
2. Februar 2011 in Deutschland
Zölibatsdebatte: Distriktoberer in Deutschland zitiert Konzilsdekret, kritisiert 'subjektive Selektionsmethode' der Texte und fordert CDU-Politiker und ZdK auf, sich 'unverzüglich an die Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils zu halten'.
Stuttgart (kath.net) Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland hat zur aktuellen Zölibatsdebatte Stellung genommen und dazu in ihrer Presseaussendung fast den gesamten Artikel 10 von Optatam totius zitiert, dem Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Priesterausbildung. Distriktoberer in Deutschland, Pater Franz Schmidberger, wirft den Zölibatsgegnern dabei eine "subjektive Selektionsmethode" der Konzilstexte vor, die nicht "Grundlage einer seriösen theologischen Auseinandersetzung sein" könne.
Schmidtberger schreibt: Politiker der CDU, welche zum großen Teil dem Zentralkomitée der deutschen Katholiken (ZdK) angehören, haben am 21. Januar durch eine Erklärung eine mediale Diskussion losgetreten, welche den Zölibat öffentlich in Frage stellt. Als Distriktoberer der Piusbruderschaft in Deutschland muss ich mit Erstaunen feststellen, dass es sich bei diesem Vorgehen um einen offenen Verstoß gegen die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils handelt.
Danach folgt ein langes Zitat aus Optatam totius (Abschnitt IV, 10) mit dem Nachsatz Schmidbergers: Ich fordere daher die betreffenden CDU-Politiker sowie das Zentralkomitee auf, sich unverzüglich an die Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils zu halten und die Erklärung zu widerrufen! Wer bei jeder Diskussion um die Tradition der Kirche die vollumfängliche Anerkennung des Konzil fordert, muss sich auch selber daran halten.
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. habe stets darauf hingewiesen, dass nur jene Teile des Konzils zu verbessern sind, die im Widerstreit mit der Tradition stehen.
Dem ZdK wirft er jedoch Selbstbedienungsmentalität vor. Man hat den Eindruck, das Konzil wird zu einem Dekreten-Büffet degradiert: Was einem schmeckt, das greift man heraus. Den Rest lässt man in die römische Küche zurückgehen. Eine solch subjektive Selektionsmethode kann nicht Grundlage einer seriösen theologischen Auseinandersetzung sein.
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. geriet in den 70er Jahren in offenen Konflikt mit Rom, weil sie einige Lehrpunkte des II. Vatikanums sowie verschiedene nachkonziliare Reformen verurteilte. Durch vier gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes vollzogene und damit unerlaubte Bischofsweihen im Jahr 1988 zog sich der Gründer, Erzbischof Lefebvre, 1988 als Tatstrafe die Exkommunikation zu. Papst Benedikt XVI. hat diese Exkommunikation aufgehoben, weil die Piusbruderschaft in einem Brief ihr Ja zum päpstlichen Primat erklärt hatte.
Der von der Piusbruderschaft zitierte Passus aus dem Dekret des Zweiten Vatikanums lautet: Die Alumnen, die gemäß den heiligen und festen Gesetzen ihres eigenen Ritus die verehrungswürdige Tradition des priesterlichen Zölibats auf sich nehmen, sollen mit großer Sorgfalt auf diesen Stand hin erzogen werden: sie verzichten darin um des Himmelreiches willen (vgl. Mt 19,12) auf die eheliche Gemeinschaft, hängen dem Herrn mit ungeteilter Liebe an, wie sie dem Neuen Bund in besonderer Weise entspricht; sie geben Zeugnis für die Auferstehung in der künftigen Welt (vgl. Lk 20,36) und gewinnen besonders wirksame Hilfe zur ständigen Übung jener vollkommenen Liebe, die sie in ihrer priesterlichen Arbeit allen alles werden lässt. [...]
Um die Pflichten und die Würde der christlichen Ehe, die ein Bild der Liebe zwischen Christus und seiner Kirche ist (vgl. Eph 5,32f.), sollen die Alumnen gebührend wissen; sie sollen aber klar den Vorrang der Christus geweihten Jungfräulichkeit erkennen, so dass sie nach reiflich überlegter Wahl und mit Hochherzigkeit sich in ganzer Hingabe von Leib und Seele dem Herrn weihen.
Auf die Gefahren, die ihrer Keuschheit besonders in der gegenwärtigen Gesellschaft drohen, sollen sie hingewiesen werden. Sie müssen lernen, sich durch geeignete göttliche und menschliche Hilfsmittel zu schützen und den Verzicht auf die Ehe so in ihr Dasein zu integrieren, dass sie in ihrem Leben und in ihrer Wirksamkeit vom Zölibat her nicht nur keinen Schaden nehmen, vielmehr eine vollkommenere Herrschaft über Leib und Seele und eine höheremenschliche Reife gewinnen und die Seligkeit des Evangeliums tiefer erfahren.
© 2011 www.kath.net