Christus hat vom Vater die Macht, die Ehre und das Königtum erhalten

21. November 2010 in Spirituelles


Auszüge aus der Enzyklika "Quas Primas" von Papst Pius XI. zum Hochfest Christus König


Rom (kath.net/kathpedia.com)
Das Hochfest Christus König beschließt seit der Liturgiereform 1970 das liturgische Kirchenjahr, am letzten Sonntag vor dem 1. Advent. Das Fest wurde am 11. Dezember 1925, kurz vor Abschluss des Heiligen Jahres, vom damaligen Papst Pius XI. mit der Enzyklika "Quas primas" eingeführt.

Kath.Net dokumentiert Auszüge aus der Enzyklika von stjosef.at:

Seit langem ist es allgemeiner Brauch, Christus in übertragenem Sinn als König zu bezeichnen, um damit den höchsten Grad des Vorranges auszudrücken, der ihn vor allen Geschöpfen in erhabenster Weise auszeichnet. So sagt man, er herrsche über den Verstand des Menschen, wohl freilich kraft seines durchdringenden Geistes und seines umfassenden Wissens, noch mehr aber, weil er eben die Wahrheit selber ist und weil die Menschen von ihm die Wahrheit empfangen und in Gehorsam annehmen müssen. Er herrscht über den Willen des Menschen, nicht nur weil in ihm der Heiligkeit des göttlichen Willens eine vollkommene Geradheit und Unterwürfigkeit des menschlichen Willens entspricht, sondern weil er durch Antrieb und Eingebung unsern freien Willen dermaßen beeinflußt, daß er uns für die edelsten Dinge begeistert.

Endlich wird Christus als König der Herzen anerkannt, wegen seiner Liebe, die alles Verstehen übersteigt[2] und ob der Milde und Güte, mit der er die Herzen an sich zieht; nie wurde noch wird je in Zukunft ein Mensch von der Allgemeinheit der Völker so geliebt werden wie Christus Jesus.

6 Doch Wir wollen tiefer in den Gegenstand eindringen. Es gibt wohl niemanden, der nicht einsieht, daß der Name und die Gewalt eines Königs auch im eigentlichen Sinne des Wortes Christus als Mensch zuerkannt werden muß; denn nur insofern er Mensch ist, kann man sagen, Christus habe vom Vater die Macht, die Ehre und das Königtum[3] erhalten. Als Wort Gottes, das eines Wesens ist mit dem Vater, muß er ja notwendigerweise alles mit dem Vater gemeinsam haben und besitzt so über alle Geschöpfe die höchste und vollkommenste Gewalt.

7 Daß Christus König ist, lesen wir das nicht häufig genug in den Heiligen Schriften? So wird er der Fürst genannt, der aus Jakob hervorgehen soll und der vom Vater zum Könige bestimmt ist auf Sion, dem heiligen Berge, dem die Völker zur Erbschaft gegeben werden[4] und der die Grenzen der Erde besitzen wird[5]. Im Brautgesang, in dem er unter dem Bilde eines sehr reichen und mächtigen Königs als der wahre künftige König Israels feierlich angekündigt wird, heißt es: Dein Thron, o Gott, steht fest gegründet ewiglich; ein Szepter der Gerechtigkeit ist das Szepter deines Königtums[6]. Viele ähnliche Zeugnisse übergehen Wir. Wir erwähnen eine andere Stelle, welche das Königtum Christi schärfer umreißt. Es wird da vorausgesagt, daß sein Reich, ein Reich ohne Grenzen, mit den Gaben der Gerechtigkeit und des Friedens ausgestattet sein werde: In seinen Tagen wird die Gerechtigkeit aufsprossen und die Fülle des Friedens ... Und er wird von einem Meere zum andern herrschen und vom Strome bis an die Grenzen des Erdenrunds[7].

8 Diesen Zeugnissen schließen sich in ausführlicher Weise die Weissagungen der Propheten an, vor allem jene sehr bekannte von Isaias: Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, und die Herrschaft ruht auf seinen Schultern; sein Name wird sein: Wunderbarer, Ratgeber, Gott, starker Held, Vater der Zukunft, Fürst des Friedens. Sein Reich wird ständig wachsen, und ein Friede wird sein ohne Ende. Auf dem Throne Davids und über dessen Reich wird er herrschen, daß er es festige und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit[8].

Nicht anders als Isaias weissagen die übrigen Propheten. So sagt Jeremias, es werde aus dem Geschlechte Davids ein gerechter Sproß erwachsen, und dieser Sohn Davids werde als König herrschen; er werde weise sein und Gerechtigkeit üben auf der Erde[9]; desgleichen kündet Daniel, der Gott des Himmels werde ein Reich aufrichten, das in Ewigkeit nicht zerfällt und in Ewigkeit dauern wird[10]. Kurz darauf fügt derselbe Prophet hinzu: Ich schaute weiter im Nachtgesicht: siehe da kam einer auf den Wolken des Himmels, ähnlich einem Menschensohne, und er gelangte bis zu dem Hochbetagten und ward vor ihn geführt. Ihm wurde Macht, Ruhm und Reich verliehen; ihm sollten alle Völker, Stämme und Zungen dienen; seine Herrschaft ist ewige Herrschaft, die ihm nicht genommen werden kann, und sein Reich wird unzerstörbar sein[11]. Und haben die heiligen Verfasser der Evangelien nicht als erfüllt erkannt und bewiesen, was Zacharias einst geweissagt hatte vom milden König, der auf einer Eselin reitet und auf dem Füllen einer Eselin, der als Gerechter und Retter[12] unter dem Beifall der Menge in Jerusalem einzieht?

9 Diese Lehre von Christus dem König, die Wir aus den Büchern des Alten Bundes kurzumrissen dargeboten haben, fehlt keineswegs in den Schriften des Neuen Bundes. Im Gegenteil; sie wird da auf großartige und glänzende Weise bekräftigt. Wir streifen kurz die Botschaft des Erzengels, welcher der Jungfrau verkündet, sie werde einen Sohn gebären, dem Gott der Herr den Sitz seines Vaters David geben werde, der im Hause Jakobs ewig herrschen, und dessen Reich kein Ende nehmen werde[13].

Christus selbst gibt Zeugnis von seiner Herrschaft: so in seiner letzten Ansprache an die Menge, wo er von den Belohnungen und von den Strafen spricht, die in Ewigkeit für die Gerechten oder für die Verdammten bestimmt sind, wie auch in seiner Antwort an den römischen Landpfleger auf dessen öffentliche Frage, ob er König sei, ferner, als er nach der Auferstehung den Aposteln das Amt anvertraute, alle Völker zu lehren und zu taufen. Bei jeder Gelegenheit legte er sich den Namen König bei[14] und beteuerte öffentlich, König zu sein[15]. Feierlich sprach er es aus, daß ihm alle Macht gegeben sei im Himmel und auf Erden[16]. Was anderes wollte er mit diesen Worten andeuten - als die Größe seiner Macht und die Unbegrenztheit seines Reiches?

Es kann uns daher nicht wundern, wenn jener, den Johannes den Fürsten der Könige der Erde[17] nennt, auf seinem Kleide und seiner Hüfte die Inschrift trägt: König der Könige und Herr der Herren[18], wie er dem Apostel in seiner prophetischen Schau erschien. Gott Vater hat ja Christus zum Erben des Alls eingesetzt[19]. Als solcher muß Christus herrschen, bis er am Ende der Zeiten alle Feinde Gott und dem Vater zu Füßen gelegt hat[20].

10 Aus dieser allgemeinen Lehre der Heiligen Schrift ergibt sich folgerichtig, daß die katholische Kirche als Reich Christi auf Erden, das sich auf alle Menschen und auf alle Länder ausdehnen soll, die Aufgabe hat, ihren Urheber und Stifter als König und Herrn und König der Könige unter vielfachen Formen der Verehrung im jährlichen Kreislauf der Liturgie zu begrüßen. Sie gebraucht diese Ehrenbezeugungen, die in schöner Mannigfaltigkeit der Worte denselben Sinn zum Ausdruck bringen, wie einst in der alten Psalmodie und in den altehrwürdigen Sakramentarien, so auch heute in den öffentlichen Gebeten des Offiziums, die sie der göttlichen Majestät täglich darbringt, und bei der Opferung der unbefleckten Hostie. In diesem ewigen Lob auf Christus den König wird man leicht auch den sehr schönen Einklang zwischen unseren und den östlichen Riten gewahr, so daß auch hier das Wort gilt: «Das Gesetz des Betens bestimmt das Gesetz des Glaubens».

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