Piusbruderschaft kritisiert Kondom-Aussagen des Papstes

24. November 2010 in Chronik


Der Papst habe ‚nicht zwischen der Tolerierung eines Übels und seiner Gutheißung unterschieden’, meint die traditionalistische Bruderschaft.


Stuttgart (kath.net) Die Piusbruderschaft hat die Aussagen des Papstes über die Verwendung von Kondomen kritisiert, die in dem neuen Interview-Buch mit Peter Seewald veröffentlicht sind. Das meldet die österreichische Tageszeitung „Die Presse“.

Der Papst habe "leider nicht unterschieden zwischen der Tolerierung eines Übels und seiner Gutheißung", teilte die traditionalistische Bruderschaft mit. "Seine Worte ließen sich vergleichen mit dem Rat an einen Raubmörder, sich in Zukunft auf Diebstahl zu beschränken. Aus diesem Rat dürfte man trotzdem nicht ableiten, dass der Diebstahl in gewissen Fällen erlaubt sei."

Im Interview mit Peter Seewald hatte der Papst wörtlich gesagt: „Es mag begründete Einzelfälle geben, etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann, ein erstes Stück Verantwortung, um wieder ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will. Aber es ist nicht die eigentliche Art, dem Übel der HIV-Infektion beizukommen. Diese muss wirklich in der Vermenschlichung der Sexualität liegen.“

Auf Nachfrage Seewalds, ob das nun heiße, dass die katholische Kirche gar nicht grundsätzlich gegen die Verwendung von Kondomen sei, sagte Benedikt XVI: „Sie sieht sie natürlich nicht als wirkliche und moralische Lösung an. Im einen oder anderen Fall kann es in der Absicht, Ansteckungsgefahr zu verringern, jedoch ein erster Schritt sein auf dem Weg hin zu einer anders gelebten, menschlicheren Sexualität.“

Unmittelbar davor hatte der Papst gesagt: "Das heißt, die bloße Fixierung auf das Kondom bedeutet eine Banalisierung der Sexualität, und die ist ja gerade die gefährliche Quelle dafür, dass so viele Menschen in der Sexualität nicht mehr den Ausdruck ihrer Liebe finden, sondern nur noch eine Art von Droge, die sie sich selbst verabreichen. Deshalb ist auch der Kampf gegen die Banalisierung der Sexualität ein Teil des Ringens darum, dass Sexualität positiv gewertet wird und ihre positive Wirkung im Ganzen des Menschseins entfalten kann."

Viele orten hier derzeit einen katholischen Kurswechsel in dieser Frage, kath.net hat berichtet. Jedoch hat Papstsprecher P. Federico Lombardi SJ in einer Stellungnahme bekräftigt, dass der Papst mit seinen Aussagen die Lehre der Kirche nicht reformiert oder ändert, sondern bestätigt, kath.net hat berichtet.

Auch Andreas Laun, Weihbischof in Salzburg, hat darauf hingewiesen, dass hier keine moraltheologische Veränderung vorliegt, kath.net hat berichtet.


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