im August werden 18 Seminaristenins Canisianum eintreten und in Innsbruck Theologie studieren. Am 23. Juniwird der Jesuitenpater Frierich Prassl gemeinsam mit fünf weitern Männernvon Bischof Alois Kothgasser zum Priester geweiht.

Abschied von alter Pfarrstruktur

Auch einen möglichen Lösungvorschlag als Antwort auf denPriestermangel hat Zulehner gefunden. Der Pastoraltheologeplädiert für die Aufgabe der alten Pfarrstruktur.Für Zulehner ist die Seelsorge, das heißt der direkte Kontakt zu denGläubigen, wesentlich bedeutender als die Aufrechterhaltung der Strukturen.Er spricht sich dafür aus, dass künftig nicht in jedem Ort eine Pfarre seinmuss. Man müsse nicht mehr "das Elend eines Auslaufmodells" aufrechterhalten. Zulehner denkt vor allem auch an die Bildung vonspirituelle Gemeinschaften.


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