
12. August 2002 in Jugend
Ein Kommentar von Manfred Maurer (Neues Volksblatt) zu Papst Johannes Paul II. und den vergangenen Weltjugendtagen in Toronto
Er klopft keine coolen Spräche und kümmert sich um keinen Zeitgeist, er kommt auf dem Krückstock daher – und trotzdem bei der Jugend an: Johannes Paul II., der Antipode eines Popstars, stellt die Popikonen in den Schatten. Mit den Säulenheiligen des Jugendkultes nimmt es dieser alte Mann noch immer locker auf. Wie ist es zu erklären, dass ein kränkelnder Greis hunderttausende Jugendliche zu begeistern vermag, obwohl er überhaupt nichts von dem anzubieten hat, was gemeinhin als jugendkultig gilt? Die Erklärung kann nur sein, dass es jenseits der Spaßgesellschaft doch noch etwas gibt, das die Jugend sucht und bei der kommerziellen Bedürfnisbefriedigungsindustrie nicht findet: Sinn und Orientierung. Johannes Paul II. füllt offenbar jene proportional zum materiellen Überfluss wachsenden Marktlücke, in der Spiritualität mit Tiefgang zu finden ist. Anstatt sich mit jugendlichem Gehabe unglaubwürdig anzubiedern, vermittelt der Papst väterliche Güte ebenso wie Autorität.
Es scheint ein Bedürfnis danach zu geben. Und das sollte auch jene in der katholischen Kirche nachdenklich stimmen, die meinen, diese Institution durch Modernisierung und Liberalisierung vor dem Niedergang retten zu müssen. Wenn der vermeintlich unmoderne Popestar „J-P Two“ auftritt, ist jedenfalls von Niedergang oder Krise nichts zu spüren.
Infos, bald auch über WYD in Köln auf: www.weltjugendtag.com
Foto: (c) SIR
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