Noch ein illegaler Bischof in Oberösterreich

21. Juli 2002 in Österreich


"Priesterinnen" Teil eines Untergrundnetzwerkes in der Kirche. Ein Bericht von Manfred Maurer aus dem Neuen Volksblatt.


Olmütz/Linz
Die vor drei Wochen auf einem Donauschiff spektakulär inszenierte „Priesterinnenweihe“ ist offenbar nur der sichtbare Teil einer Untergrundkirche in Österreich. Dieser gehören mehrere Priester und in Oberösterreich sogar ein geheimer Bischof an — geweiht vom ehemaligen slowakischen Geheimbischof Dujan Spiner!

Die sieben Frauen hatten wie berichtet am 29. Juni in Passau vergeblich auf einen dritten Bischof gewartet, der neben Vagantenbischof Romulo Braschi und dem erst im Mai in Scharnstein illegal geweihten „Bischof“ Ferdinand Regelsberger an der „Frauenweihe“ teilnehmen sollte: Dujan Spiner, ehemaliger Bischof der tschechoslowakischen Untergrundkirche und im vergangenen September wegen Verbreitens von Irrlehren suspendierter Priester.

Das VOLKSBLATT hat Spiner im tschechischen Olmütz gefunden. Erstmals sagt er jetzt, warum er nicht gekommen ist: „Es war unmöglich, weil ich ein paar Kilometer vor Passau in einem Pfarrhaus festgehalten wurde.“ Spiner hatte vor der „Priesterinnenweihe“ einen Innviertler Pfarrer besucht. Und dieser hätte ihn an der Weiterfahrt nach Passau gehindert. Spiner: „Er hat mein Auto in die Garage gesperrt, ich konnte nicht mehr weg“ Erst am Nachmittag, als das Spektakel auf der Donau vorbei war, durfte Spiner das Pfarrhaus verlassen. Nach einem Kanada-Urlaub will er nun Mitte August die „Ober-Priesterin“ Christine Mayr-Lumetzberger besuchen, um ihr alles zu erklären. Spiner: „Es tut mir leid.“

Die Identität des Innviertler Pfarrers gibt der Slowake nicht preis. Warum? „Weil es auch andere Probleme gibt“, so Spiner kryptisch. Welche Probleme? „Da sind auch noch meine Priester.“ Wie bitte? „Ja, ich habe in Österreich Priester und einen Bischof!“ In einem langen Gespräch lässt sich Spiner das Geheimnis entlocken. Schon vor dem Fall des Eisernen Vorhanges habe er mehrere Österreicher zu Priestern geweiht — angeblich mit dem Sanktus des Vatikan. Einen dieser Priester habe er zum Bischof geweiht. Dieser arbeite nun als Pfarrer in Oberösterreich. Die Identität des Bischofs bleibt ebenso geheim wie dessen Auftrag. Nur soviel sagt Spiner: „Er ist vorbereitet für eine andere Situation in der Kirche.“

Zu dieser „anderen Situation“ gehören auch Priesterinnen. „Sicher“ wolle er, dass Frauen Priester werden könnten, „das ist meine Herzensangelegenheit“, sagt Spiner und beteuert zugleich, dass er auf der „MS Passau“ nur an der Messe teilgenommen, aber selbst keine Weihehandlung vorgenommen hätte. Dem suspendierten Priester war der Rummel um die ganze Aktion nämlich schon zu groß geworden: „Es gibt soviel Propaganda, ich muss im Untergrund bleiben.“


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