
6. Juli 2010 in Österreich
Fangfragen, zweideutige Fragestellungen, Kirchenpolitik mittels Statistik. Das sind die Kritikpunkte eines von der ORF-Zulehner-Befragung interviewten Wiener Pfarrers.
Wien (kath.net)
Der Wiener Pfarrer Albin Scheuch, Pfarrer von St. Augustin, hat Kritik an der ORF-Zulehner-Pfarrerbefragung geübt. Scheuch wurde im Rahmen der Umfrage interviewt. In einem Leserbrief an die österreichische Tageszeitung "Die Presse" spricht er von Fangfragen, die nicht geeignet seien, ein objektives Ergebnis zu erhalten. So manche Fragen seien für ihn nicht eindeutig mit Ja oder Nein zu beantworten gewesen, schreibt der Geistliche. Er finde es beschämend, wenn auf diese Weise Kirchenpolitik betrieben werde.
Er habe den Eindruck, dass die Kirche immer stärker zu einem geistlichen Kaufhaus verkommen soll, das mit Sonderangeboten Menschen locken will. Das stehe im Gegensatz zum Auftrag der Kirche: Jesus Christus hat keine Umfragen gestartet, um eine für ihn wohlgeformte Statistik zu haben; vielmehr hat er zu Umkehr und zur Nachfolge aufgerufen und dazu, das Reich Gottes zu suchen, schreibt Scheuch, der das eigentliche Problem nicht bei Fragen des Zölibates oder der Priesterweihe von Frauen sieht. Die Krise der Kirche ist eher eine Krise des Glaubens, auch innerhalb der Kirchenmitglieder und ihrer Geistlichen.
© 2010 www.kath.net