
6. September 2011 in Weltkirche
Bischof Fellay: Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. schließt eine Einigung mit Rom auf der Grundlage der Anerkennung des Konzils aus. Von Armin Schwibach
Rom (kath.net/as) Wenige Tage vor der Begegnung der Leitung der Priesterbruderschaft St. Pius X. mit dem Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, William J. Kardinal Levada, am 14. September wurde auf der Internetseite des französischen Distrikts der Bruderschaft die Mitschrift einer Konferenz veröffentlicht, die der Generalobere Bischof Bernard Fellay im Rahmen der VI. Université dété am 15. August in der französischen Stadt Saint-Malo gehalten hat. Fellay setzte sich dabei mit dem aktuellen Stand der Beziehungen zwischen der Priesterbruderschaft und Rom auseinander.
In seinen umfangreichen Erläuterungen bekräftigte Fellay, dass für die Priesterbruderschaft St. Pius X. eine Einigung mit Rom auf der Grundlage einer Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils unmöglich sei. Es bestehe nicht die Absicht, diesen Weg einzuschlagen. Das Ergebnis der theologischen Gespräche könne nicht in Zugeständnissen an den Vatikan bestehen, die die Prinzipien der Bruderschaft gefährdeten, so Fellay im August hinsichtlich des bevorstehenden Treffens mit Kardinal Levada. Gleichzeitig erklärte der Bischof, dass er nicht wisse, worin ein eventueller Vorschlag des Vatikans bestehe. Das Hauptprinzip der Bruderschaft bestehe im Glauben. Daher könne ein eventueller Vorteil einer Einigung nicht damit bezahlt werden, dass der Glaube aufs Spiel gesetzt werde: Zuerst der Glaube, um jeden Preis, der Glaube hat den Vorrang vor einer Anerkennung seitens der Kirche.
Fellay kritisierte auch den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und den Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller. Beide Bischöfe hätten zusammen mit den anderen deutschen Bischöfen eine Strategie entwickelt, um uns auszulöschen. Im Jahr 2009 sei versucht worden, die Subdiakonats- und Priesterweihen zu verhindern, um sich auf diese Weise gegen die Rücknahme der Exkommunikation der vier unrechtmäßig geweihten Bischöfe der Bruderschaft (Januar 2009) zu stellen.
Fellay beklagte insbesondere das Verhalten des Bischofs von Regensburg, der sich im Jahr 2009 gegen die Priesterweihen in Zaitzkofen gestellt habe, obwohl diese seit dreißig Jahren im Priesterseminar stattfinden, das sich auf dem Territorium des Bistums Regensburg befinde. Laut Fellay sei das Verhalten von Bischof Müller ausschließlich auf die Rücknahme der Exkommunikation zurückzuführen. Die deutschen Bischöfe seien von der Überzeugung ausgegangen, dass der Papst im Fall von unerlaubten Priesterweihen eine erneute Exkommunikation aussprechen werde. Laut Fellay habe sich Erzbischof Zollitsch nach Rom begeben, um in diesem Sinn Druck auf den Papst und Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone auszuüben.
Fellay berichtete, dass ihm während der Diskussionen im Vorfeld der Priesterweihen der kolumbianische Kurienkardinal Dario Castrillón Hoyos telefonisch zugesichert habe: Wenn die Priesterbruderschaft für die Weihen den Papst um eine Genehmigung erbitte, werde diese auch umgehend erteilt werden. In einem anderen Telefonat habe ihm der Kardinal erklärt, dass der Papst nicht nur Freunde habe und die deutschen Bischöfe Druck ausüben würden. Die Bruderschaft würde dem Papst einen Gefallen tun, wenn sie auf die Weihen in Deutschland verzichten würde. Aus diesem Grund seien die Subdiakonatsweihen dann nach Ecône verlegt worden.
Fellay habe dem Papst geschrieben, um ihn über das Geschehene zu informieren. Er habe ihn gebeten, in den Weihen keinen Akt der Rebellion, sondern einen Akt des Überlebens zu sehen, zu dem es unter komplexen und schwierigen Umständen komme. Damit sei die Sache erledigt gewesen. Dass die Priesterweihen stattgefunden haben, bezeichnete Fellay als einen kleinen Sieg angesichts der Tatsache, dass die Bruderschaft eine ganz kleine Kongregation sei, die gegen eine Bischofskonferenz angekämpft und gesiegt habe.
© 2011 www.kath.net