
18. Dezember 2010 in Spirituelles
Liturgie ist nicht Selbstdarstellung der Gemeinde, wo man sagt, es sei wichtig, dass jeder sich selbst einbringt - Jeden Samstag im Advent ein kurzer Auszug aus dem Buch Licht der Welt von Papst Benedikt
Freiburg-Rom (kath.net)
Kath.net bringt in Kooperation mit Herder an jedem Adventsamstag bis Weihnachten einen kurzen Auszug aus dem Buch von Papst Benedikt LICHT der WELT:
Das ist ein ganz großes Kapitel. Es geht darum, dass man die Liturgie nicht als Selbstdarstellung der Gemeinde begeht, wo man sagt, es sei wichtig, dass jeder sich selbst einbringt, und wo am Schluss dann wirklich nur noch das Ich selbst wichtig ist. Es kommt vielmehr darauf an, dass wir eingehen in etwas viel Größeres. Dass wir gewissermaßen aus uns selbst heraus und ins Weite gehen können. Deshalb ist es ja auch so wichtig, dass Liturgie nicht irgendwie selbstgebastelt wird.
Liturgie ist in Wahrheit ein Vorgang, durch den man sich hineinführen lässt in das große Glauben und Beten der Kirche. Aus diesem Grund haben die frühen Christen nach Osten, zur aufgehenden Sonne hin gebetet, dem Sinnbild des wiederkehrenden Christus. Sie wollten damit zeigen, dass die ganze Welt auf Christus zugeht und Er diese Welt ganz umfasst.
Dieser Zusammenhang mit Himmel und Erde ist sehr wichtig. Die alten Kirchen waren nicht von ungefähr so gebaut, dass die Sonne in einem ganz bestimmten Augenblick ihr Licht in das Gotteshaus wirft. Gerade heute, da uns die Bedeutung der Wechselwirkungen zwischen Erde und Weltall wieder bewusst wird, sollte man auch den kosmischen Charakter der Liturgie neu erkennen. Und ebenso den geschichtlichen. Dass diese nicht irgendwann irgendjemand einfach so erfunden hat, sondern dass sie seit Abraham organisch gewachsen ist. Solche Elemente aus frühester Zeit sind in der Liturgie enthalten.
Was das Konkrete angeht, so ist die erneuerte Liturgie des Zweiten Vatikanums die gültige Form, wie die Kirche heute Liturgie feiert. Ich habe die vorangegangene Form vor allem deshalb besser zugänglich machen wollen, damit der innere Zusammenhang der Kirchengeschichte erhalten bleibt. Wir können nicht sagen: Vorher war alles verkehrt, jetzt ist alles richtig; denn in einer Gemeinschaft, in der das Beten und die Eucharistie das Allerwichtigste sind, kann nicht etwas ganz verkehrt sein, was früher das Allerheiligste war. Es ging um die innere Aussöhnung mit der eigenen Vergangenheit, die innere Kontinuität des Glaubens und Betens in der Kirche.
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Benedikt XVI.
Licht der Welt
Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit.
Ein Gespräch mit Peter Seewald
Verlag Herder
240 Seiten
geb.m.Schutzumschlag
ISBN 978-3-451-32537-3
Preis: 20,50 Euro
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Foto: (c) L'Osservatore Romano
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