Theologieprofessoren sind völlig irrelevant

1. März 2011 in Deutschland


Manfred Lütz über das Theologen-Memorandum: Die großen intellektuellen Debatten in Deutschland finden ohne katholische Theologieprofessoren statt.


Rom (kath.net)
Der bekannte Psychiater und katholischer Theologe Manfred Lütz hat in einem Interview mit "Radio Vatikan" die Behauptung zurückgewiesen, dass er die Autoren des umstrittenen Theologenmemorandums aufgefordert habe, die Kirche zu wechseln und evangelisch zu werden. "Das stimmt überhaupt nicht. Was ich – auch psychologisch – sehr interessant fand: Ich habe in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Anfang Februar einen absichtlich unpolemischen Beitrag in eine zugegebenermaßen polemische Debatte hinein geschrieben und habe anschließend die Feststellung gemacht, dass das gar nicht geht. Die Leute verstehen auch einen unpolemischen Beitrag in einer polemischen Debatte polemisch."

Lütz stellt in dem Interview fest, dass es bei dem Theologenmemorandum um Macht und Machtlosigkeit gehe. "Ich glaube, dass Theologieprofessoren in Deutschland sehr viel Macht haben - wenn sie einmal Professor sind, können sie eigentlich machen, was sie wollen, und lehren, was sie wollen. Ihnen kann keiner mehr was. Andererseits ist es das Problem dieser Professoren, dass Theologieprofessoren gar nicht mehr wahrgenommen werden. Sie sind völlig irrelevant. Die großen intellektuellen Debatten in Deutschland finden ohne katholische Theologieprofessoren statt. Sie finden sie nicht in den großen Zeitungen und in Talkshows sowieso nicht, die Talkshows wollen katholische Positionen und laden dann Bischöfe ein."

Für den Theologen steht fest, dass Kirchenthemen vor allem bei jungen Leuten nicht vorkommen, sondern hier eine bestimmte Generation immer wieder dieselben Anliegen vorbringe. Lütz sagt dazu wörtlich: "Ich nenne das die Konservativität der Progressiven in der katholischen Kirche“. Für den Psychiater gibt es zwei konservative Milieus in der Kirche. Die einen konservierten das, was sie "das Katholische" nennen. "Und das andere ist immer dagegen, aber hat immer Forderungen, von denen die Leute genau wissen, dass sie nicht durchschlagen werden. Dann kann man konservativ im Klageritus verharren, dann ändert sich nichts."

Für Lütz ist auch klar, dass alle, die unterschrieben haben, doch wüßten, dass der Zölibat nicht wegen der Debatte aufgehoben werde. "Und dadurch, dass wir uns jetzt dauernd darüber ärgern, dass er nicht aufgehoben wird, wird es ja auch nicht besser. Das wissen die alle. Man kann kaum mehr Argumente austauschen in der Hoffnung, dass die andere Seite das als Argument wahrnimmt und nicht als Attacke. Wenn Sie das Memorandum einmal psychologisch durchschauen: Da wird mit einer Sprache gearbeitet und auf die Kirche eingeprügelt, das macht nicht viel Spaß, dann mit einer solchen Aggressivität zu reden." Ein Dialog, den die Theologen einfordern, komme daher nicht zustande, da dieser nie damit beginne, dass beide Seiten "dialogbereit" seien. "Ein Dialog beginnt immer einseitig. Immer beginnt einer, mit einem anderen Menschen zu sprechen, und je wertschätzender er das tut, je respektvoller er das tut, desto eher wird der andere Lust haben, zu antworten. So beginnt Dialog“, stellt Lütz abschließend fest.




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