Vatikan und Anglikaner beginnen neue Dialogphase

17. Mai 2011 in Weltkirche


Jüngste Übertritte von Anglikanern zur katholischen Kirche stehen nicht auf dem Programm gemeinsamen Gespräche


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Der Dialog zwischen dem Vatikan und der anglikanischen Kirche geht in eine neue Runde. Von Dienstag an tagt die Internationale anglikanisch-katholische Kommission (ARCIC) im norditalienischen Kloster Bose (Piemont) über das Verständnis der Kirche als lokale und universale Gemeinschaft. Die Gespräche sind bis zum 27. Mai angesetzt.

Mit den Beratungen tritt der ökumenische Dialog der ARCIC in seine dritte Phase. Die erste (1970-81) befasste sich vor allem mit der Eucharistielehre und mit Fragen des Leitungsanspruchs. Phase zwei (1983-2005) hatte Erlösungslehre, Gemeinschaftsverständnis, Lehrautorität und die Rolle der Gottesmutter Maria zum Thema. Die Verhandlungen verliefen bis zum Jahr 2003 in einem sehr positiven Klima; eine erfolgreiche ARCIC-Dialogrunde hatte 2002 auf Einladung von Kardinal Christoph Schönborn in Wien stattgefunden.

Die neue Gesprächsrunde wurde nach einem Treffen zwischen Papst Benedikt XVI. und dem anglikanischen Primas Rowan Williams im November 2009 im Vatikan angekündigt. Die Teilnehmerrunde setzt sich zusammen aus zehn anglikanischen und acht katholischen Theologen unterschiedlicher Fachrichtungen. Leiter der Kommission sind der katholische Erzbischof von Birmingham, Bernard Longley, sowie der anglikanische Erzbischof von Neuseeland, David Moxon.

Der englische katholische Kurienmitarbeiter Msgr. Mark Langham vom Päpstlichen Ökumenerat hatte vor kurzem gegenüber "Radio Vatikan" betont, dass die jüngsten Übertritte von Anglikanern zur katholischen Kirche nicht auf dem Programm der ARCIC-Gespräche in Bose stehen. Der Fokus liege auf dem Thema "Gemeinschaft"; das für übertrittswillige Anglikaner geschaffene Personalordinariat sei "ein sehr wichtiges Element in der Landkarte der Beziehungen zwischen beiden Kirchen, aber es wird von sich aus nicht in unsere Diskussionen einfließen", so Langham.

Weiters erklärte der ARCIC-Sektretär, man wolle die "heißen Punkte nicht einfach frontal angehen". Es sei "produktiver und kreativer", zunächst nach Gemeinsamkeiten zu suchen, und sich dann erst mit den Gründen für die Trennung zu befassen, so Langham.

Zur Krise war es 2003, ein Jahr nach dem Wiener Gespräch, gekommen, als die Leitung der anglikanischen Kirche der USA (Episcopal Church) grünes Licht zur Weihe eines offen in homosexueller Partnerschaft lebenden Priesters zum Bischof gab. Die umstrittene Bischofsweihe fand schließlich im November 2003 in Durham (New Hampshire) statt.

Langham hob im "Radio Vatikan"-Interview die Notwendigkeit eines diplomatischen Vorgehens hervor: "Wenn wir einfach so direkt über die heißen Punkte sprechen, dann würden sich beide Seiten auf Positionen versteifen, und man käme nirgendwohin."

Die ARCIC wolle in der kommenden Gesprächsrunde eher versuchen, die Wurzeln der Unterschiede zwischen Anglikanern und Katholiken zu erörtern. Das Hauptthema, die "Gemeinschaft", sei angesichts der jüngsten Entwicklungen in der anglikanischen Kirche "sehr wichtig".

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