
1. Dezember 2010 in Österreich
Pastoraltheologe beschimpft Peter Seewald als 'Panzerjournalist' und möchte noch ein Papstbuch mit einem Journalisten, der 'nicht aus der rechten Dunkelkammer der Kirche' komme, z. B. der homosexuelle Hape Kerkeling oder der Muslime Tariq Ramadan
Wien (kath.net/KAP/red) Man könne "dem Papst nur dankbar sein", dass er im neuen Interviewbuch von Peter Seewald nicht auf "das fundamentalistische Niveau" des Fragers hinuntergestiegen sei, "sondern Brücken schlägt, zur zeitgenössischen Theologie ebenso wie zur modernen Welt": Zu dieser Einschätzung kommt der umstrittene Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner
in seiner Rezension des jüngst präsentierten Bandes "Licht der Welt".
Anders als der bayerische "Panzerjournalist" Peter Seewald, aus dessen Fragen dem Leser ein "Hauch von unverstelltem Fundamentalismus und Ablehnung der modernen Welt" entgegentreten, erweise sich der 83-jährige Pontifex gerade nicht als "kämpferischer Antimodernist".
Dies zeige sich an einer Stelle, wo Benedikt XVI. dazu aufforderte, "das Christentum so zu leben, dass es die gute, die rechte Moderne in sich aufnimmt - und zugleich sich dann von dem scheidet und unterscheidet, was eine Gegenreligion wird". Für Zulehner Anlass zum Fazit, die moderne Welt sei für den Papst "nicht so schlecht, wie manche 'rechte' Katholiken sie gerne hätten".
Für "schmerzlich" und "sachlich ungerecht" hält der Pastoraltheologe die Papst-"Schelte" für die "Berufskatholiken": Das seien letztlich alle kirchlich angestellten Leute wie Priester, hauptberufliche Diakone, Religionslehrende, Pastoralreferenten, Angestellte in kirchlichen Einrichtungen und der Caritas sowie in der Verwaltung. "Da sind so viele Männer und Frauen, die ihr Leben auf die Karte des Evangeliums gesetzt haben und genau deshalb in der Kirche arbeiten", verteidigt Zulehner diese große Gruppe. Deren "pauschale
Diskreditierung", "die nur bei den Falschen Applaus findet", sei "in ohnedies schwerer Zeit" kränkend und löse "genau das aus, was man ihnen unterstellt, nämlich Demotivation".
Diese Einschränkung ändert nichts am insgesamt positiven Befund Zulehners zum Papstbuch. "Man wünscht sich unwillkürlich ein weiteres Interview", diesmal mit einem Gesprächspartner "nicht aus der rechten Dunkelkammer der Kirche", sondern mit jemandem, der mehr Offenheit signalisiere, so Zulehner.
Er nennt sogar Namen möglicher ergiebiger Fragesteller wie den "sympathisierenden Atheisten" Alfred Grosser, der bei der katholischen französischen Wochenzeitschrift "La Croix" arbeitet, den "spirituellen Vagabunden" und homosexuellen Bestsellerautor Hape Kerkeling oder den religiösen Moslem Tariq Ramadan. Ein Dialog des Papstes mit Persönlichkeiten wie den genannten wäre - so Zulehner - "ein Signal dafür, dass wir Christen ernsthaft glauben, dass alle Menschen Ebenbilder ein und desselben Gottes sind". Aus einem "exklusivistischen Konfessionalismus" könnte derart ein "inklusivistischer Universalismus" werden, meint Zulehner - "und das ohne Verrat an der historisch einmaligen Rolle Jesu von Nazareth".
Zulehner hatte vor einigen Wochen den neu ernannten Eisenstädter Diözesanbischof angegriffen. Damals wurde er sogar von Kardinal Christoph Schönborn öffentlich kritisiert. "Mit Entschiedenheit weise ich völlig unqualifizierte Angriffe zurück, wie sie leider auch von Prof. Paul Zulehner und Msgr. Helmut Schüller formuliert worden sind; solche Ferndiagnosen können das kirchliche Leben nur vergiften. Ich appelliere an alle, das elementare Wohlwollen, das wir in der Kirche einander schulden, auch einem neuernannten Bischof zuteil werden zu lassen.", sagte der Kardinal damals.
Das sind alles Phänomene, die man nur mit Trauer beobachten kann. Dass es sozusagen Berufskatholiken gibt, die von ihrer katholischen Konfession leben, aber in denen die Quelle des Glaubens offenbar nur noch ganz leise, in einzelnen Tropfen wirksam wird. (Papst Benedikt im Licht der Welt)
Benedikt XVI.
Licht der Welt
Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit.
Ein Gespräch mit Peter Seewald
Verlag Herder
240 Seiten
geb.m.Schutzumschlag
ISBN 978-3-451-32537-3
Preis: 20,50 Euro
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